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Riesa

Reichen am Montag die Erzieherinnen?

Die Meinungen gehen in den Kitas weit auseinander. Die einen sind zuversichtlich, die anderen machen sich Sorgen.

Lea, Zoe und Emely freuen sich sicherlich schon darauf, am Montag ihre Erzieherin Katja Menzel wiederzusehen und mit ihr zu spielen.
Lea, Zoe und Emely freuen sich sicherlich schon darauf, am Montag ihre Erzieherin Katja Menzel wiederzusehen und mit ihr zu spielen. © Sebastian Schultz (Archiv)

Landkreis. Wenn am kommenden Montag die Krippen, Kindergärten und Horte wieder für alle Kinder zugänglich sind, könnte es zu Engpässen beim Personal kommen. Das glaubt zumindest die Gewerkschaft Verdi. „Eine bereits vor der Pandemie angespannte personelle Situation in vielen Einrichtungen wird mit dem notwendigen Schutz der älteren Kolleginnen durch deren Einstufung in eine Risikogruppe noch verschärft", sagt Detlef Heuke, der Verdi-Fachbereichsleiter für den Sozial- und Erziehungsdienst. 

Dadurch sei in vielen Kindereinrichtungen die Stammbelegschaft geschrumpft und es würden die erfahrenen Erzieherinnen fehlen. "Es wird demzufolge eine kaum lösbare Herausforderung, mit dem noch verbleibenden Beschäftigten den Anspruch auf konstante, kleine und getrennte Gruppen aufrechtzuerhalten“, ist der Gewerkschafter überzeugt. 

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Schönfelder Erzieherinnen halten zusammen

Davon ist auch Jana Hoyer, die Leiterin der Kita "Sonnenschein" in Schönfeld, überzeugt. "Wir sind definitiv zu wenig", sagt sie. Allein, um die Kinder morgens entgegenzunehmen, braucht sie ein bis zwei Leute. Normalerweise gibt es hier zehn Erzieherinnen. Doch eine ist im Schwangerschaftsschutz und drei gehören eigentlich wegen ihres Alters zur Risikogruppe. Die älteren Kolleginnen hätten sich bereit erklärt, trotzdem am Montag zu kommen. 

Sie rät den Eltern, in den ersten Tagen viel Zeit mitzubringen. Es werde nicht nur Warteschlangen, sondern sicherlich auch ganz viel Tränen geben. "Wir müssen die Vorgaben umsetzen und die Kinder müssen es ertragen", sagt Jana Hoyer. Die Mädchen und Jungen in Schönfeld treffen die Umstellungen im Kita-Alltag härter als in den meisten anderen Kindereinrichtungen. Denn in der Kita "Sonnenschein" wird mit dem sogenannten "offenen Konzept" gearbeitet. Hier können die Kinder sich frei  bewegen und ihren Interessen nachgehen. Feste Gruppen, die wie beim "geschlossenen Konzept" nach dem Alter aufgeteilt sind, gibt es normalerweise nicht. 

Doch das wird ab Montag anders sein. Darin sieht Jana Hoyer die größte Schwierigkeit. "Die Kinder kennen es ja nicht anders. Man nimmt ihnen ganz viel Freiheiten", sagt die Kita-Leiterin und ergänzt: "Ich bin froh, dass ich ein engagiertes Team hinter mir habe."  

Auf dem Gelände der Kita "Sonnenschein" in Schönfeld stellen Leiterin Jana Hoyer (links) und ihre Stellvertreterin Anne Hansel Schneezäune auf, die die Kindergruppen auseinanderhalten sollen.
Auf dem Gelände der Kita "Sonnenschein" in Schönfeld stellen Leiterin Jana Hoyer (links) und ihre Stellvertreterin Anne Hansel Schneezäune auf, die die Kindergruppen auseinanderhalten sollen. © Kristin Richter

In anderen Kommunen und Trägervereinen sieht man, was die Anzahl der Erzieherinnen betrifft, den Herausforderungen der kommenden Wochen und Monate anscheinend entspannt entgegen. Auch im Riesaer Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes. "Wir haben keine personellen Probleme in unseren Kindereinrichtungen", heißt es aus der Geschäftsleitung. Es gebe genügend Erzieher und Erzieherinnen, wenn ab Montag die meisten Mädchen und Jungen in die drei hiesigen Kitas und den Hort an der 3. Grundschule im Stadtteil Riesa-Weida zurückkehren.

