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Entsetzen über Vorgänge im Ostritzer Forst

Die Jäger der Region distanzieren sich vom rabiaten Vorgehen bei einer privaten Treibjagd Anfang Januar. Offenbar ist das in diesem Wald aber kein Einzelfall.

Von Jana Ulbrich
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Solche Hinterlassenschaften einer Treibjagd im ehemaligen Ostritzer Klosterwald fanden Spaziergänger noch Tage nach der Jagd..
Solche Hinterlassenschaften einer Treibjagd im ehemaligen Ostritzer Klosterwald fanden Spaziergänger noch Tage nach der Jagd.. © privat

Detlef Eckert ist richtig wütend: Seit Mitte letzter Woche hat der Chef des Oberlausitzer Jagdverbands keine ruhige Minute mehr. Seit diese schockierenden Fotos von den Hinterlassenschaften einer Treibjagd im ehemaligen Ostritzer Klosterwald kursieren, müssen Eckert und seine Waidgenossen sich rechtfertigen. Dabei haben sie mit dem rabiaten Treiben in dem Privatwald allesamt nichts zu tun.

Im Gegenteil: "Wir distanzieren uns in aller Form und Deutlichkeit von solchen Machenschaften, die wir hier gesehen haben", sagt Detlef Eckert. "Ein derart respektloser Umgang mit dem Tier ist für uns alle vollkommen unakzeptabel."

Die Fotos, die Spaziergänger vier Tage nach der am 3. Januar stattgefundenen Treibjagd im Ostritzer Forst aufnehmen, zeigen haufenweise Eingeweide von aufgebrochenen Tieren, die an mehreren Stellen im Wald und auf einer weitläufigen Wiese einfach weggeworfen und liegengelassen worden waren, außerdem Kadaver von fünf Füchsen und an einer Jagdhütte Wannen mit Knochen und Fellen. Erst, nachdem sich auch das Veterinäramt des Landratsamts eingeschaltet hatte, wurde das alles entsorgt.

Der Wald gehört schon seit Jahren nicht mehr dem Kloster Sankt Marienthal. Die Zisterzienserinnen haben ihn an die Boscor-Gruppe verkauft, eine private Forstbetriebsgesellschaft aus Oberfranken. Sie verwaltet den großflächigen Grundbesitz der alteingesessenen fränkischen Adelsfamilien von Rothenhan und von Reitzenstein.

Einheimische Jäger nehmen schon lange Anstoß

Regelmäßig lädt Maximilian Freiherr von Rotenhan zu großen Treibjagden in seine Wälder ein. Auch einmal im Jahr nach Ostritz. Diesmal sind 30 Jäger dabeigewesen. Nach SZ-Informationen haben sie an jenem Tag mehr als 70 Wildschweine erlegt.

Detlef Eckert bestätigt, dass zur Jagdgesellschaft des Freiherrn kaum ein Jäger aus der Region gehört. Die Gastjäger kämen aus dem ganzen Bundesgebiet und sogar bis aus Holland, heißt es. "Man kann sich als Teilnehmer an diesen Jagden richtig einkaufen", weiß Thomas Grimm, der Jagdpächter eines Nachbarreviers in Wittgendorf.  

Grimm sagt auch, dass solche Bilder schon öfter im ehemaligen Klosterwald zu sehen gewesen seien, seit die Besitzer dort ihre großen Treibjagden veranstalten. "Wir einheimischen Jäger nehmen schon lange Anstoß an solchen Praktiken." Es gäbe für die Jäger aber keine Möglichkeit, rechtlich dagegen vorzugehen", sagt er. Wie mit den Tieren bei einer Jagd umgegangen wird, sei vor allem eine ethische Frage. 

Offenbar gibt es derart wilde Jagden auch in anderen Wäldern des bundesweiten Besitzes der Familie von Rothenhan. Im März 2013 hatte die Tierschutzorganisation Peta nach einer Drückjagd in Nordrhein-Westfalen sogar eine Strafanzeige wegen einer "Massentötung von Rehen" gestellt. Das Verfahren ist aber eingestellt worden.

Zu den Vorwürfen der Waidgenossen aus der Oberlausitz will sich Maximilian von Rothenhan nicht näher äußern. Auf Nachfrage der SZ teilt er per Email nur mit: "Grundsätzlich nehmen wir Kritik zum Anlass, um zu prüfen, ob wir Prozesse bei unserer Arbeit ändern müssen."

Besondere Vorsicht wegen der Schweinepest

Auch im Hinblick auf den herannahenden Erreger der Afrikanischen Schweinepest sehen die einheimischen Jäger das rabiate Vorgehen in Ostritz kritisch. "Gerade jetzt ist es besonders wichtig, dass die Abfälle vernünftig entsorgt und zeitnah  vergraben werden", sagt Detlef Eckert.

Man müsse den Schutz vor der Schweinepest sehr hoch bewerten, auch wenn sie für den Menschen völlig ungefährlich ist. Wird der Erreger auf Hausschweine übertragen, müssten ganze Bestände getötet werden, um ein weiteres Ausbreiten zu verhindern.

Den Schutz vor der Ausbreitung allein den Jägern zu überlassen, die nun angehalten seien, so viel Schwarzwild wie möglich zu erlegen, könne nicht die Lösung des Problems sein, sagt der Jagdverbandschef. Zwar seien die Abschusszahlen beim Schwarzwild in dieser Jagdsaison deutlich gestiegen, aber den Tierbestand tatsächlich stark zu reduzieren, sei schwer möglich.

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