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Empörung im Land der Gartenzwerge

Eine zweite Straße soll an den See führen. Schönau-Berzdorfer halten sie für überflüssig und befürchten Nachteile.

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Von Steffen Gerhardt

Die Gartenzwerge halten ihre Angeln in das Wasser, aber die Goldfische beißen nicht an. Dafür kommt Adelheid Röntsch mit einer Dose Fischfutter und hat die Aufmerksamkeit der in der Sonne rötlich leuchtenden Fischlein sofort auf sich gezogen. Obwohl die Rentnerin nur ein paar Hausecken weiter in Schönau-Berzdorf wohnt, liebt sie ihren Garten unweit der ehemaligen BHG. „Seit 1982 haben wir hier unser idyllisches Fleckchen, und das wollen wir auch weiterhin so“, sagt sie, während die kleinen Goldfische nach dem krümligen Fischfutter schnappen.

Seitdem es sich in der Siedlung herumgesprochen hat, dass die Anliegerstraße Am Nordrand zu einer größeren Durchgangsstraße werden kann, ist Unruhe unter die Bewohner gekommen. Horst Beyer, der der Bruder von Adelheid Röntsch ist und nur einen Steinwurf von ihrem Garten sein Haus stehen hat, bewegt das Vorhaben schon lange. „Aus meiner Sicht ist die Straße zum See durch unser Wohngebiet nicht notwendig. Die Blaue Lagune ist gut über Hagenwerder und Tauchritz erreichbar, da braucht es nicht noch eine zweite Zufahrt“, argumentiert er und ergänzt: „Wir sollten den südlichen Teil der Kippe der Natur überlassen und als Ruhezone nutzen.“ Mit diesem Anliegen wandte sich Horst Beyer bereits an den Bürgermeister und den Gemeinderat, aber so richtig auf Verständnis stieß er dabei nicht, gibt er seinen Eindruck wieder. Gegenüber der SZ wiederholte Christian Hänel (parteilos), dass die Straße noch kein Thema ist. „Frühestens in zwei Jahren werden wir darüber reden“, so das Gemeindeoberhaupt. Denn aus seiner Sicht müssen erst die Investitionen auf der Neuberzdorfer Höhe zum Tragen kommen. Das betrifft sowohl den Golfplatz als auch das Tagungszentrum, das Investor Stöcker bauen lassen will. Bis jetzt gibt es aber weder eine Planung noch eine Finanzierung für den Straßenausbau. „Wir als Gemeinde können die Straße nicht bezahlen“, sagt Hänel.

Dennoch lässt sich die Gemeinde die Option offen, dass die Straße am Nordrand ausgebaut werden kann. Zumindest ist das im Flächennutzungsplan der Verwaltungsgemeinschaft Bernstadt so berücksichtigt. Planer Ansgar Kaup sagt, dass es sich dabei um einen Vorentwurf handelt, der nicht verbindlich ist. Ob der Ausbau der Straße als Zufahrt zur Neuberzdorfer Höhe mitgetragen wird, werden die Anhörungen zum Plan zeigen. Aber soweit ist man mit dem Flächennutzungsplan noch nicht.

Anwohner Christoph Nesdropa befürchtet neben der Lärmbelästigung und der „Rennstrecke“ vor dem Gartenzaun noch ein weiteres Problem: Die Straße würde durch ein Feuchtgebiet führen und als Tiefbaumeister weiß er, dass das einen erheblichem baulichen Mehraufwand bedarf: „Es soll ja keine Anliegerstraße mehr sein, sondern eine, auf der auch große Versorgungsfahrzeuge und Busse fahren können“, gibt er zu bedenken. Das heißt, 40 Tonnen Fahrzeuggewicht müsste die neue Straße aushalten – und breiter werden, damit die Kraftfahrzeuge aneinander vorbei fahren können.

Dabei sieht Christoph Nesdropa auch den kleinen Angelteich zwischen Buschbach und Buschwasser in Gefahr. Er und weitere Einwohner haben ihn gepachtet. Die neue Straße würde viel zerstören, davon ist er überzeugt. „Sinnvoller wäre deshalb eine Zufahrt vom erschlossenen Gewerbegebiet Friedersdorf zur Neuberzdorfer Höhe“, schlägt Christoph Nesdropa vor. Bei dieser Variante wären keine Anwohner betroffen.

Zu diesen zählt auch Gudrun Knauer. Vor 40 Jahren ist sie mit ihrer Familie und der ihrer Schwester in das neu gebaute Doppelhaus Am Nordrand gezogen. Hier fühlt sie sich wohl und genießt die ruhige Lage. „Wir brauchen keine größere Straße mit viel Verkehr“, sagt sie. Auch wenn die Anliegerstraße eine neue Asphaltschicht nötig hat, sollte sie doch weiterhin wie jetzt ausgeschildert eine Sackgasse bleiben. Sie erinnert sich an die Zeit, als Neuberzdorf noch bewohnt war. Der Verkehr ins Nachbardorf führte an ihrem Haus vorbei. Aber bei rund 170 Einwohnern waren bei weitem nicht so viele Autos unterwegs, wie es vielleicht sein werden, wenn Hotel und Golfplatz in Betrieb sind.