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Elefanten im Porzellanladen

Eine frühere Manufakturistin hat in der Dresdner Neustadt ein Geschäft eröffnet und hütet darin ihr Lieblingstier.

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© Jörn Haufe

Von Michel Kusche

Der Albtraum eines jeden Porzellanverkäufers ist der Traum von Anne Rößler. Sie hat gut 30 Elefanten in ihrem Laden. Doch statt zu trampeln, stehen sie im Schaufenster. Neben Tassen, Schmuck und Leuchten warten die Porzellantiere in Rößlers Geschäft „Elefimp“ an der Rothenburger Straße auf neue Besitzer.

Das besondere Faible für die Dickhäuter hat die 31-Jährige bereits seit Langem. „Schon als kleines Kind mochte ich diese Tiere“, erinnert sich die gebürtige Brandenburgerin. Dass sich ihre Faszination für die Rüsseltiere mit dem Porzellanhandwerk verbindet, verdankt sie ihrem Großvater. Als sie sich am Gymnasium spezialisieren musste, riet der seiner Enkelin, ein Fach zu wählen, das Geld bringen wird, und eines, das ihr Spaß macht.

Rößler machte ihr Abitur in den Leistungskursen Chemie und Kunst. Später als Kunsthandwerkerin zu arbeiten habe da nahegelegen, denn beide Fächer seien dafür notwendig gewesen, erläutert sie. Mit dem Abitur in der Tasche zog sie nach Meißen und ließ sich in der Porzellan-Manufaktur ausbilden. Aber auf Dauer Geschirr im traditionellen Stil herzustellen, war nicht ihre Sache. Die junge Künstlerin mag eher den modernen Stil.

Nach dem Lehrabschluss begann sie deshalb, in Halle Keramik- und Glasdesign zu studieren. Als sie dort eine Designarbeit anfertigen sollte, kam Rößler die Idee, einfach ihr Lieblingstier in Porzellan zu gießen. „Ich wollte es mit möglichst einfachen Formen darstellen“, sagt sie. Herausgekommen ist eine Figur, die mit nur vier geschwungenen Linien die Konturen eines Dickhäuters darstellt. Den Porzellanelefanten und andere Studienarbeiten verkauft die junge Designerin nun in ihrem eigenen Laden. Und ständig kommen neue Stücke hinzu. Nach der Arbeit geht sie gerne hinaus in die Wälder rund um Dresden und lässt sich inspirieren. Mit Pinsel und Bleistift fertigt sie Skizzen von Tieren, Pflanzen oder Blumen an. In ihrer Werkstatt werden die dann zu neuen Porzellanwerken. So sind Leuchten entstanden, die an geöffnete Tulpenblüten erinnern und Teekannen mit Entenkopf.

Obwohl sie ihr großes Ziel erreicht hat, mit ihrer Leidenschaft Geld verdienen zu können, hat sie noch einen anderen Traum: Wenn der Laden gut läuft, will sie nach Afrika fliegen und einmal richtige Elefanten anfassen.