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Entsteht hier Riesas nächstes Baugebiet?

Das einstige Sportgelände neben dem Grube-Stadion soll ein Eigenheimstandort werden – auch wenn es noch einiger Arbeit bedarf.

Der einstige Sportplatz an der Breitscheidstraße (Bildmitte). Links am Bildrand: Die Fußgängerbrücke über die durch die Chemnitzer Hohle verlaufende B 169. Unten das Grube-Stadion mit dem benachbarten Bürgergarten.
Der einstige Sportplatz an der Breitscheidstraße (Bildmitte). Links am Bildrand: Die Fußgängerbrücke über die durch die Chemnitzer Hohle verlaufende B 169. Unten das Grube-Stadion mit dem benachbarten Bürgergarten. © Lutz Weidler

Riesa. Ältere Riesaer erinnern sich noch, wie man einst auf dem Sportplatz neben dem Bürgergarten den Oberligaspielern zusehen konnte. Wer wollte, konnte den bekannten Fußballern dort bei deren Aufwärmrunden vor den Punktspielen im benachbarten Ernst-Grube-Stadion nahe kommen. Doch das ist alles lange vorbei. Nicht nur das traditionsträchtige Stadion nebenan verfällt – auch der vor einigen Jahren noch einmal auf Vordermann gebrachte Sportplatz an der Breitscheidstraße liegt inzwischen brach. Das muss aber nicht so bleiben.

Aus dem etwa einen Hektar großen Areal kann ein Eigenheimstandort werden. Diese Möglichkeit sieht zumindest der Riesaer Flächennutzungsplan vor. Der ist ein zentrales Instrument für die Stadtentwicklung, war 2018 vom Stadtrat beschlossen und voriges Jahr vom Landratsamt genehmigt worden. In den Erläuterungen zum Plan geht die Stadt von 13 Häusern aus, die bei einer mittleren Grundstücksgröße von 750 Quadratmetern auf dem einstigen Sportgelände an der Breitscheidstraße Platz finden könnten.

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Derzeit wird das gesamte Gelände auf dem Internetportal Ebay-Kleinanzeigen angeboten. Dort wirbt die Dresdner Immobilienfirma Immosuch für das rund einen Hektar große Areal als "zentral gelegenes Baugebiet". Als Preis sind 416.000 Euro angegeben. Das macht einen Quadratmeterpreis von 40 Euro. Was zunächst vergleichsweise günstig klingen mag. Der Haken allerdings steckt im Kleingedruckten: Es gibt noch kein Baurecht auf der Fläche.

Ein Auszug aus der Kleinanzeige für das mögliche Wohnbauareal an der Breitscheidstraße.
Ein Auszug aus der Kleinanzeige für das mögliche Wohnbauareal an der Breitscheidstraße. ©  Screenshot: SZ

Das bestätigt die Stadtverwaltung. Das Gebiet sei zwar als Wohnbaufläche ausgewiesen. "Das bedeutet, dass dort ein Wohnprojekt umgesetzt werden kann", so Stadtprecher Uwe Päsler. Es bedeute aber auch, dass "das Baurecht über ein Bauleitplanverfahren herzustellen ist". So ein öffentliches Verfahren, das zum Beispiel momentan für das Brauereigelände in Altriesa läuft, kostet Investoren Geld und Zeit. Beispiele zeigen, dass zwischen Auftakt und Abschluss solcher Verfahren ein Jahr oder auch deutlich mehr Zeit vergehen kann. Die Kosten für die Planungen schätzen Experten auf einen mittleren fünfstelligen Betrag.

Hinzu kommt, dass das am Ende einer Stichstraße gelegene Gebiet auch noch anderweitig baureif gemacht werden muss. Darauf verweist auch die Stadt im Flächennutzungsplan: "Für die innere Erschließung des Gebietes sind weitere Erschließungsanlagen vorzusehen."

 Konkret sind damit  Medien wie Trink - oder Abwasser oder Straßen und Wege gemeint, die verlegt und gebaut werden müssen. Kosten, die auch noch in den Verkaufspreis künftiger Eigenheimparzellen einfließen. Der wiederum könnte dann einmal gut beim Doppelten des Quadratmeterpreises liegen, zu dem die Fläche momentan zum Kauf angeboten wird, so die grobe Schätzung eines Insiders.

Ballfangnetze, Tore, Lichtmasten: Reste des einstigen Sportplatzes neben dem Grube-Stadion (Umrisse bildmittig im Hintergrund) sind noch da.
Ballfangnetze, Tore, Lichtmasten: Reste des einstigen Sportplatzes neben dem Grube-Stadion (Umrisse bildmittig im Hintergrund) sind noch da. © Sebastian Schultz

Ob sich unter diesen Vorzeichen ein Investor findet, der den alten Sportplatz in nächster Zeit zum Baugebiet macht? Manch Branchenkenner zeigt sich skeptisch und verweist auf die in Riesa erzielbaren Grundstückspreise. Dass die Gegend trotz, beziehungsweise sogar gerade wegen der Nähe zu Bahnhof und B 169 ein attraktiver Wohnstandort sein könnte, hatten indes einzelne Immobilienmakler vor nicht allzu langer Zeit bei der Debatte um die künftige Entwicklung des Grube-Stadions eingeschätzt. 

Und so sieht es auch Madeleine Felsl, die derzeitige Eigentümerin der Fläche. Schon seit mehr als hundert Jahren befinden sich der einstige Sportplatz und der benachbarte Bürgergarten im Besitz ihrer Familie, erzählt die Frau, die in Oberbayern zuhause ist. 

Inzwischen gehöre das Wirtshaus ihrer Schwester und ihr der ehemalige Sportplatz. Bei einem Besuch in Riesa voriges Jahr habe sie zu Leuten aus der Baubranche Verbindungen aufgenommen, um die Entwicklung der Brache voranzubringen. Sie könne sich vorstellen, dass "etwas Ordentliches draus werden könnte", so die Eigentümerin.

 Madeleine Felsl kann sich eine Bebauung mit Eigenheimen oder Doppelhäusern vorstellen. "Es ist ja auch eine schöne Lage." Die Entwicklung der Fläche selbst zu übernehmen, sei ihr nichts. "Ich bin 70 Jahre alt, und das sind 10.000 Quadratmeter – das ist ein bisschen viel für mich", sagt Madeleine Felsl. Deshalb fände sie es gut, wenn jemand anderes das aus einer Hand übernimmt. Voraussetzung sei ein vernünftiger Handel zu einem vernünftigen Preis.

Ob sich ein Investor findet, der ein Händchen für den einstigen Sportplatz beweist, muss sich nun zeigen. Die Stadtverwaltung hat derzeit keine Kenntnis von einem solchen oder einem Konzept für das Gelände, teilt Stadtsprecher Uwe Päsler mit. Aber: "Als Stadt wären wir natürlich sehr erfreut, wenn dort etwas passiert."

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