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Engpass in Neukirchs Oberschule

Von zwei sanierten Werkkabinetten steht eins leer – weil die Möbel fehlen.

© Steffen Unger

Von Ingolf Reinsch

Neukirch. Theorie statt sägen, löten, bohren und feilen: Die Fachlehrer fürs Werken bzw. Wirtschaft, Technik, Hauswirtschaft (WTH) an der Oberschule „Am Valtenberg“ in Neukirch müssen seit Schuljahresbeginn erfinderisch sein. Denn nur eins der beiden Werkkabinette im sanierten Kellergeschoss ist eingerichtet. Fürs andere Kabinett fehlen noch die Möbel.

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An der Gemeinde als Schulträger liegt es nicht, dass es nun schon seit mehreren Wochen dieses Problem gibt. Sie schuf zum einen bis zum Schuljahresbeginn alle baulichen Voraussetzungen. Zum anderen schrieb sie für einen Raum den Kauf neuer Möbel rechtzeitig aus. Doch zwei Ausschreibungen liefen ins Leere, sagt Bürgermeister Jens Zeiler (CDU). Auf die erste Ausschreibung hin gab es kein einziges Angebot. Die zweite Ausschreibung hob die Gemeinde auf. Grund: Der Preis war aus ihrer Sicht viel zu hoch. Über Gründe, warum die Möbelindustrie nicht zum angemessenen Preis liefern kann, wolle er nicht spekulieren, sagt der Bürgermeister.

Vor allem die Schüler der fünften und sechsten Klassen nutzen das vorhandene Werkkabinett. Hier werden – planmäßig – noch jene Möbel genutzt, die es schon vor dem Sanierungsbeginn in der Oberschule gab. Doch natürlich wurde auch dieser Raum modernisiert. Die Elektrik ist neu, von der Decke strahlt helles LED-Licht, und es gibt Industrieparkett, geräuschdämmend und wärmend. Auf gleichem Niveau wurde das benachbarte Kabinett im Zuge der Schulsanierung ausgestattet.

Für die Klassenstufen sieben bis neun, die in Wirtschaft, Technik, Hauswirtschaft unterrichtet werden, wird schulintern im Lehrplan umgeschichtet. „Wir konzentrieren uns jetzt zunächst auf den theoretischen Unterricht und die Hauswirtschaft. Die technischen Ausbildungsinhalte wie Holzbearbeitung und Löten, für die wir das Werkkabinett brauchen, werden im Laufe des Schuljahres nachgeholt“, sagt Schulleiter Michael Hubrich. Fachlehrer und Schulleitung reagieren flexibel. Abstriche am Lehrplan soll es nicht geben. Es fällt aufgrund der Lieferprobleme kein Unterricht aus, versichert der Schulleiter.

Die Siebtklässler haben zwei Stunden in der Woche WTH, bei den Schülern der achten und neunten Klassen sind es drei. Bürgermeister Jens Zeiler stellt in Aussicht, dass sich die Lage noch in diesem Jahr entspannen könnte. Die Gemeinde hat die Werkraummöbel ein drittes Mal ausgeschrieben. Im Oktober soll Submission sein und der Auftrag für neue Werkraummöbel endlich vergeben werden.

Auch die Einrichtung der neuen Unterrichtsküche fürs Fach WTH kam mehrere Wochen verspätet. Grund: Das Werk konnte nicht fristgemäß liefern. Die Lehrer behalfen sich. Etwa, indem sie mit den Schülern ins Jugendhaus kochen gingen. Doch nun stehen die neuen Möbel, sind Herd und andere Geräte angeschlossen. „Gleich nach den Herbstferien werden wir die Unterrichtsküche das erste Mal nutzen“, sagt Michael Hubrich.

Die Sanierung der Oberschule ist zurzeit die größte Baustelle der Gemeinde Neukirch. Im Kellergeschoss sind die Arbeiten abgeschlossen. Einzelne Fachkabinette, Vorbereitungsräume für die Lehrer und die Toiletten im Erd- und ersten Obergeschoss wurden ebenfalls bereits modernisiert. In den anderen Räumen auf diesen beiden Etagen wurden die Medienleitungen erneuert. Jetzt werden die Räume abschnittsweise saniert. Unberücksichtigt bleibt dagegen das zweite Obergeschoss, obwohl die Räume auch dort für den Unterricht gebraucht werden. Nicht jeder in Neukirch hat dafür Verständnis. „Baulich und wirtschaftlich hätte es doch Sinn, das Haus als Ganzes zu sanieren“, heißt es.

Das Problem liegt im Schulnetzplan des Landkreises und der Förderpolitik zum Schulhausbau in Sachsen begründet. Der Schulnetzplan sieht Neukirch als einzügige Oberschule vor. Entsprechend gibt der Freistaat auch nur einen begrenzten Zuschuss für eine einzügige Schule.

Die Gemeinde nutzt diese Chance, um ihre Oberschule überhaupt sanieren zu können. Ein Vorhaben, das mehrere Millionen Euro kostet. Das Ziel, auch das oberste Stockwerk zu sanieren, habe man nicht aus den Augen verloren, versichert Jens Zeiler. „Wir sind im Moment im ersten Bauabschnitt. Ein zweiter Bauabschnitt in der Schule soll folgen und schließlich als dritter noch die Sanierung der Schulsporthalle“, sagt der Bürgermeister.

„Wir arbeiten an einer gesicherten Zweizügigkeit“, ergänzt Schulleiter Michael Hubrich. In den Jahrgangsstufen fünf, sechs und zehn gibt es in diesem Schuljahr jeweils zwei Klassen; die anderen Jahrgänge sind mit jeweils einer Klasse besetzt. Zurzeit lernen 226 Schüler an der Oberschule Neukirch.