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„Entscheidend ist die erste Stunde nach dem Herzinfarkt“

Chefarzt Dr. Jochen Eberhard spricht beim Gesundheitsforum der SZ über neue Möglichkeiten der Behandlung und das richtige Verhalten im Notfall.

Dr. Eberhard, beim nächsten SZ-Gesundheitsforum stehen Herzkatheteruntersuchungen im Mittelpunkt. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Herzkatheteruntersuchungen sind ein minimalinvasives medizinisches Verfahren. Mit dessen Hilfe untersuchen wir das Herz, um Funktionsstörungen oder Erkrankungen nachzuweisen. Im Fall des akuten Herzinfarkts beginnen wir sofort mit der Therapie. Denn verschlossene Herzkranzgefäße müssen schnell wieder eröffnet werden. Schließlich sorgen sie für die Blutversorgung des Herzmuskels. Es zählt jede Minute. Seit November steht auch im Bautzener Krankenhaus ein Links-Herz-Katheter-Messplatz, so dass wir solche Eingriffe jetzt auch machen können.

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Wie genau funktioniert ein solcher Eingriff bei einem akuten Herzinfarkt?

Wir führen einen feinen flexiblen Draht durch die Herzkranzarterie bis zu der Stelle, an der das Gefäß verschlossen ist. Dann pumpen wir eine Art winzigen und durchsichtigen Ballon auf, der über dem Draht liegt. Der weitet das Gefäß und macht damit Platz für eine Stütze, die ebenfalls über einen Draht ins Herz transportiert wird. Diese Stütze, auch Stent genannt, sorgt dafür, dass das Gefäß nicht wieder zusammenfällt. Sie bleibt im Herzen. Bis zwölf Stunden nach dem Verschluss des Gefäßes kann sich der Herzmuskel wieder erholen.

Das heißt, Sie müssen wirklich ganz schnell reagieren.

Ja, die erste Stunde nach einem Herzinfarkt ist die goldene Stunde. Dann läuft die Stoppuhr los. Leider scheuen sich aber Patienten, bei Schmerzen den Notarzt zu rufen. Sie schieben stattdessen ihre Probleme auf andere Erkrankungen, wie zum Beispiel eine verschleppte Grippe oder Sodbrennen. So geht kostbare Zeit verloren.

Woran erkenne ich als Betroffener,
dass mit meinem Herzen irgendetwas nicht stimmt?

Ein Symptom ist ein Engegefühl in der Brust, verbunden mit Angstgefühlen und Unruhe. Leider gilt diese Schmerzsymptomatik nicht für alle. Manche Patienten haben Oberbauchbeschwerden, bei anderen strahlt der Schmerz in den Unterkiefer aus. Und bei 20 Prozent aller Patienten tritt der Herzinfarkt sogar stumm auf. Ein gutes Indiz ist: Wenn Brustschmerzen länger als 20 Minuten anhalten, sollte man an einen Herzinfarkt denken.

Was muss der Patient dann tun?

Rufen Sie unbedingt den Notarzt, egal wie spät es ist. Er wird noch bei Ihnen zu Hause ein EKG schreiben. Diese Daten überträgt er ins Krankenhaus. Gleichzeitig macht sich unsere Mannschaft am Links-Herz-Katheter-Messplatz bereit, so dass der Patient innerhalb von 60 bis 90 Minuten behandelt werden kann. Früher verlegten wir diese Betroffenen noch nach Dresden und verloren kostbare Zeit. Jetzt gibt es an unserer Klinik dafür drei sehr gut ausgebildete Kollegen. Wir sind 24 Stunden an sieben Tage der Woche für die Patienten da, so auch in der Neujahrsnacht um 0.10 Uhr.

Wie viele Eingriffe gab es mit dieser neuen Methode bisher?

Knapp 300 Patienten haben wir in den vergangenen vier Monaten am Links-Herz-Katheter-Messplatz behandelt. Dabei sind natürlich nicht nur akute Herzinfarkte. Kardiologen oder Hausärzte überweisen uns Patienten mit den Beschwerdesymptomatiken einer Herzerkrankung. Aber: Durch die neue Methode der Herzkatheteruntersuchung ist die Infarktsterblichkeit in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Helfen kann sie jedoch nur dem Patienten, der sich rechtzeitig in ärztliche Behandlung begibt.

Wie geht es für den Patienten nach einem solchen Eingriff weiter?

Zuerst kommt er fünf bis sechs Tage auf die Intensivstation, danach raten wir zu einer Reha-Kur. Denn der Herzpatient muss seinen Lebensstil komplett überdenken. Er muss mit dem Rauchen aufhören, Stress abhauen, sein Essen auf mediterrane Kost mit viel Fisch, Olivenöl und Gemüse umstellen und das Körpergewicht auf ein normales Maß bringen. Ein Herzinfarkt krempelt das gesamte Leben um und bringt eine lebenslange Therapie mit sich.

Gespräch: Miriam Schönbach

SZ-Gesundheitsforum „Herzkatheteruntersuchungen“, 24. April, 19 Uhr, im Hotel Best Western Bautzen

Karten zum Preis von 3,50 Euro (mit SZ-Card 2,50 Euro) gibt es ab sofort im SZ-Treffpunkt Bautzen, Lauengraben 18, 03591 49505020. An der Abendkasse kosten die Tickets 3,50 Euro.