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Endlich wieder tanzen

Bodo Asmus trainiert seine neue Hüfte. Das Orthopädische Zentrum Rothenburg hat bisher über 15 000 Leuten geholfen.

© André Schulze

Von Katja Schlenker

Flattrig ist Bodo Asmus. Doch nicht etwa, weil er vor Kurzem ein neues Hüftgelenk bekommen hat. Nein, was ihm Gedanken macht, ist das Spiel der deutschen Nationalmannschaft am Montagabend bei der Weltmeisterschaft in Brasilien. „Wir leben in Deutschland, dann müssen wir auch Fußball gucken und die Daumen drücken“, sagt er. So ist es nicht verwunderlich, dass der Weißwasseraner am Montagvormittag mit einer Deutschland-Flagge auf dem T-Shirt über die Wege des Orthopädischen Zentrums in Rothenburg spaziert.

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Seit dem 19. Mai ist Bodo Asmus hier. Am Tag darauf ist er von Chefarzt Torsten Menzel operiert worden. Der promovierte Mediziner ist auf Knie- und Hüftprothesen spezialisiert. Mittlerweile wird Bodo Asmus in der Klinik für Rehabilitation therapiert. 15 160 Patienten sind hier in den vergangenen zwanzig Jahren behandelt worden, berichtet Sprecherin Nadja Keller. Der runde Geburtstag wird in dieser Woche mit einem Festsymposium und einem Tag der offenen Tür gefeiert. Ist die Klinik für Rehabilitation im Jahre 1994 mit 472 Patienten gestartet, sind im vergangenen Jahr 910 behandelt worden. Die durchschnittliche Auslastung pro Jahr liegt bei 88,5 Prozent. Die Klinik für Rehabilitation in Rothenburg ist die einzige dieser Art im ostsächsischen Raum.

In den vergangenen drei Jahren ist Bodo Asmus bereits einige Male hier gewesen, hat zunächst eine Operation am Knie gehabt und nun auch noch ein neues Hüftgelenk bekommen. „Es ging einfach nicht mehr“, sagt er. Als Grund, warum jeweils sein linkes Knie- und Hüftgelenk so abgenutzt sind, nennt er seine Arbeit. Er ist viele Jahre Berufskraftfahrer gewesen, hat Ende der 1970er Jahre im Tagebau Nochten angefangen, ist immer mit dem Lkw unterwegs gewesen, zwischendurch zehn Jahre lang mit dem Bus. „Ich habe gelesen, dass bei Berufskraftfahrern das linke Bein mehr beansprucht wird, wegen des ständigen Kuppelns und Bremsens“, sagt der 62-Jährige. Bis zu 700 Kilometer ist er am Tag unterwegs gewesen.

Ob er noch einmal in seinen Beruf zurückkehren wird, ist ungewiss. Stattdessen könnte sich der Weißwasseraner vorstellen, die letzten Jahre bis zur Rente zum Beispiel als Hausmeister zu verbringen. „Ein bisschen handwerklich begabt, bin ich ja“, sagt er über sich. Das beweist Bodo Asmus auch regelmäßig beim Drechseln, seiner großen Leidenschaft. Dem geht er in der Holzwerkstatt seines ungarischen Freundes Stefan Pinter nach. Oft entwickeln sich so Geschenke, zum Beispiel für seine Linedance-Truppe. Der hat er einen Wimpelhalter gedrechselt. Wenn er mit der Reha fertig ist, will er unbedingt wieder tanzen, das ist sein großes Ziel.

Doch unterdessen genießt er die Zeit in der Rothenburger Klinik. Drei bis vier Therapien bekommt er täglich. Am liebsten ist er im Bewegungsbad, „weil man da so schön schwebt“. Auch Kochen hat er hier gelernt. „In den Tagen, die ich jetzt hier bin, habe ich mich tagsüber erst ein Mal aufs Bett gelegt“, sagt Bodo Asmus. Dazu bleibt also gar keine Zeit. Denn in der Klinik trifft er viele Leute. So manchen kennt er noch aus seiner Zeit als Busfahrer. So hat der 62-Jährige eine Frau wiedergetroffen, die jeden Tag mit der Buslinie mitgefahren ist, die er einst gefahren hat. Da werden Erinnerungen wach an viele Jahre, die er auf den Straßen unterwegs gewesen ist.