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Entdeckertipps für Stammgäste

Das Nationalparkzentrum in Bad Schandau eröffnet einen neuen Ausstellungsbereich. Der wirbt für die andere Elbseite.

© Norbert Millauer

Von Gunnar Klehm

Bad Schandau. Je schlechter das Wetter, desto mehr Besucher im Nationalparkzentrum. Diesen Zusammenhang können die Mitarbeiter im Haus an der Dresdner Straße 2 b in Bad Schandau alle bestätigen. Außer jetzt, trotz Matschwetter. Jasmin Ballmann ist die Einzige, die zum SZ-Termin auf den Bänken in der Zwischenetage Platz genommen hat. Das hat seinen Grund. Denn das Nationalparkzentrum hat im Januar Schließzeit, zum Reinigen der Exponate und für kleinere Umbauten. Da hilft Jasmin Ballmann mit. Sie leistet im Nationalparkzentrum ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ).

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Umgebaut wurde in diesem Jahr der frühere Wohnbereich. Die 1:1-Fassadenmodelle bleiben zwar bestehen, doch drumherum ändert sich einiges. Der größte Blickfang ist dabei das riesige Panoramabild. Wetterunabhängig können die Besucher so die Schönheit der Natur genießen. So weit das Auge reicht, sieht man die Landschaft des Nationalparks Sächsische Schweiz ohne jegliche Siedlung. Nur mit geübtem Blick kann man den Turm auf dem Großen Winterberg entdecken. Ist das Foto nachbearbeitet? „Keineswegs“, sagt Stefanie Engelbrecht, die für die Öffentlichkeitsarbeit im Nationalparkzentrum zuständig ist. Das Foto ist von der Straße zwischen Lichtenhain und Mittelndorf aufgenommen. Warum der Wanderweg daneben Panoramaweg heißt, ist jedem Betrachter des Fotos völlig klar.

Der Blick in die Landschaft ist Entspannung fürs Auge und passt genau ins neue Konzept. Die Etage beherbergt in Zukunft Exponate zum Thema Erholung. Wer sich in diesem Ruhebereich auf den Bänken niederlässt, kann sich dann entspannt die neuen Entdeckertipps für die Sächsische Schweiz durchlesen. Monatelang hat Mitarbeiterin Jana Eckardt daran recherchiert.

Urlauber wollen nicht gelenkt werden

30 verschiedene Ziele werden vorgestellt. Bis zum Sommer soll der Umfang auf 50 erweitert werden. In der Auflistung werden Besucher allerdings die Bastei oder die Festung Königstein vergeblich suchen. „Wir haben bewusst auf die meistbesuchten Orte verzichtet“, sagt Stefanie Engelbrecht. Man wolle stattdessen die Besucher auf die weniger bekannten, aber trotzdem interessanten Ziele aufmerksam machen. Im Vordergrund soll dabei auch die linkselbische Seite stehen. Das dortige Landschaftsschutzgebiet ist im Allgemeinen weniger frequentiert als der rechtselbische Nationalpark. Die Festung Königstein ausgenommen.

Von einer Besucherlenkung wolle man aber nicht sprechen. „Besucher wollen nicht gelenkt werden“, sagt Engelbrecht. Die Tipps seien auch nicht für die Kurzurlauber gedacht, die in 24 Stunden gar nicht mehr schaffen als Festung, Bastei oder Kirnitzschtalbahn. Das Nationalparkzentrum habe die Entdeckertipps eher für Stammgäste erarbeitet oder Urlauber, die etwas mehr Zeit mitbringen. Zu den jetzt schon fertigen 30 Tipps gehören etwa die Landmaschinenschau in Goßdorf, eine Grenzsteinsammlung im Bielatal, der Sonnenuhrenweg in Krippen, das Sendig-Haus in Ostrau oder die Kastanienallee in Lohmen. Auf spektakuläre Basaltbrüche wird hingewiesen, Umgebindehäuser und frühere Windmühlen.

Auf den zu Bänken umfunktionierten früheren Möbeln sind Schlagworte auf Deutsch und Tschechisch geschrieben. „Die sollen zum Nachdenken anregen“, sagt Stefanie Engelbrecht. So ist zu lesen: „Vor 90 Millionen Jahren war hier ein Meer“, „Im Internationalpark entscheiden beide Seiten über viele Maßnahmen“ oder „Jährlich kommen vier Millionen Besucher“. Letztere sollen auch für die andere Elbseite geworben werden. An Schwerpunkt-Wochenenden sei der Besucherverkehr an manchen Hotspots grenzwertig. „Wenn der Besucherstrom so groß wird, dass sich die Besucher gegenseitig stören, dann leidet das Erlebnis und die Erholung“, sagt Stefanie Engelbrecht.