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Elternbeiträge steigen – aber wie stark?

Die Kinderbetreuung in Cunewalde soll teurer werden. Den Beschluss dazu vertagte der Gemeinderat jetzt. Weil er Bedenken hat.

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Von Katja Schäfer

Vier Kinder haben Thomas Preusche und seine Frau Mandy. Drei davon besuchen in Cunewalde Kindergarten und Hort. 117Euro im Monat bezahlt die Familie gegenwärtig dafür, alle Ermäßigungen für Geschwisterkinder eingerechnet. Künftig sollen es knapp 139Euro sein, also 22Euro mehr. Bei Astrid Deutsch würde die monatliche Mehrbelastung sogar fast 40 Euro betragen, obwohl sie nur ein Kind in der Krippe hat.

So sieht es die neue Elternbeitragssatzung für die Kindertagesstätten „Wichtelland“ in Cunewalde, „Pumuckl“ in Weigsdorf-Köblitz und den Hort „Die Räuber“ an der Schiller-Grundschule vor, über die der Cunewalder Gemeinderat zu befinden hat. Eigentlich sollte er sie bei seiner jüngsten Sitzung am Donnerstagabend beschließen. Doch er entschied sich für eine Vertagung, nachdem Thomas Preusche, der sich in der Kita „Pumuckl“ als Elternsprecher engagiert, den Ratsmitglieder mit Rechenbeispielen und aufrüttelnden Worten verdeutlich hatte, was die geplante Satzung für Familien bedeutet.

Der Cunewalder lobte ausdrücklich die Betreuung in den Kitas und die umfangreichen Investitionen von Gemeinde und der Arbeiterwohlfahrt Bautzen als Träger der Einrichtungen. „Das alles ist es mir durchaus wert, mehr dafür zu bezahlen. Aber dass die Steigerung so extrem ausfällt, ist meiner Meinung nach das falsche Signal“, sagt Thomas Preusche.

Die Mehrbelastung resultiert zum einen daraus, dass die Elternbeiträge recht deutlich angehoben werden sollen, zum Beispiel für eine neunstündige Betreuung in der Krippe von 150 auf 170,50Euro. Zum anderen sieht der Satzungsentwurf neue Regelungen für die Betreuungszeiten vor. „Bisher war die neunstündige Betreuung das längste, was es gab. Wer voll arbeiten geht und auch noch ein Stück fahren muss, schafft es aber nicht, das Kind nach neun Stunden abzuholen. Bisher war das kein Problem. Aber künftig werde ich eine längere Betreuungszeit wählen und bezahlen müssen“, erklärt Thomas Preusche. Denn nach der geplanten Regelung soll es in Kindergarten und Hort auch Betreuungszeiten von zehn und elf Stunden geben. Daraus resultieren die extremen Mehrausgaben, die auf Astrid Deutsch zukommen. Denn auch sie braucht eine längere Betreuung.

Auf welcher Grundlage die Elternbeiträge erhoben und berechnet werden, erläuterte Bürgermeister Thomas Martolock (CDU) in der Ratssitzung ausführlich. Er berichtete auch, dass sie in Cunewalde seit zehn Jahren nicht verändert worden sind, obwohl der Anteil, den die Gemeinde für die Kinderbetreuung zahlt, stark gestiegen ist. Dass eine Anhebung unumgänglich ist, darin stimmten die anwesenden Eltern und auch die Ratsmitglieder mit der Verwaltung überein. „Wir sollten uns jedoch noch mal in Ruhe ansehen, ob wir wirklich gleich so stark erhöhen müssen“, sagte Michael Küchler (Die Linke). Andreas Dimmel und Gunther Weniger (beide CDU) schlossen sich an. „Gesetzlich ist alles richtig, aber menschlich sollten wir es noch mal überdenken“, äußerte Günter Weickert (Freie Wähler). „Ich halte die vorgesehene Erhöhung für zu hart“, sagte Klaus Hein (SPD). Auch Bernadett Strelzyk-Liepke (CDU) plädierte für eine Kompromiss-Lösung. Allgemeiner Tenor: „Wir wollen junge Familien im Ort haben. Da ist es falsch, sie so stark zu belasten, da sie ohnehin das finanzschwächste Glied sind.“

Die Mitglieder des Gemeinderates wollen sich nun in Ruhe mit den Zahlen auseinandersetzen. Bei der nächsten Sitzung am 19. Dezember soll das Thema wieder auf der Tagesordnung stehen. Thomas Preusche hofft, dass dann ein Kompromiss gefunden wird, was die Höhe der neuen Elternbeiträge angeht. Dass es künftig auch längere Betreuungszeiten als neun Stunden geben soll, findet er hingegen gut.