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Weißwasser

Endlich wieder ein Bäcker im Ort!

Traditionsbetrieb aus Brandenburg eröffnet in Gablenz seine vierte Filiale. Das bringt Vorteile für das Dorf.

Lisa Seppel und Chefin Claudia Hedel (2.v.l.) hatten zur Eröffnung viel zu tun.
Lisa Seppel und Chefin Claudia Hedel (2.v.l.) hatten zur Eröffnung viel zu tun. © Foto: Sabine Larbig

Von Sabine Larbig

Gablenz. Als Konditorin und Bäckermeisterin Claudia Hedel gestern um 7.30 Uhr die Türen der Bäckereifiliale in Gablenz öffnet, stehen die Kunden bereits Schlange. Knapp drei Stunden später sind Zuckerkuchen nach Originalrezept des Bäckereigründers, Schulbrot, Buchweizenbrötchen und Pfannkuchen bereits ausverkauft und Berge von Brot und Semmeln merklich geschrumpft. Bäckerin Claudia Hedel, die noch wenige Stunden zuvor in der Backstube in Klein Kölzig stand, sowie Verkäuferin Lisa Seppel freuen sich über den Andrang am Eröffnungstag und hoffen, dass es so bleibt.

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„Haben Sie auch Zwiebelbrot?“, fragt ein Kunde. „Nein, heute nicht. Aber wir backen gerne, was hier in Gablenz gewünscht und gern gegessen wird“, verspricht Claudia Hedel im Beisein von Bürgermeister Dietmar Noack, der zur Filialeröffnung offizielle Grüße der Gemeinde überbrachte. „Ich freue mich, dass Gablenz nach vielen Jahren endlich wieder einen Bäcker hat und hier nun Brandenburger Backkunst verkauft wird. Vor alllem aber ist es toll, dass die Bürger aus Gablenz und Kromlau endlich wieder ein Versorgungsangebot haben. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg“, so der Gemeindechef, der durch die Geschäftseröffnung mehrfach Grund zur Freude hat.

Mit der Neueröffnung kann die Gemeinde das Kapitel einer vierjährigen und schwierigen Suche nach einem Pächter des verwaisten örtlichen Bäckerladens im gemeindeeigenen Gebäude endlich abschließen. Außerdem wurden so zwei neue Arbeitsplätze im Ort geschaffen. Und die Gemeinde erhält künftig Einnahmen durch das wiederbelebte Ladengeschäft. „Wie es oft im Leben ist, kamen nach Vertragsabschluss mit der Familie Labsch weitere Angebote regionaler Bäcker. Außerdem zog ihr Beispiel auf einen Schlag Anfragen weiterer Gewerbetreibender an“, verrät Noack. Um wen oder welche Branchen es sich handelt, wollte das Gemeindeoberhaupt trotz Nachfrage nicht verraten. An geeigneten Immobilien im Ort dürften Neuansiedlungen jedenfalls nicht scheitern. Immerhin stehen die Räume des einstigen Dorfkonsums und des ehemaligen Landwarenhauses noch immer leer.

Vorerst aber freuen sich die Einwohner über ihren Bäcker, obwohl bislang fliegende Händler die Versorgung in Gablenz und Kromlau absicherten. Ein Laden im Ort ist aber trotzdem was anderes. Und hier treffen sich die Leute. Ich begrüße es, dass wir jetzt wieder ein Bäckergeschäft haben“, bekennt Ute Jenß aus Gablenz, die – wie alle anderen Kunden – natürlich auch Verkäuferin Lisa Seppel kennt. Die junge Frau, frisch aus dem Babyjahr in die Arbeitswelt zurückgekehrt, und Kollegin Ilona Lehmann sind aus Gablenz und fanden durch den Bäckerladen in ihrem Heimatort eine Arbeit. Während Lisa gleich am ersten Arbeitstag unter Beweis stellen konnte, dass sie auch bei Stress nicht die Freude und den Überblick verliert, startet ihre Kollegin erst im August. „Es wird ein gutes Mitarbeiter-Duo hier in Gablenz sein“, ist sich Chefin Claudia Hedel sicher.

Obwohl sie vor Geschäftseröffnung nur einen Aushang in der Kita Gablenz gemacht und beim benachbarten Friseur nachgefragt hatte, ob dort eventuell jemand bekannt sei, der an einem Job als Bäckereiverkäufer interessiert ist, hatte sie in drei Tagen bereits sechs Bewerbungen. Später kamen zwei weitere hinzu. „Wir entschieden uns jedoch für die beiden jungen Frauen“, so Claudia Hedel.

Wenn in Gablenz beide Verkäuferinnen an Bord sind, sei auch die Erweiterung des Angebotssortiments geplant und eventuell der Öffnungszeiten. Bislang hat die Filiale Dienstag bis Freitag von 7.30 bis 17 Uhr und samstags von 7.30 bis 11 Uhr geöffnet. Ob dies ausreicht, wird die Nachfrage zeigen. Gewünscht von den Gablenzern ist indes bereits ein zusätzliches Lebensmittelsortiment, wie der Eröffnungstag zeigte. Da fragten bereits zahlreiche Kunden nach Milch, Butter, Nudeln, Marmelade oder Bockwurst als Imbiss. „Bockwurst wäre toll, die mögen viele. Selbst Radtouristen, von denen viele regelmäßig durch Gablenz kommen. Wenn wir vorm Laden den Fahrradständer etwas versetzen und die Hecken beschneiden, ist sogar Platz für Tisch und Stühle “, bietet Bürgermeister Dietmar Noack als Unterstützung an.

Bäckermeisterin Hedel hört es gern. Auch einer Sortiment-Erweiterung stimmt sie zu. „Platz für einen Kühlschrank haben wir und eine Kaffeemaschine steht schon. Da müssen wir nur noch etwas Geschirr herbringen“, meint die 49-jährige Unternehmerin, die gemeinsam mit ihrem Bruder Timo Labsch in dritter Generation das Familienunternehmen fortführt. Gegründet wurde es 1938 von Großvater Hans in Klein Kölzig, nach dessen Rezepten noch heute so manches Backwerk entsteht. So, wie der Zuckerkuchen, der in Gablenz bereits den Härte- und Geschmackstest bestanden hat. Produziert wird bei der Bäckerei Labsch in den Backstuben in Klein Kölzig und Spremberg. Von dort werden insgesamt vier Ladengeschäfte beliefert. Das Unternehmen beschäftigt aktuell 14 Mitarbeiter, zwei Fahrer, einen Lehrling.

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