merken
PLUS

Ende nach über 90 Jahren

Die traditionsreiche Drogerie Sachse am Markt schließt. Schuld daran sei auch die Stadt, sagt der Inhaber.

© Norbert Millauer

Von Dirk Schulze

Über fünf politische Systeme und siebenverschiedene Währungen hinweg hatte das Geschäft Bestand, jetzt soll nach 93 Jahren Schluss sein. Das verkündet ein einfacher DIN-A 4-Zettel an der Ladentür der Drogerie Sachse am Pirnaer Markt. „Der Umsatz reicht leider nicht mehr aus“, sagt Inhaber Reinhard Dettmer. Die Einkünfte seien schon länger rückläufig gewesen, die Einkaufsgewohnheiten der Menschen hätten sich geändert. „Viele kaufen im Internet ein und kommen nur zu uns, um Preise zu vergleichen und sich beraten zu lassen“, erklärt der Inhaber. Nach dem Hochwasser im Juni sei es dann immer schwieriger geworden, viele Kunden wären nicht wiedergekommen, sagt Dettmer, obwohl er schon bald, nachdem das Wasser weg war, wieder eröffnet hatte.

ELBEPARK Dresden
Der ELBEPARK bietet mehr
Der ELBEPARK bietet mehr

180 Läden, 5.000 kostenlose Parkplätze und zahlreiche Freizeitangebote sorgen für stressfreies und vergnügtes Einkaufen im ELBEPARK. Jetzt Angebote entdecken.

Vor 1933 gab es in dem Haus auf der Barbiergasse 1 Sämereien. Foto: priva
Vor 1933 gab es in dem Haus auf der Barbiergasse 1 Sämereien. Foto: priva

Doch das ist für den Händler nicht der einzige Grund: „Die Parkplatzpolitik unserer Stadt hat über Jahre viele unserer Stammkunden vertrieben“, steht auf dem Aushang an der Ladentür geschrieben. In anderen Städten gebe es überall kostenlose Parkplätze in Altstadtnähe, meint Dettmer, doch in Pirna sei das Parken ein Problem. Innenstadt-Besucher müssten lange umherfahren, um einen freien Platz zu finden, und dann koste der auch noch Geld. Das schrecke die Leute ab. „Das haben uns Kunden direkt gesagt“, erklärt Dettmer. Für viele Kunden aus den Pirnaer Randgebieten, vor allem ältere Menschen, sei die Entfernung von den Parkplätzen bis zur Drogerie zu groß. Auch die Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel seien zu weit vom Markt entfernt. Die Kunden kauften dann lieber bei der Konkurrenz, wo sie mit dem Auto direkt bis vor die Tür fahren können.

Die Pirnaer Stadtverwaltung bedauere die Geschäftsaufgabe, erklärt Jekaterina Nikitin von der Pressestelle.

Was die Parkplätze betreffe, versuche man den Händlerwünschen entgegenzukommen. So sei auf Wunsch der Händlerschaft die Höchstparkdauer am Pirnaer Markt 2011 von vorher einer Stunde auf jetzt zwei Stunden angehoben worden. Damals herrschte die Vorstellung, dass Kunden, die länger parken dürfen, auch mehr Geld in den Geschäften lassen. Diese Hoffnung scheint sich nicht erfüllt zu haben, denn für die Gartenstraße wurde die maximale Parkzeit erst kürzlich wieder auf eine Stunde herabgesetzt, ebenfalls auf Bestreben der Händler. Für den Markt liege jedoch kein derartiger Antrag vor, sagt Jekaterina Nikitin. Komplett kostenlose Kurzzeitparkplätze in der Altstadt anzubieten, stehe momentan ebenfalls nicht zur Debatte.

Reinhard Dettmer hat den Familienbetrieb 2002 von seiner Mutter übernommen. Sein Großvater Paul Sachse hatte das Unternehmen 1920 gegründet. Zuerst war die Drogerie auf der Langen Straße ansässig, 1933 folgte dann der Umzug in das jetzige Haus an der unteren östlichen Ecke des Marktplatzes. An dieser Adresse, auf der Barbiergasse 1, war die Drogerie den Pirnaern seit 80 Jahren ein Begriff. „Der Laden ist die ganzen Jahre schon hier gewesen, und jetzt soll’s nicht mehr gehen?“, fragt eine Kundin im Rentenalter ungläubig. Dettmer kann nur bedauernd mit den Schultern zucken.

Das Haus gehört der Familie. Im Moment müssen die Wände, die nach dem Hochwasser noch immer feucht sind, austrocknen. Sobald die Geschäftsräume fertig saniert sind, sollen sie vermietet werden.