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"Mein Hund soll mich beerben"

Bernd Engelmann, Ex-Wirt der Gemauerten Mühle in der Georgewitzer Skala, will Grundstück und Habe Riesenschnauzer Anna vermachen. Geht das?

Bernd Engelmann und seine Riesenschnauzer-Hündin Anna sind ein Traumpaar. Seit 50 Jahren hält er immer wieder Hunde dieser Rasse.
Bernd Engelmann und seine Riesenschnauzer-Hündin Anna sind ein Traumpaar. Seit 50 Jahren hält er immer wieder Hunde dieser Rasse. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Frisch und rüstig fühlt sich Bernd Engelmann mit seinen 70 Lenzen durchaus noch. "Aber man kommt eben in ein Alter, wo man sich schon mal Gedanken um seinen Nachlass machen muss", sagt er. Seine geliebte Gattin Elfriede ist vor einigen Jahren gestorben, eigene Kinder hat Engelmann nicht - aber er hat Anna. Anna begleitet ihn auf Schritt und Tritt, schläft bei ihm im Haus, hat eine wunderbar dunkle Lockenpracht und nur die "allerbesten Eigenschaften", schwärmt Engelmann. Die Riesenschnauzer-Hündin lebt seit drei Jahren bei ihm. Im zarten Welpenalter hat er sie bei einem Züchter im tschechischen Ostrava gekauft. Und wenn es nach Engelmann geht, soll ihr sein Besitz zufallen: "Mein Hund soll mich beerben", sagt er.

Von dieser Idee hat er bereits einer deutschen Boulevardzeitung berichtet, was große Schlagzeilen brachte - auch wenn es zugegebenermaßen erst einmal nur ein Gedanke ist. Doch den findet er nach wie vor "sehr charmant". "Mein Grundstück - immerhin mehr als einen Hektar groß - soll nicht dem Staat in die Hände fallen und da ist mein Hund meine erste Wahl", sagt er. Anna sei "überdurchschnittlich intelligent, vom Wesen praktisch einmalig, kinderlieb, bürgerfreundlich, aufmerksam" und sie kann zu alledem noch Gut von Böse unterscheiden. "Mein Grundstück ist ja videoüberwacht", sagt Engelmann und erklärt dann ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten: "Wenn Anna auf dem Überwachungs-Bildschirm sieht, dass jemand kommt, rennt sie sofort genau dorthin, von wo sich die Person nähert und gibt Laut." Und wenn der Besucher dann was Unredliches im Schilde führe, dann knurre die Hündin. Mindestens.

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Bei all den noblen Eigenschaften, die Engelmann nicht nur auf die Rasse an sich, sondern auch auf seine liebevolle Erziehung zurückführt, weiß er freilich, dass die Hündin, so sie ihn überlebt, kaum klar mitteilen kann, was mit seinem Besitz dereinst geschehen soll. "Ich denke da an ein Modell mit einem Treuhänder", sagt er. Ganz so genau ausgearbeitet hat er dies freilich noch nicht - noch sei er ja "im besten Alter", erklärt er beim SZ-Gespräch vor seiner Mühle unterm Sonnenschirm.

Das sagt ein Anwalt zu den Plänen:

Die Mühe kann sich der Gastwirt im Ruhestand ohnehin sparen, sagt Anwalt Tilmann Schwenke von der Löbauer Kanzlei Nikol & Schwenke, die auch auf Erbrecht spezialisiert ist. "Tiere sind keine juristischen Personen sondern Sachen und können damit nicht erben", erklärt er. Man könne einem Hund daher weder seinen Besitz noch einen Teil des Besitzes vermachen. "Das geht vielleicht in den USA, hier aber nicht", meint Schwenke, der Engelmann auch persönlich kennt. Um das Wohl des Hundes zu sichern, könnte der frühere Skala-Wirt vielleicht seinen Besitz dem Tierheim vererben und an die Bedingung knüpfen, für den Hund zu sorgen. Er könnte seinen Besitz auch in eine Stiftung überführen oder seinem Napoleon-Verein vermachen.

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Die Idee mit der Stiftung findet übrigens auch Engelmann durchaus interessant. Entscheiden will er sich aber noch nicht, er hat mit seiner Anna momentan Wichtigeres vor und dabei geht es gewissermaßen auch um eine Erbschaft: Anna soll nämlich erst mal Mutter werden und all ihre guten Eigenschaften an den Nachwuchs weitergeben. Einen Vater haben die beiden schon im Visier: "Einen ganz netten Riesenschnauzer-Rüden aus Dolgowitz", sagt er. Freilich "kann man die Verbindung der Hunde nicht mit Zwang erwirken - die beiden müssen das auch wollen", sagt Engelmann fachmännisch. Das sei eben ein bisschen wie bei den Menschen. Sollte es klappen, wäre viel für die in der Oberlausitz eher seltene Rasse getan, ist er sich sicher. Auch eine Art Vermächtnis.

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