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Kamenz

Endlich eine Landesgartenschau in Kamenz?

Kommunalpolitik, Verwaltung und Bürgerschaft schauen gemeinsam ins Jahr 2025. Zunächst einmal konzeptionell.

Kamenz soll 2025 so aufblühen, wie derzeit die Stadt Frankenberg bei Chemnitz. Eine mögliche Bewerbung für die übernächste Landesgartenschau wird geprüft.
Kamenz soll 2025 so aufblühen, wie derzeit die Stadt Frankenberg bei Chemnitz. Eine mögliche Bewerbung für die übernächste Landesgartenschau wird geprüft. © dpa/Sebastian Willnow

Kamenz. Der Freistaat richtet regelmäßig alle drei Jahre eine Landesgartenschau aus. Die 2019 in Frankenberg ist im April gestartet und lockt noch bis Ende Oktober Hunderttausende Besucher an. Darunter werden auch viele Kamenzer sein, womöglich noch mehr als sonst. 

Denn in der Lessingstadt hat sich eine Bürgerplattform formiert, die eine Bewerbung der Stadt für eine Landesgartenschau im Jahr 2025 dringend befürwortet. In der vergangenen Woche hat sich erstmals auch der Stadtrat mit dem Thema befasst. Der Eindruck: Kommunalpolitik, Verwaltung und Bürgerschaft würden gern an einem Strang ziehen. Man weiß nur noch nicht ganz genau, an welchem.

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Das hat einerseits terminliche Gründe. Derzeit steht nur der nächste Austragungsort 2022 fest – es ist Torgau an der Elbe. Bisher gilt: Erst, wenn die laufende Ausstellung ausgewertet ist, wird die übernächste ausgeschrieben. Dann könnte Kamenz in seinem 800. Jahr nach der Ersterwähnung 1225 durchaus Chancen haben. Auch, weil es meist einen Wechsel der drei großen Regionen Chemnitz, Dresden und Leipzig gibt. „Das ist zwar nicht bindend, könnte aber durchaus Berücksichtigung finden“, heißt es bei den Befürwortern nicht ohne Grund. 

Schon zweimal beworben

Ebenfalls für Kamenz könnte sprechen, dass sich die Stadt bereits zweimal erfolglos für eine Landesgartenschau beworben hat. Wobei da ein Einwand des OB im Stadtrat durchaus zu beachten ist. „1998 hatte sich Kamenz keinesfalls erfolglos für die Schau beworben“, so Roland Dantz. 

Damals war in der Tat das Juryvotum eindeutig für Kamenz ausgefallen. Die Stadt hatte ein tolles gärtnerisches Gesamtkonzept mit Hutberg, Villa Weiße Park und Herrental vorgelegt, das nur aus einem einzigen Grund durch Kabinettsentscheid weggewischt wurde. Kamenz habe durch die Konversion des Armeestandortes bereits viele Millionen erhalten, jetzt seien strukturschwächere Städte dran. Großenhain bekam den Zuschlag und konnte 2002 erfolgreich von der Förderung profitieren. 

Das Argument, dass nicht alles immer nach Kamenz gehen könne, ist ja gerade in diesen Tagen wieder lauthals zu vernehmen. Was also auch einen gewissen Risikofaktor für eine neuerliche Bewerbung umschreibt.

Zum anderen fehlt bisher noch der konzeptionelle Rahmen für eine Landesgartenschau 2025 in Kamenz. Immerhin kamen im März mögliche Ideengeber und Entscheider schon mal auf einem möglichen Gartenschaugelände zusammen. Das könnte das Areal zwischen dem früheren Bahnbetriebswerk und der Glaswerkruine sein, wobei es – eine formvollendete Brücke über die Bahngleise vorausgesetzt – ja auch noch in Richtung Schneewittchensiedlung gehen könnte. 

Noch viele offene Fragen

Innerstädtische Industriebrachen zum Erblühen zu bringen, gehört zu den unverwechselbaren Potenzialen einer jeden Landesgartenschau. Entscheidend ist ein möglichst zusammenhängendes Gelände, das etwa 15 bis 20 Hektar groß sein müsste. Und auf dem Areal braucht es eine Ausstellungshalle mit rund 600 Quadratmetern Nutzfläche. Weitere Kriterien sind möglichst fußläufige Erreichbarkeit vom ÖPNV und behindertenfreundliche Zuwegungen. Und die Flächen müssten verfügbar sein, also möglichst Eigentum der Stadt sein. Und auch die Nachnutzung des Geländes müsste konzeptionell untersetzt sein.

Im Stadtrat wurde die Vorlage der CDU-Fraktion auch von den anderen positiv aufgenommen. Die Chancen liegen ja auch auf dem Tisch. Für investive Maßnahmen stünden dem Ausrichter zunächst etwa 3,5 Mio Euro zur Verfügung. Freilich mit einem Eigenanteil der Stadt von 15 Prozent. Diese 300.000 Euro könnten aber auch gleich in die Bewirtschaftung gesteckt werden, zu denen noch 200.000 Euro als Zuschuss kämen. Alles andere müsste mit Eintrittsgeld oder Sponsoring gegenfinanziert werden. Die genannten 3,5 Mio Euro wären Eigenmittel für diverse Investvorhaben. Frankenberg zum Beispiel soll es geschafft haben, auf diese Weise Projekte mit mehr als 25 Millionen Euro über das Projekt Landesgartenschau zu realisieren. Eine hohe Summe kursiert auch schon in Kamenz.

Nun, das Tier ist schon gefüttert, aber sein Fell hängt noch nicht auf der Leine. So war es wörtlich im Ratsaal zu vernehmen. Viele Fragen bezüglich einer Bewerbung im Jahr 2020 müssen nun angegangen werden. Dabei wird es auch um die finanzielle und personelle Leistungsfähigkeit der Stadt gehen, die derzeit ja große Stadtumbauprojekte stemmt. Der scheidende Stadtrat hat auf seiner letzten Sitzung in der Legislaturperiode die genaue Prüfung des Vorhabens angeschoben. Sobald sich der Neue konstituiert hat, soll es zeitnah eine „AG Landesgartenschau“ geben, heißt es.