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Empfänger unbekannt

Wegen doppelter Straßennamen erreichen Briefe ihren Adressaten nicht. In Leppersdorf stand viel Geld auf dem Spiel.

© Thorsten Eckert

Von Thomas Drendel

Zu Beginn des Jahres flattert reichlich wichtige Post durchs Land. Da kündigen Autoversicherer eine Anhebung der Beiträge an, Zahlungsaufforderungen mit der KFz-Steuer werden verschickt und in diesem Jahr kündigen viele Krankenkassen an, ebenfalls bei den Beiträgen künftig kräftiger hinzulangen. Wer da nicht mitmachen will, muss kündigen, sich einen neuen Versicherer suchen. Dabei gilt es, strenge Fristen einzuhalten. Ein Tag zu spät. Pech gehabt. Hunderte Euro können so durch die Lappen gehen.

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Um ein Haar wäre es auch bei Steffen Grüttner aus Leppersdorf schief gegangen. Nicht aus eigenem Verschulden. Vor einigen Wochen wollte er den Stromanbieter wechseln. Die Preissteigerungen einiger Anbieter störten ihn seit Langem und mit einigen Klicks bei Vergleichsportalen lässt sich das ja unkompliziert meistern. Ein paar hundert Euro Ersparnis sind da übers Jahr locker drin. Bei aller schnellen Kommunikation übers Internet muss gerade bei so wichtigen Vertragsangelegenheiten noch eine Unterschrift auf das Papier und da müssen Briefe verschickt werden. Das ist auch beim Stromanbieterwechsel bei Steffen Grüttner so. Und hier beginnen die Probleme. „Tagelang habe ich auf die Unterlagen gewartet, nichts kam an.“ Als ihm das alles zu lange dauerte, rief der Leppersdorfer beim Stromanbieter an. Dort bekam er die Auskunft: Der Brief sei pünktlich herausgegangen, jedoch nach einigen Tagen sei dieser Brief beim Unternehmen zurückgekommen. Der Empfänger sei unter der angegebenen Adresse nicht zu finden.

Die gleiche Postleitzahl

Da war Steffen Grüttner klar, wo das Problem lag. Der Brief war an die Mittelstraße in Radeberg gesandt worden. Dort gibt es freilich keinen Grüttner. Er wohnt in der Mittelstraße in Leppersdorf. Beide Anschriften haben die gleiche Postleitzahl, die 01454. „Es ist schon ärgerlich, dass das immer wieder passiert. Wichtige Unterlagen kommen so zu spät oder im schlimmsten Fall überhaupt nicht an den Adressaten. Das muss geändert werden.“ Doppelte Straßennamen in einem Postleitzahlbezirk dürfte es nach seiner Ansicht nicht geben, sonst kommt es immer wieder zu Irrläufern bei Briefen und Paketen. – Innerhalb von Radeberg hatte es ebenfalls jahrelangen Streit um doppelte Straßennamen gegeben. Da wurden einem Ladeninhaber immer wieder Pakete auf den Tresen gelegt, die nicht an ihn adressiert waren. Als es dem Mann zu bunt wurde, brachte er sie kurzerhand ins Rathaus, weil er sich keinen anderen Rat mehr wusste. Vorgekommen ist auch, dass eine Reisegruppe vor einem Wohnhaus eines Radeberger Ortsteils stand und nach der Gaststätte fragte. Auch die Rettungsdienste machten sich wegen der Verwechslungsgefahr für neue Namen stark. In der Stadt gab es gleich mehrere Haupt- oder Dorfstraßen. 2014 wurden nach langer Diskussion etliche Straßen innerhalb des Stadtgebietes umbenannt. Rund 8 000 Euro gab die Stadt Radeberg für neue Schilder aus. Anwohner mussten ihre Papiere umschreiben lassen. Das geschah allerdings zu einem moderaten Preis. In Radeberg kostete die Ummeldung nichts, das Landratsamt schrieb die Fahrzeugpapiere für 50 Cent um. Um die Ummeldung bei Versicherungen beispielsweise mussten sich die Anwohner selber kümmern. Die doppelten Straßennamen in Radeberg waren damit abgeschafft, nicht aber die in der Umgebung.

Bürgermeister sieht Postkunden in der Pflicht

In der Gemeinde Wachau gibt es noch eine Röderstraße und eben auch eine Mittelstraße unter der gleichen Postleitzahl. Der Wachauer Bürgermeister Veit Künzelmann (CDU) sieht eher die Postkunden in der Pflicht. „Natürlich ließe sich das Zustellproblem, das sicherlich hin und wieder aus verschiedensten Gründen vorkommt, mit einer neuen Postleitzahl schnell lösen. Allerdings haben wir uns aufgrund der hochgesteckten Hürden mittlerweile von dem Gedanken verabschiedet“, sagte er. Die Gemeindeverwaltung ist inzwischen aber zu der Erkenntnis gelangt, dass trotz der mit der Stadt Radeberg identischen Postleitzahl eine Eindeutigkeit gegeben ist - und zwar dann, wenn auf dem Paket oder dem Brief die Gemeindebezeichnung sowie der jeweilige Ortsteil genannt sind. „Dann müsste der Brief eindeutig zugestellt werden können.“ Die andere Möglichkeit, die Straßen auf Gemeindegebiet umzubenennen, kommt für die Wachauer Verwaltung nicht in Betracht. „Eine Umbenennung von Straßennamen im Gemeindegebiet ist nicht vorgesehen“, sagte der Bürgermeister.

Für Steffen Grüttner ist die Sache noch einmal glimpflich ausgegangen. Der Anbieter schickte die Unterlagen noch einmal zu, diesmal an die richtige Adresse und die Frist konnte der Leppersdorfer auch noch einhalten.