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Sachsen

Elf Ideen für Sachsens Tourismus

Mit dem Kasper durch Hohnstein, immer einen Platz zum Zelten, und der Stolln muss ins Netz: So sollen mehr Besucher ins Land gelockt werden.

Obercunnersdorf in der Oberlausitz ist für seine Umgebindehäuser bekannt. Eins könnte ein Pop-up-Store werden.
Obercunnersdorf in der Oberlausitz ist für seine Umgebindehäuser bekannt. Eins könnte ein Pop-up-Store werden. ©  Wolfgang Wittchen

Zwei Tage haben sie sich eingeschlossen in der Freischützstube des Berghotels Bastei. Die spektakuläre Aussicht ist ein bisschen versteckt hinter Plakaten und Zetteln, die an den Fenstern kleben. In Lohmen trafen sich elf der 30 Ideengeber zur ersten von drei Werkstätten für den Wettbewerb des Landestourismusverbands und des Zentrums für Kultur- und Kreativwirtschaft. Das Ziel: neue Angebote für einen modernen Tourismus in Sachsen finden.

● Mit dem Kasper durch Hohnstein
Der Hohnsteiner Kasper soll zu einer Marke entwickelt werden, etwa für einen Naturwanderpfad rund um Hohnstein. Sie soll nicht nur Touristen ansprechen, sondern auch Anwohner aus der Region. Mit ihrer Familie können sie sich ohne Auto auf Tour begeben, im Wald Rätsel lösen und etwas lernen – natürlich auch auf Tschechisch und Englisch, damit den Pfad auch ausländische Touristen finden.

Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

● Eine Blockstube für alle
Was macht man mit einem sanierten, aber leerstehenden Umgebindehaus in Obercunnersdorf? Isabell Kummerlöw hat eine Idee für den Familienbesitz: Sie will den Raum zur Verfügung stellen, als „Block-up-Store“ mit wechselnden Nutzern, etwa als Verkaufsraum, für Kurse, Seminare oder Workshops. Zum Raum soll es ein Paket geben: Kummerlöw übernimmt Organisation, Werbung und Kommunikation.

● Immer einen Platz zum Zelten finden
Die Idee des Couchsurfens für Zelte kommt aus Skandinavien: Jeder, der einen Garten hat, kann diesen Besuchern kostenlos zur Verfügung stellen, damit sie dort für eine Nacht ihr Zelt aufbauen können. Das Internetportal „1NiteTent“ gibt es schon, ehrenamtlich organisiert, 70 Plätze sind deutschlandweit eingetragen. „Sachsen könnte eine Modellregion werden“, sagt Ideengeber Patrick Pilr. Das Ziel: stärkere Kooperation mit Gemeinden, um mehr öffentliche Plätze anbieten zu können, eine kostenpflichtige App mit Karten der Eine-Nacht-Zeltplätze entwickeln und Spenden sammeln.

● Sonnenpfade professionalisieren
Mehr als 48 Sonnenheiligtümer gibt es in der Oberlausitz und in Böhmen – Steine, die so modifiziert sind, dass sie funktionstüchtige Kalender zur Bestimmung der Jahreszeiten sind. Im Projekt „Sonnenpfade“ wurden sechs von ihnen erschlossen. „Wir haben schon viel Zulauf“, sagt Ralf Herold von der Sternwarte Sohland. Um das Projekt auszubauen und Touren anzubieten, sollen ein Projektmanager und ein Freiwilligendienstler das ehrenamtliche Engagement ablösen.

● Erlebniswelt SteinReich erweitern
Die Sagenwelt der sächsisch-böhmischen Schweiz soll das Thema einer Schlechtwettervariante der Erlebniswelt SteinReich werden. Spielerisch und mit Rätseln lernen Kinder, Jugendliche und Erwachsene in verschiedenen Aufgaben etwas über die Mythen der Region. Das Haus muss noch gebaut werden, sagt Karen Trepte vom SteinReich, und könnte aus den laufenden Einnahmen finanziert werden.

● Urlaub auf einem Hof um 1900
Sie wollen raus aus dem hektischen Alltag? Ein sorbischer Hof in der Oberlausitz könnte ein Zentrum für Entschleunigung werden. Das Haus wurde auf den Stand von 1900 zurücksaniert: Holzfeuerherd, Wasser aus der Pumpe, kein Strom oder Internet. Die Betreiberfamilie wohnt direkt nebenan, berät und hilft, wenn alltägliche Tätigkeiten wieder bewusst und langsam ausgeführt werden können.

● Eine Reise zu Sachsens Handwerkern
Sachsen hat die größte Dichte an Manufakturen in Deutschland: Neben Sternen aus Herrnhut, Porzellan aus Meißen und Rasierpinseln aus dem Erzgebirge gibt es viele Handwerkskünstler, bei denen sich ein Besuch lohnt. Ute Czeschka vom Manufakturhaus will für individuelles und exklusives Publikum Reisen zu ihnen organisieren.

● Der Stolln muss ins Netz
Der Rothschönberger Stolln bei Nossen ist ein Kandidat für das Unesco-Welterbe. Das Problem: Er ist nur nach vorheriger Anmeldung in einer Führung zu besichtigen. Für spontane Touristen gibt bisher nichts zu erfahren. Die Lösung: Das Wissen digital zur Verfügung stellen. Ein Schlag auf den Amboss oder eine Fahrt mit dem Kahn am Stolln ist der Schlüssel zu einem QR-Code, der auf eine Webseite führt. Dort können sich Bergbau-Interessierte die Geschichten aus den Führungen selbst erschließen.

● Schmilka wird zum Erlebnisdorf
Schmilka hat sich in den letzten Jahren zu einem Touristenmagnet entwickelt. Mit einem digitalen Angebot und einem Leitsystem vor Ort sollen die Touristen mehr über die Geschichte des Dorfes erfahren können – egal, ob sie sich für regionale Lebensmittel, Brauereien oder Bäckereien interessieren. Damit sollen die Führungen vor Ort entlastet und die Aufenthaltsdauer verlängert werden.

● Auf den Spuren von Sachsens Kuchen
Dresdner Eierschecke, Pulsnitzer Pfefferkuchen, Leipziger Lerche: Den Weg zum nächsten Café oder Bäcker vor Ort, der traditionelle sächsische Kuchen anbietet, zeigt in Zukunft das Internetportal kuchenstraße.de. Dort sollen neben der Geschichte der Backwaren auch Rezepte zu finden sein.

● Das CO2-neutrale Hotel
Forscher des Instituts für Luft- und Kältetechnik an der TU Dresden arbeiten an der Energieversorgung der Zukunft: Hotels könnten mithilfe von Wasser nachhaltig, CO2-neutral und energieautark wirtschaften. Als Abfallprodukt entsteht durch das neu entwickelte Verfahren Eis – für Kühllager oder Wintersportangebote.