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Englisch für Junggebliebene

Mit 75 Jahren gibt Adolf Klinger noch einen Sprachkurs für Senioren. Auch die SZ spielt dabei eine Rolle.

Von Patrick Richter

Ein Kursteilnehmer nach dem anderen kommt am Mittwochmorgen in den Raum 4 der Volkshochschule in Löbau. Ab jetzt gilt nur noch Englisch: „Good Morning“ begrüßen sich alle untereinander. Jeden Mittwoch trifft sich Lehrer Adolf Klinger hier mit seinen insgesamt elf Schülern und gibt Englisch-Unterricht. Dabei unterrichtet er aber keine Kinder oder Jugendliche, sondern Senioren. Dass das keine trockene Lernübung ist, dafür sorgen Lehrer und Schüler gleichermaßen.

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Die gute Laune ist den Kursteilnehmern anzusehen. Sie freuen sich auf die Englisch-Stunden miteinander. Alle kennen sich mittlerweile sehr gut, denn seit fast neun Jahren lernen die meisten schon gemeinsam die Sprache. Für Lehrer Adolf Klinger ist es genauso eine Freude. Vergangene Woche ist der Sprachlehrer 75 Jahre alt geworden.„Es macht mir einfach Spaß, den Kurs hier zu geben“, sagt er. Dabei könnte er, der schon seit fast 50 Jahren als Lehrer tätig ist, den Beruf an den Nagel hängen und seinen Ruhestand genießen. Die Motivation sind dabei seine Schüler. „Es ist schön zu sehen, welche Fortschritte jeder Einzelne macht“, sagt er. Damals, im Jahr 1967, hat er als Lehrer begonnen. Am Anfang unterrichtete er Polizisten, welche die zehnte Klasse nachholen mussten.

Besonders streng war der studierte Lehrer, der neben englisch auch russisch und ein wenig tschechisch spricht, wohl nie. Sein Motto beim Sprachunterricht ist „learning, speaking, laughing“, sagt er. Also lernen, sprechen und lachen. Eine leere Phrase ist das nicht, denn genau das zeigen auch die Kursteilnehmer. Alle beherrschen die englische Sprache bereits sehr gut und haben Spaß daran, was sich an der guten Stimmung zeigt. Mittlerweile ist vor allem das Sprechen wichtig: Die Teilnehmer unterhalten sich sehr viel und machen Scherze. „Wir üben eigentlich nur noch die Konversation untereinander“, sagt Klinger. Diesen Mittwoch gab einer der Schüler nachträglich sein Geburtstagsfrühstück. Er hat deswegen aber nicht nur Kuchen mitgebracht, sondern soll auch berichten, wo er gefeiert hat und was seine liebsten Geschenke sind – alles natürlich in Englisch. Der gesamte Kurs hört aufmerksam zu. „Letzte Woche war ich an der Reihe“, sagt Adolf Klinger. Nach seinem 75. Geburtstag stand auch er dem Kurs Rede und Antwort.

Eine aktive Rolle in den Kursen spielt auch die Sächsische Zeitung. Herr Klinger wählt dazu immer aktuelle Artikel, über deren Inhalt sich die Senioren dann auf Englisch unterhalten. Am Mittwoch ging es da zum Beispiel um das Spiel der Deutschen Nationalmannschaft bei der Handball-EM am Abend, das diskutiert wurde.

Die Gründe der Schüler, warum sie Englisch lernen, sind verschieden. Manche reisen gern durch viele verschiedene Länder, wo sie die Sprache brauchen. Auch im Urlaub gibt es immer eine Aufgabe für die Sprachschüler: eine Postkarte schicken. „Alle berichten natürlich auf Englisch, wie der Urlaub ist“, sagt Adolf Klinger und zeigt die Urlaubs-Post. Um den ganzen Erdball sind sie schon gereist: Hawaii, Paris, Kanada. Auch in Polen sprechen die Menschen mittlerweile ein sehr gutes Englisch, wie Klinger meint, was die Sprache auch im Nachbarland wichtig macht.

Das Reisen ist aber nicht die einzige Motivation, die Sprache im höheren Alter zu lernen, wie die Schüler sagen. Einige haben auch Verwandtschaft im Ausland. Vor allem ist es für viele aber auch das Lernen an sich, wie sie betonen. „Es hält jung und den Kopf aktiv, wenn man Neues dazulernt“, sagt einer der Teilnehmer. Ein anderer sieht auch sein Selbstbewusstsein mit den Sprachkenntnissen gestärkt. Es sei sowieso nie zu spät, eine neue Sprache zu lernen.

Ein großes Lob gibt es von den Englisch-Schülern auch für ihren Lehrer: „Wenn es mit ihm nicht so viel Spaß machen würde, wären sicher viele von uns nicht hier“, sagt eine Kursteilnehmerin.