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Elsass und Lothringen verlieren regionale Eigenständigkeit

Frankreichs Präsident Hollande muss sparen und verordnet der Verwaltung einen Sparkurs.

Paris. Frankreich bekommt eine völlig neue politische Karte. Im Zuge einer großen Gebietsreform will Präsident François Hollande die Zahl der Regionen im Mutterland von 22 auf nur noch 14 verringern. Unter anderem das Elsass und Lothringen sowie die beiden bislang eigenständigen Normandie-Regionen werden den Plänen zufolge zusammengelegt.

Das Projekt ermögliche es, Regionen von „europäischer Größe“ zu schaffen, schrieb Hollande in einem am Dienstag von mehreren Zeitungen veröffentlichten Beitrag. Unverändert in ihrem Zuschnitt sollen demnach lediglich die Regionen Bretagne, Pays-de-la-Loire, Aquitaine, Nord-Pas-de-Calais, Korsika, Île-de-France und Provence-Alpes-Côte d’Azur bleiben.

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Als Hintergrund der geplanten Reform gelten vor allem die Schuldenprobleme Frankreichs. Die Verschlankung der Verwaltung soll einen Beitrag dazu leisten, bis 2017 rund 50 Milliarden Euro einzusparen. Es werde weniger Mandatsträger und Generalräte geben, erklärte Premierminister Manuel Valls am Dienstag. Zugleich würden die neuen Regionen stärker und wettbewerbsfähiger werden.

Einen konkreten Termin für die Umsetzung der Gebietsreform nannte die Regierung zunächst nicht. Hollande kündigte jedoch an, die im nächsten März anstehenden Regionalwahlen auf den Herbst 2015 zu verschieben, um bereits Vertreter für die neuen Strukturen bestimmen zu können. Für die Überseegebiete gibt es bislang keine Zusammenlegungspläne. Dort gibt es fünf weitere Regionen.

Die Parlamentarier auf nationaler Ebene forderte Hollande auf, dem Projekt keine Steine in den Weg zu legen - dazu sei es für die Zukunft des Landes zu wichtig. „Künftig werden diese großen Regionen mehr Verantwortung haben“, kündigte Hollande an. Als Beispiele nannte er Bereiche wie die Wirtschaftsförderung und Verkehrsfragen.

Neben der Gebietsreform schlug Hollande zudem für den Zeithorizont 2020 die Auflösung der Generalräte vor, die oberstes Organ der unter den Regionen angesiedelten Départements sind. Dafür ist jedoch eine Verfassungsänderung erforderlich. Premierminister Valls sagte, es werde mindestens drei Jahre brauchen, um die Kompetenzen neu zu organisieren.

Eine Gebietsreform war bereits unter Hollandes konservativem Amtsvorgänger Nicolas Sarkozy geplant worden. Dieser hatte das komplizierte Projekt allerdings bis zum Ende seiner Amtszeit nicht umgesetzt. (dpa)