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Endstation für Radfahrer

Meißen liegt am beliebtesten Fernradweg Deutschlands – doch wer hier in die Altstadt abbiegt, bekommt Probleme.

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Von Christoph Scharf

Eigentlich hat Meißen beste Voraussetzungen, eine echte Radfahrerstadt zu werden: Die Wege in der Stadt sind kurz, große Teile des Stadtgebiets liegen bequem im Tal, Deutschlands beliebtester Fernradweg führt durch das Stadtzentrum. Tatsächlich macht Meißen viel zu wenig daraus, sagt Konrad Krause, Chef des Fahrradverbands ADFC Sachsen. „Ein gelungenes Radverkehrs-Konzept erkennt man nicht an besonders vielen Radwegen, sondern daran, dass auch ältere Leute das Rad im Alltag nutzen.“ Und das sei in Meißen noch viel zu selten der Fall. Eine Radtour mit interessierten Einwohnern am Montag sollte Aufschluss bringen, warum das so ist. Und dafür mussten die Teilnehmer der von der Grünen-Landtagsfraktion organisierten Veranstaltung gar nicht weit radeln. Wenige Meter vom Grünen Laden an der Gerbergasse entfernt liegt ein Problem, ohne dessen Lösung weitere Maßnahmen wenig bringen dürften: die Sperrung der Neugasse für Radfahrer stadteinwärts.

Ursprünglich sah das Meißner Radverkehrskonzept vor, die Einbahnstraße nach dem für 2016 geplanten Umbau in beide Richtungen für Radler freizugeben. Allerdings entschied sich eine Mehrheit der Stadträte dagegen. So bleibt es bei der bisherigen Regelung. Die Konsequenz: Radler, die etwa aus Richtung Mulde-Radweg durchs Triebischtal nach Meißen kommen oder einfach nur von der Manufaktur zur Altstadt oder zum Elberadweg wollen, bekommen ein Problem. Sie haben nur die Wahl, den mit Lkws stark befahrenen Neumarkt zu nutzen – oder über die holprige Görnische Gasse auszuweichen. Für den ADFC-Geschäftsführer keine vertretbaren Alternativen. „Lange Umwege fährt kein Radler dauerhaft. Da bleibt bei vielen das Rad lieber zu Hause stehen“, sagt der Dresdner. Er hat ohnehin wenig Verständnis dafür, dass man Einbahnstraßen nicht für Radler öffnet. „In aller Regel gehen dadurch die Unfälle sogar zurück, weil Autofahrer langsamer fahren.“ Selbst an der schmalen und vollgeparkten Alaunstraße in der Dresdner Neustadt habe sich das eingepegelt – zum Vorteil auch der Fußgänger.

Eine weitere negative Meißner Besonderheit sei die vielerorts unklare Verkehrsführung für Radfahrer. Ein Beispiel: Allein auf den 500 Metern zwischen Bahnhof und Beyerleinplatz gelten für Radler vier verschiedene Regelungen. Erst kommt ein normaler Gehweg, so dass Radler die Fahrbahn nutzen müssen. Dann folgt ein kombinierter Geh- und Radweg, den sich Radler und Passanten teilen, dann ein Radfahrer-Schutzstreifen auf der Fahrbahn, dann ein getrennter Geh- und Radweg. „Fahrradfreundliche Städte zeichnen sich dadurch aus, dass man die Verkehrsführung intuitiv erkennt, ohne langes Nachdenken“, sagt Konrad Krause.

Für Martin Schuster vom Stadtbauamt liegt eine Schwierigkeit darin, dass sich bei den vielen Staats- und Bundesstraßen in Meißen die Zuständigkeit auf Stadt und Freistaat verteilt. Beide Ebenen müssten Kompromisse finden, zumal auch die Kosten eine Rolle spielen: Separate Radwege auf Staatsstraßen müsse das Land zahlen, für Gehwege dagegen sei die Stadt zuständig. Allerdings plane man mehrere Vorhaben, um die Situation in der Stadt für Radler in den nächsten Jahren zu verbessern. Ein Anliegen will er umgehend angehen: Die unsinnige Ausschilderung, die ortsfremde Radler vom Elberadweg dazu bringt, ihre schwer bepackten Räder an der Altstadtbrücke eine Treppe hochschleppen zu müssen. Ein kleiner Schritt, damit Meißen fahrradfreundlicher wird.