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Endlich im eigenen Heim

In Glashütte verwirklichen immer mehr ihren Wohntraum. Es ist aber nicht so einfach, Bauland zu bekommen.

Von Maik Brückner

Großes Glück kann so klein sein

Hellwach oder im lieblichen Schlummer zeigen sich die süßen Babys. In unserer Themenwelt Stars im Strampler gibt es den Nachwuchs zu sehen.

Eigentlich ist Martin Walther ganz zufrieden. Nur wenn er an das Erdgeschoss in seinem Haus denkt, bekommt er ein paar Sorgenfalten. Da ist noch viel zu tun, sagt er und zeigt die Räume. Dort fehlen Heizkörper, hier muss noch die Küche saniert und da müssen die Wände gestrichen werden. Dennoch ist er zuversichtlich, dass er die Wohnung bis zum Frühsommer flottbekommt. „Dann wollen wir sie vermieten“, sagt der junge Mann.

Für eine Familie mit einem Kind dürfte die 74 Quadratmeter große Drei-Raum-Wohnung ideal sein, sagt Martin Walther, der mit seiner Familie in den oberen zwei Etagen des Hauses wohnt. „Das haben wir 2011 gekauft. Das war kein Schnäppchen “, sagt der 28-Jährige. Anderswo hätte er so ein Haus für die Hälfte des Kaufpreises bekommen. Da es keine Alternativen gab und er unbedingt in Oberfrauendorf bleiben wollte, hat er es gekauft. Mit Freunden und Kumpels hat er danach saniert, hat den Keller trockengelegt, Fenster ausgewechselt, die Wände neu verputzt. Trotzdem: „Den Hauskauf habe ich nie bereut, meine Freundin manchmal“, sagt Martin Walther. Steffi Göpel nickt. Sie hatte zwischendurch Zweifel, ob man sich diese Arbeit aufhalsen muss. Sie hätte lieber eine Wohnung gemietet. Doch das ist Geschichte. Seitdem das Paar die 137 Quadratmeter große Wohnung bezogen hat, sind alle zufrieden.

Oberfrauendorf ist ein idealer Wohnort, sagt Martin Walther. Zwar gibt es im Dorf weder einen Einkaufsmarkt noch einen Kindergarten oder eine Schule. Doch all diese Einrichtungen gibt es in Schmiedeberg, Glashütte und Reinholdshain. „Mit dem Auto sind die gut zu erreichen“, sagt er. Deshalb gab es für die Familie auch keinen Grund, Oberfrauendorf zu verlassen. „Hier bin ich aufgewachsen. Und hier fühle ich mich wohl“, sagt er. Privat engagiert er sich im Heimatverein, im Ortschaftsrat und beim Fasching. Und er ist nicht nur Feuerwehrmann mit Leidenschaft, sondern auch Wehrleiter. „Das Gerätehaus ist gleich da oben“, sagt er und zeigt auf das übernächste Gebäude. Ihm gefällt auch, dass auch Oberfrauendorfer, mit denen er groß geworden ist, hier geblieben sind, Häuser gekauft und saniert haben. „In unserem Dorf gibt es keine Ruinen mehr – abgesehen von der alten Scheune am Abzweig nach Elend“, sagt Martin Walther.

Im Glashütter Rathaus ist man über die Entwicklung froh. Denn in den letzten Jahren sank die Einwohnerzahl in der Uhrenstadt, zuletzt unter die Marke von 7 000. Wo soll das enden? Offenbar ist das nun passiert. Es gibt zwar kein Wachstum, aber auch keinen Rückgang mehr, sagt Bürgermeister Markus Dreßler (CDU). Und er hat auch eine Erklärung dafür. Immer öfter zeigen junge Familien Mut und bauten sich ein eigenes Heim. Das zeigt sich in einer Statistik, die das Bauamt erarbeitet hat. Demnach wurden 2013 fünf Bauanträge zum Neubau, Umbau oder zur Erweiterung von Wohnhäusern gestellt. Im letzten Jahr waren es doppelt so viele. Diese Statistik gefällt auch Dreßler: „Es ist erfreulich, dass zahlreiche Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser neu gebaut oder komplett umgebaut und erweitert werden.“ Dies zeige, dass es sich in der Stadt gut leben lässt. Gleichzeitig kann die Stadt über ihre Internetseite nur wenige Bauflächen anbieten. Das Angebot sei „sehr überschaubar“, sagt Dreßler. Das bestärke die Stadt, sich weiter darum zu bemühen, zusätzliches Bauland auszuweisen. Dazu sollen in diesem Jahr Entscheidungen gefällt werden, kündigt er an. Fraglich ist, ob auch die Kernstadt zum Zuge kommt. Denn hier baut bisher fast ausnahmslos die Industrie.

Das möchte der von der Bürgerinitiative Zeitlos dominierte Glashütter Ortschaftsrat ändern. Zur Kommunalwahl im letzten Jahr traten die Kandidaten mit dem Ziel an, Bauland für Wohnungen zu erhalten und bereitzustellen. Das solle im Einklang von Uhrenindustrie und Anwohnern passieren. Schließlich bieten die Uhrenfirmen vielen Menschen Arbeit. So wie Martin Walthers Freundin. Auch sie arbeitet in der Uhrenindustrie. Bei Grossmann.

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