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Entstaubt

Ob mächtige Geweihe, edles Porzellan, zerbrechliche Gläser – vor dem Start in die neue Saison ist im Schloss Großputz-Zeit.

Von Sven Görner

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Staubwedel, Pinsel, tragbare Staubsauger – ohne diese Utensilien geht derzeit nichts im Schloss Moritzburg. Und natürlich Handschuhe. Die sind gleich doppelt nützlich: Zum einen verhindern sie, dass auf kostbaren Exponaten der barocken Dauerausstellung Fingerspuren zurückbleiben. Zum anderen wärmen sie. Wenigsten ein bisschen. Denn obwohl die Sonne freundlich durch die Fenster funkelt, ist es in den nicht heizbaren Festsälen des alten Gemäuers winterlich frisch.

In genau einer Woche öffnet das einstige Jagdschloss August des Starken wieder seine Türen für Besucher. Bis dahin muss alles gründlich gesäubert sein. Geweihe, Porzellan, Gläser, Silber, Möbel, Kronleuchter und was noch alles zu bestaunen ist. Auch der Reisegepäckwagen – die große Kutsche in der Wagenhalle. Und natürlich werden zum Schluss alle Fußböden einer aufwendigen Grundreinigung unterzogen. Schließlich hinterlassen eine Viertelmillion Besucher Spuren – so viele waren es im vergangenen Jahr, einschließlich Führungen, Museumspädagogik und Sonderausstellungen. Und sie wirbeln einigen Staub auf.

Dem vor allem rücken die Schlossmitarbeiter jetzt zu Leibe. Dabei haben sie in diesem Jahr sogar Glück, denn es muss etwas weniger geputzt werden als sonst. „In den beiden Kurfürstenzimmern, der Jagdgemäldegalerie und auf der Kapellenempore haben Bauarbeiten begonnen“, sagt Ralf Giermann, der stellvertretende Leiter von Schloss Moritzburg. Etwas weniger getan werden muss auch im Speisesaal. Schließlich wurde der nach aufwendigen Restaurierungsarbeiten erst vor fünf Monaten wiedereröffnet. Die rund 70 Geweihe und die dazugehörigen Hirschköpfe aus Lindenholz brauchen daher nicht abgestaubt werden. Wohl aber das Meissener Porzellan mit dem Roten Drachen von der langen Festtafel und die seit August neu auf den beiden Konsolenschränken platzierten Spielkartengläser.

Benötigt wird das hohe Fahrgerüst trotzdem. Denn die Schlosstechniker müssen die 50 Elch- und Rentiergeweihe sowie den gewaltigen Kopfschmuck des Riesenhirschs im Steinsaal vom Staub befreien. Noch weniger beliebt ist allerdings das Reinigen der Kronleuchter. Schließlich muss dabei jedes Kristallteil einzeln abgepinselt werden. Fast 20 der prächtigen Deckenbeleuchtungen gibt es im Schloss. Dazu kommen noch knapp 30 Wandleuchter.

Gereinigt wird beim Schlossputz übrigens ausschließlich trocken. Lappen kommen dabei höchstens für Marmorplatten zum Einsatz. „Bei furnierten Möbeln wäre das Risiko zu groß, an lockeren Stellen hängenzubleiben und so Schaden anzurichten“, sagt Schlossrestauratorin Gabriele Hilsky. Gefährlich wird es auch, wenn die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist. Staub würde beim Entfernen auf empfindlichen Oberflächen dadurch wie Schmirgel wirken. Doch zum Glück spielt das Wetter mit.

Unterstützung bekommen die Schlossmitarbeiter im Porzellanquartier. Etwa zwei Drittel der dort ausgestellten Stücke sind Leihgaben der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. „Die übernehmen auch die jährliche Reinigung“, sagt Ralf Giermann. Um die restlichen Exponate kümmert er sich selbst.

Überschaubar sind die Arbeiten auch in einem weiteren Kleinod des Schlossmuseums – dem Federzimmer. Der Raum ist durch eine Glaskanzel abgetrennt und voll klimatisiert. „Staub spielt dort keine Rolle“, sagt Gabriele Hilsky. „Aber ich kontrolliere regelmäßig auf Schädlingsbefall.“ So steht für die Besucher nicht sichtbar unter dem Bett ein großer schwarzer Karton. „Bohrmehl von Holzwürmern wäre darauf sofort zu sehen“, sagt die Expertin.

Ihr aufmerksamer Blick gilt aber auch den aufwendig restaurierten Federbahnen. „Ich schaue nach, ob sich an den Federn irgendwo etwas ablöst. Denn das könnte möglicherweise ein Hinweis auf Milben oder andere Schädlinge sein.“

Zum jährlichen Schlossputz gehört eine Tradition. „Am ersten Tag gibt es ein gemeinsames Mittagessen“, sagt Ralf Giermann. Das ist auch ein Dankeschön an die fleißigen Helfer. Dazu gehören Mitglieder des Freundeskreises von Schloss Moritzburg ebenso wie ehemalige Mitarbeiter. Der Brausekuchen von Gabriele Hilsky darf dabei nicht fehlen.

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