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Enge Straßen, fehlende Fußwege

Die Verkehrsuntersuchung für die neue Moritzburger Feuerwache zeigt bekannte Probleme auf. Und nennt Lösungen. Diese werden zum Teil aber viel Geld kosten.

Das Gebäude der frühere Moritzburger Mittelschule soll abgerissen werden und so Platz für ein neues Feuerwehrgerätehaus eine Rettungswache und zusätzliche Räume für die benachbarte Grundschule entstehen.
Das Gebäude der frühere Moritzburger Mittelschule soll abgerissen werden und so Platz für ein neues Feuerwehrgerätehaus eine Rettungswache und zusätzliche Räume für die benachbarte Grundschule entstehen. © Arvid Müller

Moritzburg. Am Montagabend soll die von der Gemeinde in Auftrag gegebene Verkehrsuntersuchung zum neuen Feuerwehrgerätehaus am Standort der alten Mittelschule vorgestellt werden. Eingeladen sind die Gemeinde- und die Moritzburger Ortschaftsräte sowie Vertreter der benachbarten Grundschule und des Kinderhauses Kleiner Moritz.

Bereits jetzt sorgt das der SZ vorliegende 29-seitige Papier für einige Aufregung. Im Rahmen der Diskussion über den Vertrag zwischen Gemeinde und Landkreis zum Bau einer neuen Rettungswache – diese soll neben dem Gerätehaus entstehen – appellierte Gerald Bibas (Pro Steinbach) am Montagabend an seine Ratskollegen, den gesamten Standort in der Nachbarschaft von 465 Kindern noch einmal zu überdenken. Professor Heinrich Gerhartz stellte sogar den Antrag, die Entscheidung zur Rettungswache von der Tagesordnung zu nehmen, was allerdings mit deutlicher Mehrheit abgelehnt wurde.

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Die Schulstraße ist eng, oft zugeparkt und hat nur teilweise einen Gehweg.
Die Schulstraße ist eng, oft zugeparkt und hat nur teilweise einen Gehweg. © Arvid Müller

Bibas bekräftigte seine Forderung mit der Aussage, dass der Standortbeschluss vor rund zwei Jahren nicht nur mit der Maßgabe gefasst wurde, ein Verkehrskonzept zu erarbeiten, sondern auf dessen Grundlage den Standort Alte Mittelschule auch noch einmal neu zu bewerten. Dem widersprach Bürgermeister Jörg Hänisch (parteilos).

Tatsächlich lautet der zweite Punkt des Beschlusses der Gemeinderatssitzung vom 28. Mai 2018 laut Protokoll: „Mit der Planung am Standort Alte Mittelschule ist begleitend eine umfassende Verkehrsplanung der Zu- und Abfahrtswege und der Schulweg zu beauftragen, aus der sich Folgemaßnahmen in den kritischen Straßenbereichen ergeben können.“

Dass der Standort trotz jahrelanger Suche nicht optimal ist, war den Gemeinderäten schon 2018 bewusst. Der damalige Gemeinderat Michael Zimmermann (CDU) brachte das Problem auf den Punkt, indem er seinerzeit in der Diskussion sagte: „Wir hatten zwei schlechte und zwei mittelgute Standorte.“

 Dass er für die Mittelschule votieren werde, begründete er damit, dass die Feuerwehrleute diesem Standort gegenüber der Alternative Lindengarten den Vorrang gegeben hätten. Neben dem Gemeinderat hatte seinerzeit auch der Ortschaftsrat Moritzburg nach eingehender Diskussion und Abwägung des Für und Widers mehrheitlich für die Alte Mittelschule gestimmt.

Auch in der schmalen Brauhofstraße parken Autos. Fußgänger müssen auf der Straße laufen.
Auch in der schmalen Brauhofstraße parken Autos. Fußgänger müssen auf der Straße laufen. © Arvid Müller

Die jetzt vorliegende Verkehrsuntersuchung zählt an Defiziten im Verkehrsraum um den Feuerwehrstandort daher auch kaum etwas auf, was nicht schon seit Längerem als Problem erkannt ist. Vor allem, dass die meisten schmalen Straßen, an denen in vielen Bereichen obendrein Fußwege fehlen, als Schulwege der Grundschüler dienen. Und dass erlaubt und unerlaubt parkende Autos in der Schul- und der Brauhofstraße der Grund dafür sind, dass Fußgänger mitten auf der Straße laufen müssen.

Diese für Schulwege nicht optimale Situation wird durch die Neubauten für Feuerwehr und Rettungsdienst verschärft. Allerdings muss dabei auch beachtet werden, dass die Moritzburger Ortswehr im Jahr zu rund 60 Einsätze gerufen wird. Also im Durchschnitt einem pro Woche. 

Daraus eine permanente Gefahr für die Kinder der Grundschule abzuleiten und den Standort infrage zu stellen, erscheint bedenklich. Zumal damit vermutlich nicht nur die Fördermittel für das bereits seit Jahren dringend benötigte Gerätehaus auf Spiel gesetzt werden würden, sondern auch der Bau der zusätzlichen Räume für die Grundschule wieder völlig offen wäre. Diese sollen im Gebäudekomplex mit entstehen.

Noch enger wird es in der Schließerstraße. Hier könnte ein Blinklicht der Feuerwehr die Durchfahrt sichern.
Noch enger wird es in der Schließerstraße. Hier könnte ein Blinklicht der Feuerwehr die Durchfahrt sichern. © Arvid Müller

Recht hat Gerald Bibas mit seiner Feststellung, dass viele der in der Verkehrsuntersuchung aufgezählten Maßnahmen von der Gemeinde in den nächsten Jahren kaum finanziell zu stemmen sein werden.

 Aufgelistet sind dort u.a. der Bau von Gehwegen zwischen Schulstraße und Bergstraße, an der Kötzschenbrodaer Straße zwischen Schulstraße und Roßmarkt, an der Brauhofstraße zwischen Schließerstraße und Kötzschenbrodaer Straße, an der Kötzschenbrodaer Straße aus Richtung Eisenberg bis zur Einmündung Brauhofstraße/ Kötzschenbrodaer Straße und die Befestigung des Kirchwegs und der Ausbau des Weges über den Mehrgenerationenplatz, einschließlich Beleuchtung, als Zugang für Grundschule, Hort und Kita. 

Alle diese Maßnahmen wären indes auch ohne den Bau der beiden neuen Häuser zur Erhöhung der Schulwegsicherheit sinnvoll.

Unabdingbar für das schnelle Ausrücken der Feuerwehr ist dagegen vermutlich die Umsetzung dieser Vorschläge: Ausrüstung der Engstelle Schließerstraße mit Blinklicht und Beschilderung, um für die Feuerwehrfahrzeuge die ungehinderte Durchfahrt in Richtung Schlossallee zu sichern. 

Eine geringe bauliche Aufweitung der Brauhofstraße vor der Einmündung Schließerstraße, um die Sicht zu verbessern und ein Aneinandervorbeifahren zu ermöglichen. Und das Öffnen der vorhandenen Durchfahrt am Roßmarkt für die Einsatzfahrzeuge. 

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