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Endlich wieder die Haare schön

Nach sechs Wochen ist es am 4. Mai auch in Großenhain soweit: Die Friseurgeschäfte dürfen öffnen - und verlangen Kunden und Personal schon vorher einiges ab.

Friseurmeisterin Marie Ebert vom Geschäft Ismer ist froh, dass sie ihren Laden wieder öffnen kann. Dafür nimmt sie gern Einschränkungen in Kauf.
Friseurmeisterin Marie Ebert vom Geschäft Ismer ist froh, dass sie ihren Laden wieder öffnen kann. Dafür nimmt sie gern Einschränkungen in Kauf. © Anne Hübschmann

Großenhain. Gegen halb zehn war sie schon leicht am Verzweifeln. Viertel elf schwanden alle Hoffnungen auf sonnengelbes Blond und auf eine Länge, die einem schicken Schnitt gerecht werden könnte. Eine Dreiviertelstunde später schließlich erbarmte sich ihr Mann und wählte geduldig von seinem Apparat die schon seit Tagen bereitgelegte Telefonnummer. Um kurz nach Viertel zwölf war ihr schließlich bei Versuch 76 das Glück hold: Am anderen Ende meldete sich die freundliche Stimme ihrer Friseurin. 

Nachdem die Großenhainerin, welche ihren Namen angesichts solcher telefonischer Penetranz lieber nicht in der Zeitung lesen will, Wochen und Stunden ausgeharrt hatte, bekam sie nun endlich den heiß ersehnten Friseurtermin. "Ich sag Ihnen ehrlich, ich hätte mir sonstwas einfallen lassen, wenn das nicht geklappt hätte", bekennt die 59-Jährige und schüttelt lachend den voluminösen Haarschopf. Dass ein Termin in einem der drei Läden der Coiffeur Elegant GmbH heiß begehrt sein würde, sei ihr klar gewesen. Aber dass tatsächlich so viel Geduld notwendig ist, habe sie nicht geahnt.

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Ein Ansturm, den Marie Ebert, Juniorchefin des traditionsreichen Geschäfts Ismer, bereits in der vergangenen Woche erlebt hat. Gleich, nachdem bekannt geworden wäre, dass für Sachsens Friseurgeschäfte die unfreiwillige Arbeitspause vorbei sein würde, habe man einen großen Zettel an die Ladentür gehangen. "Wir werden uns bemühen, Termine zeitnah zu finden und zu vergeben. Dem Entsprechend werden wir auch veränderte Öffnungszeiten haben und länger für Sie da sein", steht darauf freundlich formuliert zu lesen. 

Ein Angebot, wovon die Kunden auch gleich ab 20. April Gebrauch gemacht hätten. Ebenso  wie bei ihren Berufskollegen klingelten die Telefone geradezu ununterbrochen. Gleich nun, ob die Sehnsucht nach einem in Form gebrachten Schnitt oder der Wiederherstellung der scheinbaren natürlichen beziehungsweise selbst gewählten Haarfarbe. Die Nachfrage nach einem Platz auf einen der ursprünglich neun Bedienstühle im Geschäft auf der Meißner Straße sei sehr groß.

 Allerdings: Aufgrund der aktuell geltenden Festlegungen, könne eben nicht jeder freie Stuhl auch ausgenutzt werden. "Um die Abstände zwischen den einzelnen Kunden gewährleisten zu können, dürfen nur maximal fünf Plätze belegt werden", erklärt Marie Ebert. Damit es keine unnötigen Irritationen gebe, seien auf dem Fußboden zusätzliche Markierungen aufgebracht worden. Darüber hinaus gebe es keinen Wartebereich mehr.  Die Termine würden so vergeben, dass die betreffende Person sofort auf ihren Stuhl geleitet werden könne. Selbstverständlich bekäme diese die Gelegenheit, sich mit warmen Wasser die Hände zu waschen und auch Desinfektionsmittel stünden bereit. 

Dass jede Behandlung nur noch mit Mundschutz erfolge, habe den Salon zunächst vor ein logistisches Problem gestellt. "Inzwischen haben wir aber eine große Anzahl an Masken da, die wir unseren Kunden zur Verfügung stellen können. Wie sich das Arbeiten dann damit anfühlt und wie der jeweilige Kunde während des Schneidens oder Färbens damit zurechtkommt, bleibt freilich erstmal abzuwarten", sagt Marie Ebert. Die 30-jährige Friseurmeisterin, die in dritter Generation zur Verschönerung von weiblichen und männlichen Köpfen beiträgt, macht keinen Hehl daraus, dass sie sich auf die Arbeit freut. Nicht einfach seien die vergangenen Wochen gewesen. Einerseits natürlich für ihre Kundschaft, die mit Bange abwechselnd wohl in den Spiegel und den Kalender geschaut hätte. Andererseits auch für ihren Berufsstand, der wirtschaftlich ins Trudeln gekommen sei. 

Am 4. Mai, pünktlich um 8 Uhr, dürften sich die Türen nun wieder öffnen. Bereits jetzt müsse sich jeder, der künftig die Haare schön haben möchte, darauf einstellen, auf die lieb gewordenen Extras zu verzichten. Ein Kaffee oder Wasser dürfe ebenso wenig kredenzt werden, wie das Hochglanzmagazin unter der Haube. Nach sechs Wochen des quälenden Wartens auf den geliebten Gang zum Friseur dürfte das jedoch für die wenigsten Besucher ein Problem sein. Hauptsache, endlich wieder die Haare schön - in Coronazeiten wie diesen, wohltuend alles, was für das geplagte Köpfchen zählt.

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