"Atmendes System" in Zeithain

Auch Zeithains Bürgermeister Ralf Hänsel (parteilos) ist optimistisch, dass die Anzahl der Erzieherinnen trotz der strengen Vorgaben aus dem sächsischen Kultusministerium ausreichen wird. "Wir erwarten schon einen Mehraufwand", sagt er, "aber wir brauchen deshalb nicht mehr Personal." 

Möglich machen das die flexiblen Arbeitsverträge nach dem Schema "30 Stunden + x". Danach arbeite jede Erzieherin mindestens 30 Stunden pro Woche, ohne aber die vollen 40 Stunden auszuschöpfen. Dadurch gebe es personelle Reserven, die die Kitas in Zeithain, Röderau und Kreinitz sowie der Hort in Zeithain bei Bedarf nutzen können. Hänsel sagt: "Das ist ein atmendes System, das sich vorher schon bewährt hat." Zum Beispiel bei Integrativkindern, die mehr Betreuung benötigen, deren Zahl allerdings schwankt.

Ein Herausforderung für die Kitas

Ganz so entspannt wie sein Kollege aus Zeithain ist der Nünchritzer Bürgermeister Gerd Barthold (CDU) nicht. "Es fehlen schon ein paar Erzieherinnen", sagt er, "aber trotzdem werden wir die Kitas am Montag öffnen." Am Dienstag saß er mit den Leitern der Kindertagesstätten in Nünchritz, Merschwitz und Glaubitz - letztere gehört zur Verwaltungsgemeinschaft - zusammen, um über die Umsetzung des Hygieneplanes zu sprechen. "Das ist schon eine Herausforderung, zumal jede Kita anders ist", so Barthold. 

Die Kitas in Nünchritz und Glaubitz haben es da vermeintlich leichter. Sie arbeiten nach dem geschlossenen Konzept. Anders sieht es da in Merschwitz aus. Die Kita "Aquarellius" arbeitet, wie die Kita Schönfeld oder das Trinitatiskinderhaus in Riesa,  nach dem "offenen Konzept". Erst Anfang 2019 wurde die Merschwitzer Kita dafür als eine der besten Kindereinrichtungen Deutschlands ausgezeichnet. Doch auch hier wird dieses offene Konzept vorerst nicht möglich sein.

Die strikte Trennung der einzelnen Gruppen ist das größte Problem. Vor allem wenn die Kinder zum Spielen und Toben nach draußen auf die Kita-Spielplätze gehen. "Man kann ja dort keinen Bauzaun hinstellen", sagt der Bürgermeister. Er hat zusammen mit den Kitas einige Verhaltensregeln aufgestellt, die bis Wochenende den Eltern mitgeteilt werden. "Damit müssen wir eine Weile klarkommen", so Barthold. Er geht davon aus, dass es mindestens bis Weihnachten sein wird. 

Verdi: "Freistaat lässt Kommunen allein"

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) hatte die Öffnung der Kindertagesstätten ab dem 18. Mai verkündet. Basis dieser Entscheidung ist die Annahme, dass Kinder eine geringere Rolle in der Corona-Pandemie spielen. 

"Ob sich diese gewagte Hypothese bestätigt, wird sich zeigen", heißt es in einer Pressemitteilung von Verdi. Zudem lasse es die finanzielle Situation der Kommunen und Träger oft nicht zu, Hygieneartikel und Sicherheitskleidung in ausreichender Menge zu kaufen und die Erzieherinnen damit auszustatten. Gewerkschafter Heuke kritisiert weiter: "Die räumlichen Gegebenheiten in vielen Kitas ermöglichen oftmals keine Trennung der Gruppen.“ Diese ist aber eine der Hauptforderungen der Landesregierung.

"Die Verantwortung liegt bei den Kommunen und den Trägern. Sie werden mit den Problemen der Öffnung allein gelassen", so Heuke. "Mit den Gefährdungen müssen die Erzieherinnen klarkommen." Der Freistaat dagegen lasse sich ob seines Engagements von den Eltern feiern und sonne sich im bundesweiten Überbietungsreigen der Öffnungen. 

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.

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