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Engagement in den Ortsteilen stärken

Der Hoyerswerdaer Sorbenbeirat tagte Donnerstag in Seidewinkel. Dort werden Traditionen mit viel Liebe gepflegt.

Von Andreas Kirschke
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Der Sorbenbeirat Hoyerswerda: Vorsitzende Evelin Graf (2. v. rechts) beriet mit den Mitgliedern Marcel Fröschl, Brigitte Schramm, Birgit Sarodnick und Gabriela Korch (v. l. n. r.). Heidrun Schenke (3. v. l.), Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Hoyerswerda
Der Sorbenbeirat Hoyerswerda: Vorsitzende Evelin Graf (2. v. rechts) beriet mit den Mitgliedern Marcel Fröschl, Brigitte Schramm, Birgit Sarodnick und Gabriela Korch (v. l. n. r.). Heidrun Schenke (3. v. l.), Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Hoyerswerda © Foto: Andreas Kirschke

Seidewinkel. Der Beirat für sorbische Angelegenheiten Hoyerswerda will mit den kommunalen Vertretern, Vereinen und Kulturgruppen in der Stadt und in den Ortsteilen intensiv zusammenarbeiten. Regelmäßig will er den Stadtrat über seine Tätigkeit informieren. Zudem tritt er für die Weiterführung des Lernkonzepts 2plus am künftigen neuen Standort der Handrij-Zejler-Grundschule ein. 

In der neuen Oberschule Hoyerschule sollte es Sorbisch zumindest als Ganztagsangebot geben. Dies unterstrich Evelin Graf, Vorsitzende des Sorbenbeirates, am Donnerstag nach der Sitzung in Seidewinkel. „Wir wollen den Erfahrungsaustausch für Stadträte zum Thema Sorben ermöglichen. Wir sind beratendes, kein beschließendes Gremium“, sagte die Vorsitzende. Nach der Konstituierung am 30. Oktober und der Sitzung Donnerstag in Seidewinkel will der Sorbenbeirat am 15. Januar den Arbeitsplan 2020 vereinbaren. Einmal monatlich will er tagen. Dabei will er auch in die Ortsteile gehen. Unter anderem tagt er am 11. März in Zeißig.

In der Sitzung am Donnerstag ging es konkreter um Seidewinkel. Seit 19. September 1995 besteht dort die Sorbische Trachtengruppe Seidewinkel e. V. Maßgebliche Initiatorin war Hannelore Gutsche. Mit der 2012 Verstorbenen verlor der Verein eine engagierte Frau mit tiefgründiger Trachtenkenntnis und beständiger Liebe zu den sorbischen Traditionen und Bräuchen. Seit 2008 leitet Uwe Schuster als Vorsitzender den Verein. Diesem gehören heute 21 aktive Mitglieder an. Hinzu kommen neun passive Mitglieder aus der Jugend. Sie unterstützen den Verein immer wieder zu Anlässen. Ein besonderer Höhepunkt ist stets am ersten Juni-Wochenende das Essen am Feldrain. 2020 findet es am 7. Juni statt. „Traditionell gehen die Frauen dabei immer in sorbischer Arbeitstracht“, sagte Katrin Schuster. Zusammen mit Heike Gutsche, die nicht verwandt ist mit Hannelore Gutsche, leitet sie die Kindertanzgruppe im Verein Sorbische Trachtengruppe Seidewinkel e. V. Diese entstand bereits 1994, ein Jahr vor Gründung des Vereins. Sie ging aus dem Kindergarten hervor. Heute gehören zur Kindertanzgruppe 30 Kinder im Alter von drei bis 14 Jahren. Sie kommen aus Seidewinkel, Bergen, Neuwiese, Nardt, Hoyerswerda und aus weiteren Orten. Regelmäßig alle 14 Tage proben sie zusammen. „Wir setzen gezielt darauf, dass es volksnah und aus dem Leben gegriffen ist“, unterstrich Heike Gutsche. Traditionen wie Zampern und Maibaumwerfen im Ort finden stets in Tracht statt. Das ist auch für die Jugend selbstverständlich. „Wir haben keinen eigenen Vereins-Trachtenfundus. Jeder hat seine eigene Tracht, bewahrt, hegt und pflegt sie. Das reicht von der Arbeitstracht über die Tanztracht, Kirchgangstracht bis zur Brautjungferntracht“, verdeutlichte Katrin Schuster.

Bei vielen Anlässen aktiv

Die meisten Kinder in Seidewinkel haben es mit dem Tanzen schon einmal probiert. Viele sind dabeigeblieben. Heute wirken auch Kinder aus anderen Orten rund um Seidewinkel in der Kindertanzgruppe mit. Bis zur Konfirmation tanzen die Kinder bei Ostermärkten, Vereinsfesten, Jubiläen, Frühlings-, Sommer- und Herbstfesten in der Region. Sie tanzen ebenfalls bei runden Geburtstagen. „Auch die Kindertrachten sind eigene Trachten, die wir pflegen“, unterstrich Heike Gutsche. „Sie stammen aus dem Fundus der Großeltern. Vorrangig ziehen die Omas die Kinder an. Die Mütter lernen das Ankleiden von ihnen. Insgesamt legen wir viel Wert auf sorgfältiges, korrektes, akkurates Ankleiden. Darauf legen wir bei den Kindern genauso Wert wie bei den Erwachsenen.“ Derzeit übt die Kindertanzgruppe den Bändertanz fleißig ein. Sie will ihn zum nächsten Essen am Feldrain zeigen. Die Tanzgruppe, so unterstrichen die beiden Leiterinnen, stärkt die Kinder in ihrer Bewegungsfreude und in ihrer Zusammengehörigkeit. Erstaunlich ist: Momentan tanzen mehr Jungen als Mädchen mit.

Die Mitglieder des Sorbenbeirates hörten den Ausführungen Donnerstag aufmerksam zu. Sie wollen Vereine mit reicher inhaltlicher Arbeit wie die Sorbische Trachtengruppe Seidewinkel weiter unterstützen. Die nächste Sitzung des Sorbenbeirates ist am 15. Januar 2020 in Hoyerswerda.