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Eltern wehren sich gegen Grashüpfer-Schließung

Im Rathaus findet man mehr Gründe, die Kita dicht zumachen, als sie zu erhalten. Eine Hoffnung gibt es aber noch.

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Von Britta Veltzke

Während Muttis und die Grashüpfer-Leiterin Bettina Fleischer im Sozialausschuss das Wort für die Einrichtung in Poppitz ergreifen, hat die Verwaltung sich schon entschieden: „(...) die Verwaltung (muss) die Schließung der Kleinsteinrichtung ‚Poppitzer Grashüpfer‘ vorschlagen“, heißt es in einem Dokument, das der Sächsischen Zeitung vorliegt. Das Papier soll den Stadträten als Diskussionsvorlage dienen. Denn sie müssen letztlich darüber entscheiden, wie es mit den Kinder-Einrichtungen in der Stadt weitergeht.

Die Überlegungen basieren auf der Anzahl der in Riesa lebenden Kinder. Mitte des letzten Jahres waren es knapp 1300 Kinder in der Altersgruppe zwischen einem Jahr und der Schuleinführung. 1100 kleine Riesaer, plus 88 ortsfremde Kinder, nahmen je einen der verfügbaren 1 222 Kita-Plätze in Anspruch. Es gibt also ein Überangebot. Und die Zahl der Kinder im Kita-Alter schrumpft beständig weiter. Die Verwaltung rechnet mit einem jährlichen Rückgang von etwa zwei bis drei Prozent, sodass Mitte 2017 voraussichtlich noch 1183 Kinder im Kita-Alter übrig bleiben.

Im Rathaus hat man sich zwei Varianten samt Pro- und Contra-Punkten ausgedacht, um der Lage Herr zu werden. Neben der Schließung der mit Abstand kleinsten Kita, schlägt das zuständige Amt vor, die Kapazität der Riesaer Kitas insgesamt zu verkleinern – quasi die Kürzung nach dem Gießkannen-Prinzip.

Aus Sicht der Verwaltung sprechen das sehr familiäre Miteinander und das ländliche Umfeld für den Grashüpfer. Gegen ihn aber sprechen die Finanzen: Aus Sicht der Stadt sind mehrere kleine Kitas teurer als wenige Große. Aber nicht nur das. Die Integration von behinderten Kindern, die sogenannte Inklusion, sei im Grashüpfer „nicht oder nur eingeschränkt möglich“. Hier widerspricht der Chef des Träger-Vereins Michael Schönfelder vehement: „Das stimmt nicht. Wir sind zwar keine integrative Einrichtung, dennoch haben auch wir immer wieder Kinder mit Auffälligkeiten. Wir arbeiten in diesen Fällen sehr erfolgreich mit dem Sozialpädiatrischen Zentrum der Elblandkliniken zusammen. Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht.“

Laut Verwaltung eignet sich die Kita aber auch deshalb für die Schließung, weil in Zukunft weiter in den Standort investiert werden müsse. Auch das kann Michael Schönfelder nicht bestätigen. „Wir haben in den letzten Jahren schon kein Geld für Baumaßnahmen von der Stadt beantragt und haben es auch in den nächsten Jahren nicht vor. Ich kann mir nicht erklären, wie diese Aussage zustande kommt.“

Sauer über die Schließungspläne sind Eltern, die Kita-Leiterin Bettina Fleischer sowie der SC-Chef auch, weil sie selbst in ihrer Freizeit viel Arbeitskraft in den Grashüpfer investiert haben. „Wir haben uns selbst eingesetzt, um die Kosten für die Stadt so gering wie möglich zu halten“, so Schönfelder weiter.

Vertreter der Kitas konnten an der Diskussionsvorlage für die Stadträte nicht mitarbeiten. Bei SC-Geschäftsführer Michael Schönfelder stößt das auf Kritik. „Wenn den Stadträten ein solches Papier vorgelegt wird, sollte die Position der betroffenen Einrichtungen darin auch eine Rolle spielen, damit sich die Räte eine objektive Meinung bilden können.“ Immerhin wurde Schönfelder schließlich doch noch die Möglichkeit eingeräumt, im nicht-öffentlichen Teil der Stadtratsausschüsse Stellung zu nehmen. Diskutiert wird allerdings weiterhin ohne die Öffentlichkeit –  auch in der Stadtratssitzung am kommenden Mittwoch. Die Grashüpfer-Eltern, Kita-Leiterin und Michael Schönfelder hoffen, dass sich die Räte bis dahin von den knapp 800 Unterstützer-Unterschriften leiten lassen, die diese Woche übergeben wurden. Von der Diskussion im Stadtrat hängt dann ab, ob und – wenn ja – wann es zu diesem Thema zu einen Beschluss geben wird.