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Entlassungen wegen Fußgängerzone in Zittau

Das Café Lust in Zittau entlässt drei Mitarbeiter und Händler klagen über Umsatzeinbußen. Der OB ist gesprächsbereit.

© Bernd Gärtner

Klaus Blencke lässt den Blick durch das „Café Lust“ am Markt schweifen. Es ist Freitag, kurz nach zehn Uhr am Vormittag, und kein Mensch sitzt in seinem Café. Seit die Nordseite des Marktes Ende Oktober zur Fußgängerzone wurde, ist der Umsatz drastisch eingebrochen, erzählt der Bäckermeister. Über 30 Prozent, manchmal noch mehr, fehlten in der Kasse. Deshalb habe er jetzt die Notbremse gezogen und zum Jahresende drei Mitarbeitern des Cafés gekündigt. Die verbleibenden fünf Kollegen müssen die Gäste nun allein versorgen.

Im Austausch mit den benachbarten Geschäftsleuten sei schnell klar geworden, dass auch andere ein Problem mit der neuen Verkehrsführung in der Innenstadt haben, sagt Blencke. In einem Brandbrief hat sich der 47-Jährige deshalb an den Oberbürgermeister und alle Stadträte gewandt. Der Brief ist von 14 Firmeninhabern unterzeichnet und berichtet von „einem besorgniserregendem Rückgang der Kundenfrequenz“. Zu den Unterzeichnern gehören neben neun Einzelhändlern, die Bäckerei Kolbe, die Fleischerei Schüttig, die „Stadtapotheke“ und die „Johannisapotheke“ sowie der Filmpalast. Die Geschäftsleute beklagen den „lähmenden Stillstand bei der Diskussion um die Erreichbarkeit des Stadtzentrums“ und sehen sich selbst als Teil eines fortwährenden Experiments. „Schildern Sie ihre Visionen zur künftigen Nutzung des Marktplatzes“, heißt es weiter im Brief.

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„Die Stadt hat die Rahmenbedingungen für Handel und Gewerbe zu schaffen“, sagt der Bäckermeister, der 2009 sein Café eröffnete und fügt hinzu: „Unter den heutigen Bedingungen würde ich nicht mehr am Markt investieren“. Gegenüber der SZ beklagen Händler, dass vor allem ältere Menschen aus dem Umland das Stadtzentrum seit der neuen Verkehrsführung meiden. Die im Frühjahr beginnenden Bauarbeiten auf dem Rathausplatz werden die ohnehin angespannte Lage wohl weiter verschärfen. „Wir sollten uns zusammensetzen, um die Dinge neu zu betrachten“, sagt Stadtrat Thomas Krusekopf (parteilos), der als Ladeninhaber die Auswirkungen selbst zu spüren bekommt und den Brief unterzeichnet hat. Kluge Alternativen bei der Verkehrsführung und Ausweichstellplätze während der Bauzeit zu finden, sei jetzt dringender denn je.

Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker (ZKM) fordert hingegen Geduld. Er glaubt, dass die Zittauer etwas Zeit brauchen, um sich an die neue Verkehrsführung zu gewöhnen. Außerdem verweist Zenker auf den bevorstehenden Bürgerentscheid zum Parken auf dem Markt, der nicht mehr zurückzudrehen ginge. Voraussichtlich im März sollen die Zittauer darüber entscheiden, ob der gesamte Platz zur Fußgängerzone wird, also auch das Befahren der Südseite verboten wird. Für viele Geschäftsleute im Stadtzentrum ist das eine Horrorvision.

Auf Anfrage der SZ erklärt der Oberbürgermeister: „Uns ist bewusst, dass die unklare Lage zu Verunsicherungen führt, daher versuchen wir eine klare Rechtslage herzustellen. Dies obliegt jedoch dem Stadtrat“. Was das bedeutet, ist nicht ganz klar, vermutlich spielt der OB auf den bevorstehenden Bürgerentscheid an.

Nichtsdestotrotz versicherte Zenker, dass er sich mit den Verfassern des Briefes und weiteren Anrainern des Marktes noch im Januar zu einem Gespräch treffen werde. Die Werbegemeinschaft werde den Termin koordinieren. Zur Belebung der Innenstadt sagt der OB: „Wir prüfen gerade, auf welchem Weg wir ein Citymanagement für die Innenstadt ermöglichen können. Wir freuen uns über die Unterstützung der IHK, der Werbegemeinschaft und dem Handelsverband,“ so Zenker.

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