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Emotion, Spaß, Lebensfreude

Beach-Week. Volleyball im Sand statt Schule – das kommt an bei den Acht- und Neuntklässlern aus Rothenburg, Niesky und Rietschen.

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Von Annett Preuß

„Gestrandete Ostseewale“, „Wattwürmer“ und „Evolutionsbremsen“ hechten nach jedem Ball. Beach-Week auf dem Marktplatz in Rothenburg ohne die Schüler der Stadt? Undenkbar. Und doch macht Petrus zumindest den Mittel- und Grundschülern einen Strich durch die Rechnung, während die Gymnasiasten noch einmal voll auf ihre Kosten kommen: Strahlender Sonnenschein, heiße Rhythmen und gute Laune statt Schule sind Ende voriger Woche angesagt.

Saskia Langer (15) ist voll in Wettkampflaune: „Das ist cool hier und macht Spaß, für mich leider das erste und letzte Mal“, sagt die Achtklässlerin aus Hähnichen. Denn das Beachturnier mit 20 Mannschaften aus Rothenburg, Niesky und Rietschen, 120 aktiven und 25 Schüler-Kampfrichtern ist auch ein Abschied auf Sand: Das Städtische Gymnasium schließt Ende dieses Schuljahres.

Wehmut kommt bei den Schülern in diesem Moment trotzdem nicht auf. Eher bei ihren Lehrern. Mit einem „lachenden und einem weinenden Auge“ verfolgt Sportlehrer Udo Göhlich das Treiben: „Dass die Schule schließt, schmerzt schon.“ Doch was er im Herzen der Stadt gerade erlebt, baut auf: „Wir motivieren hier auch Jugendliche, sich sportlich zu betätigen, die sonst eher außen vor sind.“ Erstaunlich sei, in welchem Maß: Vor dem Turnier wurde nicht nur eifrig trainiert. Sogar Busse in die Heimatdörfer lassen die Schüler in diesen Tagen fahren, um sich am Beachfeld zu treffen, erzählt Udo Göhlich. Sie zum Sport treiben in der Freizeit zu animieren, sei ein wichtiges Ziel.

Kompliment an Organisatoren

„Das ist das, was unsere Schüler brauchen: Emotion, Spaß, Lebensfreude“, sagt Christian Röher, Sportlehrer am Friedrich-Schleiermacher-Gymnasium Niesky. Nicht nur, weil die Nieskyer bei den Achtern und Neunern am Ende die Nase vorn haben. Auch den Ort und damit die Präsenz in der Bevölkerung findet er gut. „Kompliment an die Rothenburger Organisatoren.“

Das teilt Robert Jaczkowski (15) vom Nieskyer Schleiermacher-Gymnasium: „An der frischen Luft zu spielen, ist was ganz anderes als sonst“, sagt der Schüler der 9/4, aktiver Volleyballer bei TuS Einheit Niesky. Chris Kubatzhi (15) von der Mittelschule Rietschen ist von Haus aus eigentlich Handballer. Warum nicht mal beachen? „Die Atmosphäre hier gefällt mir.“ Vielleicht mischt der Rietschener im nächsten Jahr erneut mit? Chris wechselt an die Mittelschule Rothenburg, weil auch seine Schule geschlossen wird.

Udo Göhlich hofft, dass die Beach-Week eine Zukunft hat. Nicht nur, weil das Gymnasium der ursprüngliche Ideengeber für das sportliche Spektakel im Herzen der Stadt war und vor Jahren im Rahmen von Schulfesten ähnliche Turniere organisierte. Aus seiner Sicht überwiege das Positive, trotz Verständnis für Skeptiker unter den Rothenburgern, sagt der Lehrer. Er erinnert an die vielfältige Nutzung, sei es zum Kindertag (SZ berichtete), bei hochrangigen Wettkämpfen am vorigen Wochenende, den Schüler-Wettstreits, der Polizei-Sachsenmeisterschaft oder dem Volkssportturnier an diesem Wochenende. „Mit 24 Mannschaften ist das voll“, sagt Hans-Peter Herwehe vom Organisatorenteam. Auch Mitstreiter Jörg Bergner ist im Wesentlichen mit der Resonanz zufrieden. Einig sind sich beide: „Für das Wetter kann keiner.“

Rot(h)enburg-Treffen

Doch wie geht es weiter? Wird der jährliche Rhythmus beibehalten? Herwehe will die Auswertung abwarten. „Die Sportler jedenfalls würden gerne wiederkommen.“

Mit dem Gymnasium fällt ein Teil derer weg, die bei der Vorbereitung dieses Höhepunktes halfen. Entscheidend wird für die Zukunft der Beach-Week deshalb auch sein, ob sich genügend aktive Menschen und Partner finden. „Ohne sie ist das nicht machbar“, sagt Udo Göhlich, auch wenn der ASV Rothenburg als Organisator die Hauptlast trage. „Hut ab vor dem Organisatorenteam.“

Ein Termin stimmt zuversichtlich: In zwei Jahren ist Rothenburg Gastgeber des Sportfestes aller sieben Rot(h)enburgs von der Schweiz bis Polen. Das mit einer Beach-Week zu verbinden, wäre sinnvoll.