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Eltern fordern Gleichberechtigung

Die Hermsdorfer sind enttäuscht über die geplatzte Sanierung des Schulhofes und vermuten Prioritäten in Ottendorf.

© Thorsten Eckert

Von Nadine Steinmann

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Ottendorf-Okrilla. Es wird höchste Eisenbahn, dass die Gemeinde Ottendorf-Okrilla ein Konzept zur Zukunft der Kindertagesstätten in der Gemeinde auf den Tisch legt. Denn Unzufriedenheit herrscht in vielen Ortsteilen. Erst vergangene Woche ist die Nachricht durchgesickert, dass die Medinger Kita Zwergenland voraussichtlich ihre Krippenplätze verliert. Das sorgte für Unmut, auch wenn durch diese Maßnahme neue Kindergartenplätze entstehen könnten.

Der Ottendorfer Waldkindergarten ist dagegen umgeben von Grün und hat zahlreiche, schicke Spielgeräte wie diese Kletterwand.
Der Ottendorfer Waldkindergarten ist dagegen umgeben von Grün und hat zahlreiche, schicke Spielgeräte wie diese Kletterwand. © Thorsten Eckert

Doch nicht nur in Medingen ist man von den Planungen der Ottendorfer Verwaltung überrascht und verwundert. Auch in Hermsdorf hat sich in den vergangenen Wochen immer mehr die Enttäuschung breitgemacht – vor allem nachdem der Gemeinderat im Dezember die Erneuerung des Pausenhofes, den sich die Grundschule, der Hort und der Kindergarten „Vier Jahreszeiten“ teilen, vorerst auf Eis gelegt hat.

Vorfreude war groß

Dabei haben sich die Eltern, Lehrer und Erzieher auf das Projekt gefreut und es ausdrücklich begrüßt. Doch dem Gemeinderat fehlte eine gesicherte Finanzierung des Vorhabens, das mehrere Hunderttausend Euro kosten soll. Angesichts der zahlreichen anderen Großprojekte konnten die ehrenamtlichen Politiker die Erneuerung des Außengeländes guten Gewissens nicht weiter vorantreiben. „Jeder schiebt dem anderen die Schuld in die Schuhe. Der Gemeinderat bemängelt zu Recht das fehlende Finanzierungskonzept, denn sie können ja schlecht die ‚Katze im Sack‘ kaufen. Die Gemeinde als Träger sagt wiederum nur lapidar, dass dem Gemeinderat klar sein müsse, dass das Projekt auch Geld kostet“, zeigen sich die Elternvertreter in Hermsdorf irritiert.

Mittlerweile haben sich die Vertreter der beiden Kitas „Sonnenhügel“ und „Vier Jahreszeiten“ sowie des Horts und der Grundschule zusammengeschlossen, um gemeinsam auf ihre Probleme aufmerksam zu machen. „Die Eltern fühlen sich verschaukelt, weder Gemeinderat noch Träger sind bestrebt, dieses Thema weiter zu verfolgen“, fügen die Elternvertreter hinzu. Also müssten sich die Hermsdorfer Grundschule und die Kita weiterhin mit ihrem „Dreckplatz“ abfinden.

Besonders ärgerlich für die Eltern: In der benachbarten Ortschaft Ottendorf soll das Außengelände des Waldkindergartens pädagogisch umgestaltet werden. Noch näher hin zum Thema Natur. „Geld dafür ist also da“, beschweren sich die Eltern in einem Brief an die Sächsische Zeitung. Kein Wunder, dass der Eindruck entsteht, der Waldkindergarten sei das „Prestige-Objekt“ der Gemeinde. Der Pausenhof in Hermsdorf dagegen interessiert niemanden und das, obwohl alle dieselben Beiträge zahlen.

Erzieher machen das Beste aus der Situation

Und genau an dieser Stelle liegt der zweite wunde Punkt, der die Eltern der Ortschaft beschäftigt. Denn nur wenige Wochen vor der Entscheidung, die Erneuerung des Außengeländes zu verschieben, stimmte der Gemeinderat einer Erhöhung der Elternbeiträge zu.

Dabei würden sich die Hermsdorfer Eltern einfach nur wünschen, dass wenn die Beiträge schon erhöht werden, wenigstens alle Einrichtungen auf dem gleichen Stand wären. Dass sich die Kinder überall wohlfühlen können, überall ausgelassen spielen können und überall eine gute Betreuung erfahren – völlig egal, in welcher Einrichtung sie angemeldet sind. Dabei stellen die Hermsdorfer Eltern aber auch eines deutlich klar: „Hier geht es in keiner Weise gegen die Erzieher. Die Erzieherinnen leisten trotz der aktuell schwierigen Situation zwischen dem Träger und den Eltern hervorragende Arbeit und machen das Beste aus der Situation“, so die Hermsdorfer Elternvertreter. Und allen sollte dabei klar sein, dass die Leidtragenden die Kinder sind.

Tatsächlich stört die Eltern der Umgang. So verließen beispielsweise während einer Sondersitzung Mitte Dezember, an der die Mitglieder des Elternbeirates, der Gemeinderat, die Einrichtungsleitung sowie der Träger beteiligt waren, zahlreiche Gemeinderatsmitglieder während der Diskussion um die Erhöhung der Elternbeiträge den Saal. Lediglich die Linken-Fraktion sei sitzengeblieben. Das habe den Eltern das Gefühl vermittelt, dass kein Dialog gewünscht ist.

Die Kritik der Eltern richtet sich also nicht nur an die Gemeindeverwaltung, sondern auch an die ehrenamtlichen Politiker. Doch vielleicht können mit dem von den Linken geforderten Gesamtkonzept für die Ottendorfer Kitas endlich mal ein paar Sorgen beseitigt werden. Wichtig dabei wird aber vor allem die Einbeziehung der Eltern sein. Damit auch diese wieder das Gefühl bekommen, ernst genommen zu werden.