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Ende einer Traum-Ehe

Altpräsident Christian Wulff ist ein Jahr nach seinem Rücktritt aus dem gemeinsamen Haus in Großburgwedel ausgezogen.

Von Sven Siebert, Berlin

Christian Wulffs Leben liegt in Trümmern. Gestern wurde bekannt, dass sich der Altbundespräsident und seine Frau Bettina getrennt haben. Wulff ist aus dem gemeinsamen Haus in Großburgwedel in eine Wohnung in Hannover gezogen. Das Ehepaar unterschrieb gestern Morgen bei einem Rechtsanwalt in Hannover eine Trennungsvereinbarung, mit der Fragen des Sorgerechts, der Unterhaltszahlungen und Ähnliches vorläufig geregelt werden.

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Christian Wulff war der beliebteste Politiker Deutschlands. Sein Abstieg, der vor einem guten Jahr mit der Affäre um den privaten Kredit für das Haus in Großburgwedel begann, hat nun etwas Tragisches.

Der heute 53-Jährige startete seine Karriere als ehrgeiziger, stets etwas zu brav und blass wirkender Nachwuchspolitiker der CDU. Er unterlag zweimal Gerhard Schröder bei niedersächsischen Landtagswahlen. Als er das Amt vor zehn Jahren im dritten Anlauf – gegen Sigmar Gabriel – gewann, begann sein Aufstieg. Er galt als einer der wichtigsten innerparteilichen Kritiker und Konkurrenten Angela Merkels. 2008 erklärte er, ihm fehle „der unbedingte Wille zur Macht“, er wolle in Hannover bleiben, nicht nach Berlin. Im Mai 2010 wurde er auf Merkels Vorschlag zum Bundespräsidenten gewählt.

2006 lernte er seine zweite Frau Bettina kennen. 2008 heiratete das Paar. Bettina Wulffs Ausstrahlung und ihre Beliebtheit trugen in diesen Jahren viel zu Christian Wulffs Ansehen bei. Ein Traumpaar, hieß es in einigen Medien. Doch das gemeinsame Leben – Hauskauf, Reisen – bot Anlass für eine Vielzahl von Medienberichten und schließlich für Ermittlungen gegen Wulff wegen des Verdachts der Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung im Amt. Der Beginn der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover am 16. Februar vergangenen Jahres bedeutete Wulffs Rücktritt am darauffolgenden Tag.

Seitdem tauchte Christian Wulff ab und an bei öffentlichen Anlässen auf – als Schatten seiner selbst. Er hatte stark abgenommen, war ernst und blass. In Politik und Medien wurde über die Angemessenheit seiner Ruhebezüge diskutiert. Gelegentlich gab es Berichterstattung über das bisher nicht abgeschlossene Ermittlungsverfahren. Wulff selber schwieg.

„Ein Stück weit entfernt“

Bettina Wulff verarbeitete die Krise auf ihre Weise. Gemeinsam mit einer Ghostwriterin schreib sie das Buch „Jenseits des Protokolls“. Niemand weiß, woran die Beziehung der Wulffs nun tatsächlich gescheitert ist. Aber in dem Buch gibt es Passagen, die schon bei Erscheinen an einem glücklichen Fortbestand der Ehe zweifeln ließen.

Bettina Wulff machte eine innere Distanz zu dem Amt ihres Mannes und dessen Krise deutlich. „Ganz bewusst“ habe sie sich im Moment des Rücktritts in Schloss Bellevue „ein Stück weit entfernt von Christian“ gestellt. Sie wollte zeigen: „Ich bin eine eigenständige, selbstständige Frau.“ Sie habe sich nicht als „untrennbarer Doppelpack“ mit ihm „über einen Kamm scheren lassen“ wollen.

Bettina Wulff schildert die Entfremdung in der Krise im Winter 2011/12. „Ab einem gewissen Zeitpunkt kam ich nur noch sehr schwer an Christian heran.“ Zuvor – in der scheinbar heiteren Zeit im Bellevue – habe sie sich „regelrecht hereinpressen und aufdiktieren lassen, wie man sich verhält, was man zu tun und zu lassen hat“, schreibt Bettina Wulff. „Ich werfe dies Christian auch manchmal vor, dass er mich ein großes Stück auch in diese Rolle hineingedrängt hat.“

Nach dem Rücktritt hat das Paar nach Bettina Wulffs Darstellung „professionelle therapeutische Hilfe“ in Anspruch genommen, „weil man das allein gar nicht verarbeiten kann“. Sie selbst habe sich entschlossen, „mich endlich einmal um meinen eigenen Kern zu kümmern, um mich selbst, meine Träume und Wünsche“. Dies erscheine manchmal sehr rigoros. „Auch Christian muss sich umstellen.“

Die 39-Jährige würdigte aber auch, dass sich ihr Mann nach dem Rücktritt mehr Zeit für die zwei Söhne – der ältere stammt aus einer früheren Beziehung Bettina Wulffs – und seine Tochter aus erster Ehe genommen habe.

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Christian und Bettina Wulff hatten 2008 geheiratet, 2013 folgte die Trennung, 2015 gab es Versöhnung, 2018 war wieder Schluss. Jetzt folgt Versuch Nummer drei.

Die Online-Ausgabe der „Bild“-Zeitung berichtete nun gestern über das Ende der Beständigkeit. Die „Bild“ hatte als erste vom Scheitern der ersten Wulff-Ehe und dem Beginn seiner Beziehung mit Bettina berichtet. Sie startete mit dem Bericht über den Hauskredit die Affäre, die zum Rücktritt führte. Sie informierte jetzt zuerst über die Trennung. Wulffs Leben ist eng mit der Zeitung verknüpft.

Bettina Wulff kündigte in ihrem Buch an, es habe für sie und ihren Mann „oberste Priorität, die nächsten Jahre überwiegend selbstbestimmt und nicht fremdbestimmt leben zu wollen“. Wie man jetzt weiß: auf getrennten Wegen.