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Entdeckungen aus vier Jahrtausenden

Das Erzgebirge hat eine reiche Geschichte. Forscher fördern immer wieder überraschende Neuigkeiten zutage.

Dieser kleine Abhang mit dem Graben im Wald zwischen Schellerhau und Altenberg ist der Rest von Zinngewinnung in der Bronzezeit. Schon vor 4.000 Jahren haben Bergleute das Metall abgebaut.
Dieser kleine Abhang mit dem Graben im Wald zwischen Schellerhau und Altenberg ist der Rest von Zinngewinnung in der Bronzezeit. Schon vor 4.000 Jahren haben Bergleute das Metall abgebaut. © Egbert Kamprath

Das Osterzgebirge mit seiner reichen Geschichte ermöglicht immer wieder überraschende Entdeckungen. So können Archäologen nachweisen, dass bereits in der Bronzezeit Bergleute in der Region unterhalb des Kahlebergs Zinn abgebaut haben. Der Bergbau in der Region ist also mindestens 4.000 Jahre alt. 

Eigentlich waren die Archäologen auf der Suche nach mittelalterlichem Bergbau und haben durch die Auswertung von Laseraufnahmen aus der Luft die Bergwerke zwischen Schellerhau und Altenberg entdeckt. Genaue Untersuchungen zeigten, dass diese viel älter sind als der mittelalterliche Bergbau. Hier ist weiterhin noch viel Forschungsarbeit zu erledigen. Das Jahr 2019 hat aber noch viele weitere Entdeckungen gebracht.

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© Foto: Landesamt für Archäologie Sachsen

Eine Erzmühle

Schon in früheren Jahren haben die Archäologen im Rahmen des EU-Forschungsprojekts Archaeomontan Spuren eines alten Bergbaudorfs auf der Höhe zwischen dem Pöbelbach und der Wilden Weißeritz gefunden. Im letzten Jahr haben die Archäologen hier zwei größere Fragmente von Erzmahlsteinen geborgen. Einer fand sich direkt im Pöbelbach, ein zweiter wurde auf dem Höhenrücken direkt innerhalb der Bergbausiedlung entdeckt. Das Feinmahlen der geförderten Erze in einer Erzmühle erfolgte demnach wohl nicht nur im Pöbelbachtal, sondern ebenso innerhalb der Bergbausiedlung. „Der Fund auf dem Höhenrücken ist etwas überraschend, da es hier kein Wasser zum Betreiben einer Mühle gibt. Denkbar ist jedoch, dass der dort gefundene Erzmahlstein, auch aufgrund seiner etwas kleineren Größe, mit der Hand betrieben wurde“, teilt Christiane Hemker vom Archäologischen Landesamt mit.

© Foto: Andree Forßbohm, LfA

Der Silbergroschen


Einen überraschenden Fund machte im Oktober ein lizenzierter Hobbyarchäologe auf einem Acker bei Dippoldiswalde. Er entdeckte einen Prager Groschen, der aus 3,6 Gramm Silber besteht. Er stammt aus der Zeit kurz nach 1300, wie das archäologische Landesamt informierte. Kreiswanderwegewart Gunter Fichte vermutet dabei einen Zusammenhang mit der damaligen Grenze zwischen Böhmen und dem Meißner Land. Die verlief bis 1459 zeitweilig durch das Tal der Wilden Weißeritz und der Vereinigten Weißeritz, wie Fichte informierte.

© Egbert Kamprath

Ein Eisenbergwerk

Nicht jede Entdeckung löst Freude aus. So fanden die Straßenbauer bei der Erneuerung der Kreisstraße durch Johnsbach einen alten Schacht. Er ist historisch interessant, behinderte aber erst einmal den Fortgang der Bauarbeiten. Bei dem Schacht handelte es sich um ein Eisenbergwerk. Hier haben Bergleute im 16. Jahrhundert sogenanntes Roteisenerz gefunden. Das wurde in Johnsbach in mehreren Bergwerken abgebaut und ins nahegelegene Schmiedeberg transportiert, wo das Erz verhüttet und daraus Eisen gewonnen wurde. Als die Vorräte aufgebraucht waren, wurde der Bergbau eingestellt und die Stollen verfüllt. Der Schacht unter der Kreisstraße in Johnsbach ist vermutlich 1882 oberflächlich zugeschüttet worden, bis er voriges Jahr wieder entdeckt wurde. Die Archäologen haben ihn untersucht. Matthias Schubert  zeigt eine Holzscheibe, die dort gefunden wurde. Inzwischen ist der Schacht komplett verfüllt und der Straßenbau auf diesem Abschnitt ist auch abgeschlossen.

© Heide Hönig, LfA

Sicherheit im Stollen

Tief unterhalb von Dippoldiswalde haben sich hölzerne Sicherungen in alten Bergbaustollen erhalten. Derzeit wird der Untergrund der Stadt im Bereich Brauhofstraße erkundet und schließlich verwahrt. Dabei sind die Bergleute in 20 Meter Tiefe auf einen sogenannten Firstverzug gestoßen, den die Archäologen dann dokumentiert haben. „Bei diesem Firstverzug handelt es sich um einen hölzernen Sicherungsausbau im Bereich eines Stollens“, erklärt Christiane Hemker vom Landesamt für Archäologie. Untersuchungen der Hölzer ergaben, dass diese bereits am Anfang des 13. Jahrhunderts geschlagen und unter Tage verbaut wurden. Da die Stollen der Wasserhaltung dienten, zeigt dies, dass sich im Dippoldiswalder Bergbau die einzelnen Grubenbesitzer wahrscheinlich schon sehr früh gemeinsam um die Abführung des Grubenwassers kümmerten.

© Egbert Kamprath

Hier stand einst der Galgen

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Alte Chroniken berichteten von dem Galgen in Lauenstein. Über die Jahrhunderte war aber in Vergessenheit geraten, wo dieser einst stand. Nun haben die Forscher Mario Sempf und Marita Genesis den Standort wiedergefunden und im vergangenen Sommer mit einer Gruppe von Studierenden erkundet. Unten befand sich ein Mauerring, ungefähr mannshoch, darauf saßen drei Balken, die miteinander verbunden waren. Von der Holzkonstruktion ist nichts mehr übrig. Auch die steinerne Mauer ist weitgehend eingestürzt. Teilweise haben auch die Leute der Umgebung von dort Steine als Baumaterial geholt. Die Fachleute konnten den Galgen dennoch exakt dokumentieren. Der Lauensteiner Galgen war ein eindrucksvolles Zeichen für die Macht der Herren von Bünau, die auf Lauenstein geherrscht haben.

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