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Elefantensteine-Entscheidung stößt überwiegend auf Kritik

Oybins Bürgermeister startet einen letzten Rettungsversuch und Landtagsabgeordneter Meyer macht einen Vorschlag.

Von Thomas Mielke

Die Entscheidung über das Abmeißeln der „Nasen“ der Elefantensteine im Zittauer Gebirge hat gestern unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Eine ganze Reihe Leser rief in der SZ-Redaktion an und äußerte ihr Unverständnis über das Vorgehen der Stadt Zittau. Auch aus den eigenen politischen Reihen gab es Kritik. „Da darf nichts abgemeißelt werden“, teilte Rainer Harbarth, Fraktionsvorsitzender der Linken im Stadtrat, mit. Er wollte das Thema gestern Abend im Verwaltungs- und Finanzausschuss zur Sprache bringen. Ähnlich äußerte sich die Fraktionsvorsitzende von SPD/Grünen, Rosemarie Hannemann. „Auch wenn das Argument der Wirtschaftlichkeit sehr schwer wiegt, entspricht diese Entscheidung nicht unserer Auffassung“, teilte sie mit. „Ich empfinde diese Maßnahme als Tabubruch.“ Allerdings geht sie auch davon aus, dass sich die Stadt um eine sorgfältige Abwägung aller Interessen und Möglichkeiten bemüht hat.

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Noch mehr Verständnis für die Entscheidung zeigte gestern Landtagsabgeordneter Stephan Meyer (CDU). Er habe zwar Bauchschmerzen bei einem Abmeißeln, sagte er der SZ. Er akzeptiere aber, wenn Zittau den genehmigten und von Ausgleichsmaßnahmen begleiteten Eingriff vornehme. Meyer wünscht sich dennoch, dass Zittau solche Probleme anders löst, weil Forstwirtschaft nachhaltig sein soll. Er schlägt deshalb vor, eine andere Rechnung aufzumachen: Da der Wald nicht wie ein Firmengebäude in ein paar Jahren abgeschrieben sein muss, sondern auch noch in Jahrhunderten bewirtschaftet werden soll, könnten Investitionen wie für die Befestigung des Brandsteinweges über eine viel längere Zeit betrachtet werden. Dadurch wäre die hohe Investition gerechtfertigt.

Oybins Bürgermeister Hans-Jürgen Goth (Linke) hat eigenen Angaben zufolge von der Entscheidung durch die SZ erfahren. Er hat Oberbürgermeister Arnd Voigt (Freie Bürger) gebeten, das Abmeißeln zu verhindern. Eine Antwort steht noch aus.

Die Stadt will Vorsprünge der Felsgruppe abmeißeln lassen, damit die Aufkäufer mit ihren Lastern, die breiter als früher sind, das Holz noch auf dem als Wirtschaftsweg ausgelegten Brandsteinweg zwischen Elefantensteinen und einem Abhang transportieren können. Zuvor hatte sie Alternativen wie die Befestigung oder Tieferlegung des Weges geprüft, aber als zu teuer verworfen. Auch Anschaffung und Unterhalt für eigene, schmalere Autos oder Pferde würden die Stadt viel Geld kosten.

Die Felsgruppe gehört zum Zittauer Stadtwald, steht aber auf Oybiner Flur.

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