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Elma bleibt jetzt im Stall

Am Montag war die Kuh auf ihrer Flucht mehr als 10 Kilometer weit gelaufen. Aber was droht nun den Haltern?

Weder für Mensch noch Tier eine angenehme Situation: Kuh Elma bei ihrer Flucht am Montag in der Görlitzer Nikolaivorstadt.
Weder für Mensch noch Tier eine angenehme Situation: Kuh Elma bei ihrer Flucht am Montag in der Görlitzer Nikolaivorstadt. © Danillo Dittrich

Den Schreck müssen sie erst mal verdauen. Nicht nur die Kühe, die am Montag aus Markersdorf in Richtung Görlitz abgehauen waren. Auch die Halter vom Landwirtschaftsbetrieb Zachmann in Markersdorf stehen noch ziemlich unter Schock. 

Dabei war es einfach eine Verkettung unglücklicher Umstände, die am Montag schließlich zu einem Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr geführt hatte. Juniorchef Christoph Zachmann erzählt: „Wir wollten die Tiere aufladen, um sie auf eine andere Weide zu bringen, aber vier sind nicht auf den Wagen gelaufen.“ Schließlich entwischten sie und rannten ausgerechnet Richtung Bahngleise und Stadt. Was dann passierte, sei für die Tiere und speziell für Elma, die die weiteste Flucht hinlegte, am schlimmsten gewesen. Die Hektik, der Krach, die Sirenen, all das machte ihr nur noch mehr zu schaffen, puschte sie aber offenbar auch unvorstellbar mit Adrenalin und ermöglichte so wohl überhaupt erst die stundenlange Flucht.

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Zehn Kilometer legte Elma dabei zurück, schwamm sogar durch die Neiße. Den Namen Elma kennt Christoph Zachmann übrigens gar nicht, „bei mir hat sie eine Nummer wie alle anderen auch“, sagt er. Er kennt das Tier und das gelte auch umgekehrt. Zwölf Jahre alt ist Elma, hat ihr ganzes Leben auf der Weide verbracht, sei alt und erfahren. „Sie ist eigentlich eine ganz Zutrauliche.“ Doch in dem Verlade-Moment habe sie wohl kurz die Orientierung verloren, war plötzlich allein und dann nahm alles seinen Lauf. „Sie hat später bei den Versuchen in der Stadt, sie einzufangen, auch uns nicht mehr erkannt. Das war einfach alles zu viel Trubel.“

Doch die Einsatzkräfte hatten am Montagnachmittag keine andere Wahl als zu handeln. Schließlich war die Situation nicht ganz ungefährlich, in Videoaufnahmen ist zu sehen, wie Elma ohne zu zögern auf einen Mann zu rennt, der sie aufhalten will, sich dann aber doch durch einen Sprung beiseite in Sicherheit bringt. Während zwei der vier Ausreißer schnell wieder eingefangen werden konnten, war es ein weiteres Tier, das ebenfalls nicht ganz ohne war. Denn es war kein niedliches, kleines Kalb mehr wie zuerst vermeldet, sondern ein Bulle von einem Jahr. Für ihn endete der Ausflug am Montag tödlich, er wurde erschossen. Das Einverständnis dazu hatten Zachmanns erteilt. „Eigentlich sollte er nur betäubt werden, aber das ging dann nicht. Wir wollten aber nicht noch ein Risiko eingehen, zudem waren mehrere Stunden vergangen und irgendwie musste endlich Ruhe einkehren. Es war also eine Notlösung – die vernünftigste in dieser Situation“, so Christoph Zachmann.

Wer bezahlt den Einsatz?

Als sinnlos möchte er den Tod des Tieres dennoch nicht bezeichnen. „Ein Bulle wird bei uns nur zwei Jahre alt, geht dann in die Schlachtung, das ist der normale Werdegang. Es sind nun einmal Nutztiere.“

Trotzdem hatte Elma da mehr Glück. Sie steht seit Dienstag wieder im Stall, nachdem sie von ihrem Polen-Ausflug ja wieder zurückgekehrt war und eingefangen werden konnte. In den Genuss von frisch gerupftem Weidegras kommt sie dieses Jahr aber nicht mehr. Da wollen Zachmanns kein Risiko mehr eingehen. „Kühe können immer mal ausbrechen, durch äußere Einflüsse wie Sturm zum Beispiel, die wir gar nicht ausschließen können.“ Oft sind sie schnell wieder eingefangen. Im Fall Elma aber eben nicht. Zwar gab es Zachmann zufolge ein, zwei Situationen während der Verfolgungsjagd, die günstig gewesen waren – zumindest für einen Betäubungsschuss durch den Tierarzt, doch alles bedurfte genauer Abstimmung und schon war die Gelegenheit wieder verflogen.

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Bleibt für die Landwirte nun die bange Frage: Was kommt an Konsequenzen auf sie zu? Die Polizei antwortete auf eine entsprechende Anfrage, etwa, ob ermittelt wird oder wer für den Einsatz oder den beschädigten Streifenwagen zahlen muss, am Mittwoch nicht. Christoph Zachmann hofft, dass es nicht allzu dicke kommt. Versichert sind sie natürlich, aber eben nur bis zu einem gewissen Teil. Dass einmal so etwas passieren würde – wer kann das schon ahnen.

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