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Endlich Anstoß

Nach fünf Jahren Zwangspause kann in Großpostwitz wieder Fußball gespielt werden. Das lockt sogar die alten Legenden.

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© Carmen Schumann

Von Madeleine Siegl-Mickisch

Die Freude ist nicht zu übersehen: Mit strahlenden Gesichtern stehen Robert Schubert und Markus Becker auf dem intensiv grünen Rasen. Morgen Abend erfolgt hier der erste Anstoß. Und der ist für die beiden und all die anderen Fußballer vom Sportverein Großpostwitz-Kirschau ein wirklich historischer Moment.

Fast fünf Jahre ist es her, dass in Großpostwitz zum letzten Mal Fußball gespielt wurde. Anfang August 2010 wälzten sich Wassermassen von der Spree über den alten Platz und durchs Sportlerheim. „Schockierend.“ Mit diesem einen Wort beschreibt Robert Schubert, Trainer der ersten Männermannschaft und auch ein bisschen Mädchen für alles im Verein, den Anblick, den das Stadion in den Tagen nach dem verheerenden Hochwasser bot. „Wir standen vor dem Nichts.“ Nicht nur der Rasenplatz war unbespielbar und das Sportlerheim verwüstet, auch den Container mit Bällen, Trikots und anderen Utensilien hatte es fortgespült.

Training und Spielbetrieb mussten fortan in Kirschau stattfinden, zum Teil auch in Schirgiswalde. Robert Schubert ist einerseits froh, dass es diese Möglichkeit gab. „Aber wir haben uns immer ein bisschen wie auf der Flucht gefühlt.“ Er sei jedem dankbar, der in dieser schwierigen Zeit dabei geblieben ist. Einige Mitglieder hätten den Verein aber auch verlassen. Jetzt mit dem neuen Stadion, das nach dem Hauptsponsor Ontex-Stadion heißt, komme endlich wieder ein richtiges Heimgefühl auf.

Der Weg dorthin war sehr lang und kompliziert. Ehe der Neubau genehmigt wurde, wurde viel diskutiert, aufwendige Berechnungen waren nötig. Denn die Spree ist immer noch relativ nahe. Allerdings liegt der Platz jetzt höher. Es gab aber auch Widerstände im Ort, so aus dem benachbarten Kinderhaus, das zugunsten der Verlegung des Stadions ein Stück seines Spielgeländes abgeben musste. Und es gab Kritiker, die fragten, ob so ein teurer Bau überhaupt nötig ist. Immerhin kostet die neue Anlage beinahe zwei Millionen Euro.

Dafür lässt sie nun aber auch keine Wünsche offen: Rasenplatz mit Flutlichtanlage und Traversen für die Zuschauer, Sportlerheim mit Büro, Clubraum und Terrasse und ausreichend Platz in den Kabinen. Vereinspräsident Markus Becker ist froh, dass Bürgermeister Frank Lehmann (parteilos) trotz aller Schwierigkeiten hartnäckig am Ball geblieben ist. „Ohne ihn hätten wir nicht solch eine Anlage bekommen“, sagt er anerkennend. Und dem Kindergarten-Team und den Eltern ist Becker dankbar für das Verständnis. Denn die Bauphase, als hier wochenlang schwere Fahrzeuge Erdmassen bewegten, sei schon eine Belastung gewesen. Dafür dürfen die Kinder den Platz nun auch mit nutzen.

Überhaupt sei im Ort mittlerweile viel Euphorie zu spüren, sagt Becker. Mit zunehmendem Baufortschritt hätten immer mehr Leute gefragt, wann es denn endlich wieder losgeht. Markus Becker ist deshalb gespannt, ob die Begeisterung auch nach dem Eröffnungswochenende anhält und künftig zu den Heimspielen wieder zwischen 100 und 150 Zuschauer kommen, wie vor der Flut. Aber nicht nur die Männermannschaft, die in der Landesklasse (früher: Bezirksliga) spielt, wird hier zu erleben sein, auch der Nachwuchs. „Hier hat es immer Kinder- und Jugendfußball gegeben“, sagt Becker, der einst selbst im Großpostwitzer Spreetalstadion und später bei Budissa Bautzen spielte. Deshalb tragen am Eröffnungswochenende auch die E-Junioren ein erstes Turnier auf dem neuen Rasen aus. Auf dem wollen es aber auch die „alten Legenden“ noch mal wissen. Und so erwartet die Besucher am Sonntag ein besonderes Match: Frühere Spieler aus der Region treten gegen tschechische Spieler an, die einst für den Verein kickten.