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Endspurt für Erksdorfs Sportkomplex

Anderthalb Millionen Euro will Radeberg im Ortsteil ausgeben. Aber dafür braucht es noch ein paar Unterschriften.

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© Planungsbüro Schubert

Von Jens Fritzsche

Großerkmannsdorf. Unterschrieben ist noch nichts, aber Großerkmannsdorfs Ortsvorsteher Harry Hauck (Freie Wähler) ist optimistisch, „dass wir uns einig werden“. Die Rede ist vom Vertrag zum „Grundstücks-Tausch“, der den Weg für den geplanten neuen Sportkomplex im Radeberger Ortsteil frei machen soll. „Der Vertragsentwurf wird derzeit noch in der Stadtverwaltung erarbeitet, ich gehe davon aus, dass wir uns in der nächsten Ortschaftsratssitzung damit befassen werden“, sagt Hauck. Die Sitzung ist am 17. Februar geplant.

Eigentlich schien ja schon alles in den sprichwörtlichen trockenen Tüchern zu sein, der Stadtrat hatte bereits im vergangenen November grünes Licht für das Projekt erteilt. Die altehrwürdige Sporthalle in Großerkmannsdorf soll dann grundhaft saniert werden, der Eingang soll in den hinteren Bereich verlegt werden, wo dann auch ein moderner Anbau mit Sanitäranlagen und Unterstellmöglichkeiten für Sportgeräte entstehen wird – als Verbindung zum Sportplatz, an dessen Rand zudem auf einem bisher ziemlich schlammigen Areal auch neue Parkplätze entstehen sollen. Ein schmucker Sportkomplex für runde anderthalb Millionen Euro.

Grundstücks-Tausch nötig

Doch damit gebaut werden kann, muss zunächst noch ein Grundstück gekauft werden. Denn der moderne Anbau ist auf einem privaten Areal geplant, das zum Teil noch dem Gastwirt von „Müllers Gasthof“ gehört, der gleich neben der Turnhalle steht. Geplant ist dabei eine Art Grundstücks-Tausch. Die Stadt bekommt die Fläche an der Turnhalle, dafür bekommt Thomas Müller die Fläche, auf der bis vor Kurzem noch das Vereinshaus des Großerkmannsdorfer Feuerwehrvereins stand, die „Gut-Wehr-Baude“ am Sommerweg. Die wurde durch den im Herbst eingeweihten Neubau des Feuerwehrgerätehauses nicht mehr gebraucht, weil dort auch Platz für Vereinsräume ist. Also wurde die alte Baracke abgerissen, das Grundstück ist also frei.

Aber zumindest ein bisschen gewundert hatte sich Thomas Müller nach der Stadtratssitzung Ende November dann doch, sagte er anschließend der SZ. Nämlich darüber, dass es in der Sitzung quasi geheißen hatte, dass für die Umsetzung des Sportkomplex-Projektes im Ortsteil Großerkmannsdorf alles in Sack und Tüten sei. „Wir sind uns ja mündlich auch weitgehend einig“, machte Thomas Müller klar. Aber er hätte das Ganze „doch gern auch noch schriftlich gehabt, bevor öffentlich im Stadtrat Entscheidungen fallen“, fügte er an. Er wolle dem Projekt auch nicht im Weg stehen, stellt er klar. „Nur muss aus meiner Sicht eben alles schriftlich fixiert sein, damit beide Seiten Sicherheit haben.“ Den Zeitdruck, gerade auch mit Blick auf die Beantragung von Fördermitteln, verstehe er zwar, machte Thomas Müller deutlich – „und ich bin auch ein absoluter Fan des Projektes, aber ich hätte mir eben gewünscht, dass die Verträge unterschrieben wären, bevor erklärt wird, dass alles bestens sei“. Denn sollte man sich doch noch über das eine oder andere Detail uneins sein, „wäre ich dann in der Öffentlichkeit der Buhmann“, befürchtete Thomas Müller Mitte Dezember. Danach sieht es im Moment allerdings nicht aus. Bereits im Januar war noch einmal in einer nichtöffentlichen Sitzung im Ortschaftsrat über das Thema gesprochen worden, nun ist also – wohl auch mit den Hinweisen aus dieser Sitzung versehen – der Vertragstext in Arbeit. Und in diesen Verträgen möchte sich der Großerkmannsdorfer Gastwirt gern zwei Dinge festschreiben lassen, wie er erläuterte: ein Wegerecht für die Fläche zwischen Gasthof und Turnhalle, „damit ich auch mal etwas in diesem Bereich anliefern lassen kann“, sagt er. Und zum anderen möchte er sich langfristig auch die gastronomische Bewirtschaftung der Turnhalle sichern. „Und das sollte alles vertraglich geregelt werden - damit beide Seiten Sicherheit haben“.

Stadtsprecher beruhigt

Grund für große Aufregung rund um das Thema sieht aber im Moment niemand, wie auch Stadtsprecher Jürgen Wähnert schon Mitte Dezember klar gestellt hatte. „Für den angedachten Grundstücks-Tausch braucht es für die Flächen zunächst Verkehrswertgutachten – wir standen also vor der Frage, ob wir warten und Fördermittel einbüßen oder ohne Verträge entscheiden“, erläuterte er, warum der Stadtrat in seiner Novembersitzung über das Projekt entschieden hatte, obwohl eben noch kein Vertrag unterschrieben gewesen war. Aber natürlich, so Jürgen Wähnert gegenüber SZ, hatte es im Vorfeld mehrere Gespräche zwischen Ortsvorsteher, Stadt und Thomas Müller gegeben.

Nun liegen also auch die erwähnten Gutachten vor, sodass nun tatsächlich konkrete Grundstücksverhandlungen starten konnten. Und wohl dann auch bis zur nächsten Ortschaftsratssitzung in Großerkmannsdorf auch ein Vertragsentwurf vorliegen könnte. Das Sportkomplex-Projekt wird also umgesetzt werden. Daran ließ auch Radebergs OB Gerhard Lemm (SPD) in seiner Rede zum Neujahrsempfang keine Zweifel. Für ihn ist der Sportkomplex in Großerkmannsdorf gemeinsam mit dem vier Millionen Euro teuren Bau der Mehrzweckhalle im Nachbarortsteil Ullersdorf ein wichtiger Schritt, um das angespannte Verhältnis zwischen beiden Ortsteilen zu befrieden – wie er rückblickend auf den Streit um die Grundschule Ullersdorf und deren mögliche Verlagerung nach Großerkmannsdorf sagte.