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Entlassungswelle im Gesundheitswesen

Arbeitsmarkt. Immer mehr Fachkräfte sindim Landkreis Bautzenohne Beschäftigung.

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Von Heiko Engel

Die Arbeitslosigkeit von Zahntechnikern, Arzthelferinnen und Pflegepersonal im Landkreis Bautzen hat beträchtlich zugenommen. Dies geht aus einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor (siehe Kasten). Kerstin Unrath, Geschäftsführerin der Dental Labor Bautzen GmbH, wundert das nicht. Die Nachfrage nach Zahnersatz sei stark zurückgegangen. Die Laborchefin machte neue Zuzahlungsregeln dafür verantwortlich. „Das ist für die Leute zu teuer.“ Wegen der Auftragsflaute entließ Unrath zwei Mitarbeiter, 19 Angestellte beschäftigt sie noch.

Die Veränderungen im Gesundheitssystem bekommen auch die Arzthelferinnen zu spüren. Der Umsatz in den Praxen sinke, wegen der Praxisgebühr würden weniger ambulante Leistungen in Anspruch genommen, so die Zittauerin Sabine Rothe, Präsidentin des Bundesverbandes der Arzthelferinnen. Mediziner sparten beim Personal, weil es andere Spielräume oft nicht mehr gebe. Nicht allein die Entlassungen nehmen zu. Ihr Verband berät auch verstärkt Mitglieder, die Arbeitszeit- und Gehaltskürzungen akzeptieren sollen. „Die Frauen nehmen das in Kauf, um den Arbeitsplatz zu behalten“, sagt Rothe. Nur: „Ein Großteil arbeitet gleich viel wie vor der Kürzung, aber eben für weniger Geld.“ Rothe fürchtet, dass sich dieser Umgang mit dem Personal auf die Qualität der Leistung auswirken wird.

Pflegekräfte sind im Vergleich mit anderen Berufsgruppen bisher glimpflich davongekommen. Hier stieg die Arbeitslosigkeit zwischen Januar 2004 und Juni 2005 nur um 17 Prozent, verglichen mit 29 Prozent bei den Arzthelferinnen und 340 Prozent bei den Zahntechnikern. „Wir würden gerne mehr Pflegekräfte einstellen, können aber nicht“, sagt Reiner E. Rogowski, Geschäftsführer der Bautzener Oberlausitz-Kliniken. Die Zahl der Schwestern und Pfleger veränderte sich in den vergangenen Jahren nur geringfügig – gleichzeitig wurden aber immer mehr Patienten behandelt. Ein Trend, den Rogowski in der gesamten hiesigen Gesundheitsbranche beobachtet. In Westdeutschland gebe es hingegen die Chance, eine Stelle zu finden.

Johannes Hölzel, Leiter der medizinischen Berufsfachschule am städtischen Klinikum Görlitz, hält die Arbeitslosenstatistik für nur bedingt aussagekräftig. Viele Schwestern seien zwar arbeitslos gemeldet, wollten aber gar nicht mehr in den Beruf zurück. „Unsere Absolventen finden grundsätzlich eine Stelle“, sagt der Medizinpädagoge. Die meisten kämen in Krankenhäusern oder ambulanten Pflegediensten in Ostsachsen unter.