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Eltern und Kinder sollen zentrale Anlaufstelle erhalten

Morgen beschäftigt sich der Stadtrat mit Möglichkeiten für Familien. Ein Görlitzer Verein rückt dabei in den Blickpunkt.

Von Ingo Kramer

Ein Verein namens „Görlitz für Familie“? Nie gehört. So reagieren wohl die meisten Neißestädter, wenn sie den Namen zu hören bekommen. Ein bisschen anders sieht es wohl aus, wenn vom „Bündnis für Familie“ die Rede ist. Richtig, das ist die engagierte Truppe, die sich einst unter der Regie von Hochschulprofessorin Jutta Blin gegründet hat. Das Bündnis organisiert einmal im Jahr ein großes Familienfest und hat zudem die Projekte „Elternwerkstatt“ und „Elternbrief“ ins Leben gerufen.

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Jutta Blin (l.) hat den Verein gegründet, Eugen Böhler ist jetzt Vorstand.
Jutta Blin (l.) hat den Verein gegründet, Eugen Böhler ist jetzt Vorstand.

Der Trägerverein „Görlitz für Familie“ ist die rechtliche Basis, die hinter dem Bündnis steht, denn nur ein Verein, nicht aber ein Bündnis kann Fördermittel beantragen. Der Verein macht also nichts anderes als das Bündnis. „Das aber ist weitaus mehr als das jährliche Familienfest“, sagt Eugen Böhler von der Freien evangelischen Gemeinde. Neben Anett Rafelt vom Kinderschutzbund und Daniel Wiesner vom Jugendamt ist Böhler heute einer der drei gleichberechtigten Vorstände im Verein „Görlitz für Familie“. Jutta Blin ist nach wie vor Vereinsmitglied, hat sich aber aus der Führungsriege zurückgezogen. Insgesamt hat der Verein etwa 20 bis 30 Mitglieder.

Verein will Lobbyarbeit machen

In jüngster Zeit sieht sich der Verein – und damit das Bündnis – hauptsächlich als Lobbyist für Familien in Görlitz. „Wir wollen uns mit anderen Trägern, aber auch mit dem Handel oder etwa dem Klinikum für Familien einsetzen“, sagt Eugen Böhler. Es geht vor allem darum, zu schauen, ob das, was in Görlitz vorhanden ist oder gerade entwickelt wird, familienfreundlich ist. Auf diesem Weg kam dem Verein sehr gelegen, dass der Stadtrat im Dezember 2012 die Durchführung des Audits „Familiengerechte Kommune“ beschlossen hat. Ein Audit ist laut Wikipedia „ein Untersuchungsverfahren, das dazu dient, Prozesse hinsichtlich der Erfüllung von Anforderungen und Richtlinien zu bewerten“. Hier geht es also darum, die Familiengerechtigkeit in Görlitz zu untersuchen.

Seit dem Ratsbeschluss ist einiges passiert. Vor allem hat die Stadt unter Federführung von Sebastian Kubasch vom Amt für Jugend, Schule, Sport und Soziales eine Zielvereinbarung erarbeitet, die morgen im Stadtrat beschlossen werden soll. Sie ist das Ergebnis des Untersuchungsprozesses des gesamten vergangenen Jahres. Wichtigster Inhalt ist die Schaffung einer zentralen Anlaufstelle für Familien in Görlitz. „Hier sollen künftig alle familienrelevanten Informationen zusammenlaufen und damit transparent an die Bürger vermittelt werden“, erklärt Oberbürgermeister Siegfried Deinege. Er spricht von einem Netzwerkknotenpunkt mit direktem Draht zur Verwaltung. Ein weiterer wichtiger Punkt ist laut Deinege „die geplante regelmäßige Einbindung von Familien und allen Akteuren zum Thema Familie in die Entscheidungsprozesse der Stadtpolitik“.

Zukunft hängt von Ratsbeschluss ab

Für den Verein „Görlitz für Familie“ ist nun spannend, ob der Stadtrat der Zielvereinbarung morgen zustimmt. Laut Eugen Böhler ist das Audit „eine Nummer größer, als wir es je selbst hingekriegt hätten“. Er findet das gut. Wie der Verein nun weitermacht, hängt ganz vom Audit ab. Eugen Böhler könnte sich vorstellen, die ursprünglichen Tätigkeiten wie das große Familienfest und die Projekte „Elternwerkstatt“ und „Elternbrief“ an andere Träger abzugeben – und sich stattdessen ganz auf das neue Familienbüro zu konzentrieren. Allerdings will er nicht den Eindruck erwecken, er oder sein Verein hätten das Audit am meisten vorangebracht: „Das Gros an Arbeit hat definitiv Sebastian Kubasch geleistet, wir haben ihn nur unterstützt.“ Das, was die Stadt macht, halte er für richtig und wichtig.