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Elli muss gehen, weil Horst gefährlich ist

Das Wildgehege zieht die Konsequenz aus mehreren Vorfällen und gibt eine Elchkuh ab. Nachwuchs gibt es in Moritzburg vorerst nicht mehr.

Elchbulle Horst darf bleiben. Seine Tochter Elli wurde am Montag in die Uckermark gebracht. Warum mussten Elli und Horst getrennt werden?
Elchbulle Horst darf bleiben. Seine Tochter Elli wurde am Montag in die Uckermark gebracht. Warum mussten Elli und Horst getrennt werden? © Arvid Müller

Moritzburg. Besucher des Wildgeheges Moritzburg standen am Montagmorgen vor verschlossener Tür. Die zum Staatsbetrieb Sachsenforst gehörende Einrichtung bleibt aus betrieblichen Gründen geschlossen, war auf einem A-4-Blatt am Tor zu lesen. In der Vergangenheit verbarg sich hinter solch einer unvorhergesehenen Schließung meist der Ausbruch eines Tieres aus seinem Gehege. Oder wetterbedingte Schäden. Beides war am Montag nicht der Fall.

Einen Hinweis gab der große Tiertransport-Anhänger mit dem Elchkopf an der Heckklappe, der auf dem Parkplatz stand. „Wir müssen unsere Elchkuh Elli weggeben“, sagte Wildgehegeleiter Ronald Ennersch auf Nachfrage nur schnell im Vorbeigehen. Dann steigt er mit in das Fahrzeug vor dem Anhänger, um das Gespann zum Wirtschaftshof zu dirigieren.

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Am Nachmittag hat der Forstmann dann mehr Zeit. Da ist das 2017 in Moritzburg geborene weibliche Tier schon auf dem Weg in ihre neue Heimat. Einer Elchfarm in der Uckermark. Und ihr Vater, der Elchbulle Horst, kommt nach der am Vormittag erfolgten Betäubung durch den Tierarzt gerade wieder langsam zu sich. Künftig, so Ronald Ennersch, wird er allein in der großen Elchanlage sein. Wie er darauf reagiert, bleibt abzuwarten.

Für das Wildgehege war es keine leichte Entscheidung, ausgerechnet bei seinem Wappentier nun auf unbestimmte Zeit auf Nachwuchs zu verzichten. „Die Alternative wäre gewesen, Horst zu erschießen. Das wollten wir aber nicht.“ Der 14 Jahre alte Bulle soll vielmehr sein Gnadenbrot in Moritzburg bekommen.

Horst hat Elli (Foto) nicht mehr in seiner Nähe geduldet. Der Bulle  hat sie in der vergangenen Woche sogar mit seinen Beinen am Rücken verletzt.
Horst hat Elli (Foto) nicht mehr in seiner Nähe geduldet. Der Bulle  hat sie in der vergangenen Woche sogar mit seinen Beinen am Rücken verletzt. © Arvid Müller

Aber warum mussten Elli und Horst überhaupt getrennt werden? Schließlich hatte die junge Elchkuh Anfang Mai ihr erstes Kalb geboren. Alle drei präsentierten sich danach den Pflegern und Besuchern in friedlicher Eintracht. Allerdings nur für kurze Zeit, wie der Wildgehegeleiter weiß. „Nachdem wir den kleinen Elch Mitte Mai nicht mehr gesehen haben, wurde Horst zusehends aggressiver.“ Wie der Elchnachwuchs zu Tode kam, weiß man nicht. „Wir konnten in dem Gehege nicht nach ihm suchen.“

Horst habe Elli nicht mehr in seiner Nähe geduldet. „Er hat sie vor sich hergetrieben und sie bedrängt“, so Ronald Ennersch. „Wir dachten, dass sich das wieder legt, haben versucht, sie getrennt zu füttern.“ Geändert hat sich nichts. Im Gegenteil. „Als der Bulle Elli in der vergangenen Woche mit seinen Beinen am Rücken verletzt hat, mussten wir handeln. Denn noch einen toten Elch wollten wir nicht haben“, ergänzt der Wildgehegeleiter.

Diese Sorgen waren nicht aus der Luft gegriffen. Schließlich hatte es in den vergangenen Jahren bei den großen Hirschen immer wieder Zwischenfälle mit meist tragischem Ausgang gegeben. 

Das Wappentier des ältesten sächsischen Wildgeheges sorgte bei Mitarbeitern und Besuchern gleichermaßen immer wieder für eine Achterbahn der Gefühle. Es gab Situationen, wo Elchkühe in Panik die hohen Mauern und Zäune übersprangen und sich dabei teilweise schwer verletzten. 

Über die Ursachen dafür konnte nur spekuliert werden. Mehrfach starben Tiere an Gelbsucht. Im September des vergangenen Jahres ereignete sich dann das letzte Drama.

Elch-Bulle Horst hatte es in der Paarungszeit, der Brunft, auf eine seiner beiden Töchter abgesehen. Während er Elli erfolgreich deckte, bedrängte er deren Zwillingsschwester auf eine andere Art. Mit seinem Geweih hatte er die junge Elch-Kuh offenbar gegen eine Tür in der Nähe der Futterstelle gedrückt und dabei so schwer verletzt, dass sie schließlich verendete.

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Bei der Attacke in der vergangenen Woche hatte sich Horst offenbar auch selbst verletzt. Der Tierarzt kümmerte sich am Montag darum. Ronald Ennersch will sich nun in Ruhe umsehen und für die Zeit nach Horst planen. „Ob wir uns dann zwei oder drei neue Elche holen und woher, ist derzeit völlig offen.“ Nur eines steht fest. Elche soll es weiter geben. Auch wenn ihre Haltung nicht leicht ist.

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