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Elixier vom „Hexer“ aus der Zaubergrotte

Zwei Angeklagte sollen sich in Hrensko mit Crystal eingedeckt haben. Nur für den Eigenbedarf? Das darf man getrost bezweifeln.

Von Alexander Schneider

Sven W. soll der „Hexer“ sein, der in seiner „Zaubergrotte“ die begehrte Partydroge Crystal erwartungsvollen Junkies verkauft. Der 40-jährige arbeitslose Metzger aus Freital bestreitet das. In der „Zaubergrotte“, wie auch er seinen Hobbykeller in der Freitaler Johannesstraße nennt, habe er an ferngesteuerten Autos gebastelt und Kumpels auch mal Schnaps ausgegeben. Mehr sei nicht gewesen. Seit gestern steht Sven W. zusammen mit seinem Kumpel René O. (41) wegen Einfuhr von und Handels mit Drogen vor dem Landgericht Dresden.

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Mehrfach sind die Männer laut Anklage mit der S-Bahn nach Schmilka gefahren, um im tschechischen Hrensko Crystal zu kaufen. Sven W. gab die vier angeklagten Taten zu. Zwischen Ende August und Ende September 2013 habe er dreimal je zehn Gramm und einmal knapp 80 Gramm gekauft. Zweimal habe er dabei fünf Gramm für René O. geschmuggelt, der ihn begleitet habe. W. sagte, er habe nur einen Teil der Drogen verkauft, um seine Unkosten zu finanzieren. Die Abnehmer nannte er nicht.

Das Geständnis basiert auf einer Absprache. Das Gericht hatte W. dreieinhalb bis knapp über vier Jahre Haft für ein volles Geständnis in Aussicht gestellt. Der Mitangeklagte O. kann mit drei bis dreieinhalb Jahren rechnen. Er gab seine Mitwirkung an zwei Fahrten zu. Er habe W.s Einkauf „mehr oder weniger abgesichert“, sagte er.

Dem Staatsanwalt gehen die Angaben offensichtlich nicht weit genug. Bei Durchsuchungen in den Wohnungen der Angeklagten wurde ein Arsenal entdeckt, wie es Dealer haben, die im großen Stil mit Drogen handeln: W. hatte Feinwaagen, Cliptütchen, zwei Preislisten mit unterschiedlichen Tarifen und einen Teleskopschlagstock. Bei O. stellte die Polizei Dutzende Cliptütchen, zwei Schuldnerlisten, fünf Feinwaagen, eine Metallplatte mit Crystal-Spuren sicher. Und auch Waffen: ein Messer und einen Hammer versteckt im Sofa, Reizgas und Schlagstock hinter der Stubentür. Weiter besaß O. 37 Handys und 18 Sim-Karten. Darüber hinaus hielt der Staatsanwalt Sven W. auch verdächtige SMS-Nachrichten vor, die auf dessen Handy gefunden wurden. Eine sogar in Reimform. „Eh Hexer! Wann bist de heute mal in der Zaubergrotte!“ beginnt die verräterische Schüttel-Lyrik (im Original-Wortlaut):

Die SMS soll ein 32-jähriger Verdächtiger namens Axel R. aus Freital gedichtet haben – vor einer Beschaffungsfahrt. Weitere Nachrichten wurden deutlich vor W.s erster zugegebener Schmuggel-Fahrt erstellt. Sven W. sagte, er habe R. nie Crystal verkauft. Mit „Elixier“ sei Schnaps gemeint gewesen. „Gier nach Schnaps? Das nehme ich Ihnen nicht ab“, entgegnete der Staatsanwalt. Der Prozess wird fortgesetzt.