merken
PLUS Löbau

Empor Löbaus größte Fußballstunde

Am 31. Mai 1980 gewann die Elf unerwartet den Bezirkspokal. Wolfgang Bensch, heute 64, war damals als Torjäger dabei.

Hintere Reihe von links: Nenner, Schubert, Wiesenberg, Schuch, Stephan, Staub, Manthay, Bensch, Smolinski, Grollich, Tischer, Bähr, Nehrettig, Locke. Vordere Reihe von links: Berndt, Kristen, Seewald, Schäfer, Broda, Martin, Kuttig.
Hintere Reihe von links: Nenner, Schubert, Wiesenberg, Schuch, Stephan, Staub, Manthay, Bensch, Smolinski, Grollich, Tischer, Bähr, Nehrettig, Locke. Vordere Reihe von links: Berndt, Kristen, Seewald, Schäfer, Broda, Martin, Kuttig. © privat

Es klingt fast wie ein Märchen, aber es ist keins: Eine Löbauer Fußballmannschaft gewann im Mai vor 40 Jahren den Bezirkspokal des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes. Damit holten sich die Kicker der Betriebssportgemeinschaft Empor Löbau die höchste Fußball-Trophäe des Bezirkes Dresden. Dieser Erfolg hatte denselben Stellenwert wie heute der Gewinn des Landespokals im Fußball, da es in der DDR keine Länder, sondern Bezirke gab. Zugetraut haben dürften das Empor nicht allzu viele. In der Bezirksliga, der dritthöchsten Spielklasse der DDR, in die man 1977 aufgestiegen war, reichte es meist nicht zu vorderen Platzierungen. 

"Wir waren alle berufstätig, ja wir galten sogar im Bezirk als Mannschaft mit den wenigsten Trainingseinheiten", erinnert sich der heute 64-jährige Elektromonteur Wolfgang Bensch (im Gruppenfoto in der hinteren Reihe der Achte von links), der auf dem Weg zum Pokalsieg für Empor acht Tore schoss. Nur zweimal in der Woche habe das Training bereits 14.30 Uhr begonnen. Das musste sogar die SED-Kreisleitung genehmigen. Allerdings profitierte Empor von der Auflösung der in der DDR-Liga spielenden Armeesportgemeinschaft (ASG) Löbau, da die Nationale Volksarmee neue Fußball-Schwerpunkte setzte. Etliche ehemalige Armeefußballer verstärkten somit Empor.

Anzeige
Wundermittel Bewegung
Wundermittel Bewegung

Zu langes Sitzen erhöht das Risiko für Bluthochdruck. Bewegen und dabei sparen. Um mehr zu erfahren klicken Sie hier:

Acht Partien bis zur Trophäe

Insgesamt acht Pokalpartien waren zu absolvieren, ehe die Trophäe winkte: drei Hauptrundenspiele im K.-.o.-Modus, Viertel- und Halbfinale mit Hin- und Rückspielen und das Finale selbst. Löbaus Auftakt war verheißungsvoll. In der ersten Hauptrunde besiegte am 21. August 1979 Empor in Großröhrsdorf die dortige Turbine-Elf hoch mit 8:1! Doch in der dritten Hauptrunde am 20. November bei Dynamo Zittau hätte bereits alles vorbei sein können. "Die Wasserschlacht", so der SZ-Bericht, "konnte erst durch Elfmeterschießen entschieden werden, da Löbau zwar drückend überlegen war, aber serienweise Chancen vergab". Im anschließenden Viertelfinal-Hinspiel gegen FSV Lok Dresden 2. hatte Empor Glück, dass der Siegtreffer noch kurz vor Schluss fiel. Beim Rückspiel daheim wurde jedoch im knöcheltiefen Schnee der Einzug ins Halbfinale geschafft. Wismut Pirna-Copitz hieß nun der Kontrahent, der nach einer knappen Auswärtsniederlage erst daheim bezwungen werden konnte. Damit war Empor erstmalig ins Finale des Bezirkspokals eingezogen.

Dieses Endspiel fand am 31. Mai 1980 auf neutralem Boden im Burgstadion Stolpen statt. Empor traf auf die BSG Chemie Coswig, eine Bezirksklassenmannschaft, hinter der die dortige Lack- und Farbenfabrik stand. Laut Spielbericht machte Coswig "den Klassenunterschied durch eine große kämpferische Leistung" wett. Doch letztlich besann sich Empor auf seine Stärken und siegte klar mit 4:0. Stolz präsentierten Spieler, Trainer und Offizielle die Trophäe. Und in den Jubel mischte sich bereits Vorfreude, hatte man doch mit dem Bezirkspokalsieg die Teilnahmeberechtigung für den FDGB-Pokal auf DDR-Ebene erworben. Doch gegen DDR-Liga-Vertreter Fortschritt Bischofswerda (heute Regionalligist BFV 08) bekam Empor vor 500 Zuschauern im heimischen Stadion der Jugend bereits im ersten Spiel seine Grenzen gezeigt. Zwar erzielte Wolfgang Bensch "mit einem Bombenschuss", so die SZ, die 1:0-Führung, doch in der zweiten Halbzeit war Bischofswerda nicht mehr zu halten und gewann überlegen 7:1.

Abstieg in Bezirksklasse

Aber nicht nur weitere Pokalträume platzten, die Mannschaft musste in die Bezirksklasse absteigen, wenngleich sie da immer vorn mitmischte. Bis 1990 der größte Einschnitt kam. Das System der Betriebssportgemeinschaften brach zusammen, damit fiel auch bei Empor die Trägerschaft durch den Handel weg. Aus der BSG wurde der Fußballsportverein Empor, der schließlich im Juni 2015 mit der SG Medizin Großschweidnitz zum neuen Mehrspartenverein Sportclub Großschweidnitz-Löbau fusionierte. Die Fußballer kicken jetzt in der Kreisoberliga, die der DDR-Bezirksklasse entspricht und tragen ihre Heimspiele im Großschweidnitzer Heinz-Bahner-Stadion aus, resümiert Wolfgang Bensch die weitere Entwicklung. Für viele war das schmerzlich, denn damit gibt es keinen Spielort Löbau mehr, und auch der Name Empor hörte auf zu bestehen. 

Weiterführende Artikel

Klickstark: OB schweigt zu Stadtsprecher

Klickstark: OB schweigt zu Stadtsprecher

Kai Grebaschs umstrittene Äußerungen zu den Corona-Kritikern entfachte eine Diskussion. Einer der Beiträge aus Löbau-Zittau, über den wir Freitag berichteten.

Bestand haben allerdings die Erinnerungen an ein bedeutendes Kapitel Löbauer Fußballgeschichte. Wolfgang Bensch hat das vergilbte Dokument über den Pokalerfolg, das im Gang des Sportlerheims am Löbauer Stadion hing, aufgearbeitet und akribisch für Statistiker die einzelnen Pokalstationen mit allen Torschützen aufgelistet.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Löbau