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Entstehung einer Musterstadt

Grüne Energie, schadstoffarme Mobilität, autarkes Wohnen sollen in Weißwasser am Ziegelei-Teich getestet und umgesetzt werden.

Torsten Pötzsch (2.v.l.), Stephan Rohde und Katrin Bartsch stellten das Modell für autarkes Wohnen am Ziegeleiteich vor.
Torsten Pötzsch (2.v.l.), Stephan Rohde und Katrin Bartsch stellten das Modell für autarkes Wohnen am Ziegeleiteich vor. © Foto: Sabine Larbig

Von Sabine Larbig

Weißwasser. Er liegt inmitten von Wiesen, Bäumen und Wegen – der Ziegeleiteich. Kinder spielen hier, während Mütter und ältere Menschen auf Bänken sitzen und miteinander reden. Es sind Bewohner der am Teich gebauten Ein-, Mehrfamilien- und Reihenhäuser. Die grüne Oase im Herzen von Weißwasser nutzen auch Spaziergänger und Radfahrer. Manche, weil sie zur Haltestelle für den Triebwagen wollen, der zwischen Bahnhof und Bahnhof Waldeisenbahn völlig lautlos und ohne Fahrer durch das Wohngebiet fährt.

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So oder ähnlich kann und soll sich künftig das Leben im sogenannten „Bebauungsgebiet Innenstadt II (Allbau/Ziegelei)“ in Weißwasser abspielen. Denn hier, wo einst Ziegel hergestellt wurden und seit 2014 das Gelände samt Teich renaturiert ist, sollen bald Menschen wohnen. Bereits seit einiger Zeit bemüht sich die Stadtverwaltung um die Vermarktung der Baugrundstücke. „Eine Liste mit einer Handvoll Bauwilliger haben wir“, weiß Oberbürgermeister Torsten Pötzsch. Momentan ist er froh darüber, dass es nicht mehr sind und auch noch niemand gebaut hat. Denn am Ziegeleiteich soll im Rahmen der Strukturentwicklung eine Musterstadt in der Stadt entstehen.

„Der Standort in Weißwasser bietet ideale Voraussetzungen für innovatives Bauen und autarkes Wohnen, weshalb hier zur Entwicklung und Umsetzung einer Musterstadt für grüne Energieversorgung und schadstoffarme Mobilität in der Lausitz im ,Reallabor der Energiewende’ Ideen für den Aufbau eines Infrastrukturzentrums entwickelt werden“, erklärte Dr. Stephan Rohde, Revierbeauftragter des Freistaates Sachsen für das Lausitzer Revier, am Donnerstag bei einem Vor-Ort-Termin.

Konkret bedeutet dies, dass in Weißwasser im kleinen Stil angewandt, ausprobiert und gefördert wird, was später in einer ganzen Stadt als Beitrag zur energiepolitischen Entwicklung und für den Klimaschutz funktionieren soll. Getestet wird in dem neuen Baugebiet in Weißwasser beispielsweise die Wärmeversorgung auf Basis von See-Thermie(Water to heat) und Wasserstofftechnologie. Die vorhandene und frei gehaltene Trasse der Waldeisenbahn im Wohngebiet wird für autarkes und autonomes Fahren auf Wasserstoff- oder Elektrobasis genutzt Noch sei unklar, so Pötzsch, ob es sich um ein Straßen- oder Schienenfahrzeug handeln werde. Fest stehe jedoch, dass es ein öffentlicher Shuttleverkehr zwischen Bahnhof und Waldeisenbahn-Bahnhof sein soll. Auf völlig neuen Technologien basieren sollen ebenfalls Ver- und Entsorgung des Wohngebietes, welches zudem schnellstes Internet und modernste Energiequellen erhalten soll.

Beim Modellprojekt mit im Boot sind daher Hoch- und Fachschulen, Staatsregierung und die Stadtwerke Weißwasser. „Wir sind Partner, weil es auch darum geht, dass Ver- und Entsorgung sowie Energie- und Wasserpreise auch in Zukunft noch bezahlbar sein müssen. Es ist eine große Nummer, aber mit den Partnern an der Seite ist uns nicht bange“, begründet Stadtwerke-Chefin Katrin Bartsch.

Im Oktober soll der Startschuss für das Modellvorhaben fallen. Finanziert wird die Projektentwicklung vom Bund, der auch Einzelprojekte wie See-Thermie bezahlen soll. „Dazu müssen wir uns als Freistaat bei der Mitgestaltung der Förderrichtlinien für Finanzierungen über das Strukturstärkungsgesetz entsprechend einbringen“, so der Revierbeauftragte. Optimistisch, dass das Modellprojekt klappt und finanziert wird, ist indes Weißwassers Stadtchef Torsten Pötzsch. „Normale Baugebiete kann jeder. Da wir in 10-20 Jahren auch keine Fernwärme mehr vom Kraftwerk haben, wird hier getestet und probiert, was für Weißwasser und anderswo funktionieren kann. Wir machen sozusagen Energiewende zum Anfassen.“

Wie das Projekt weitergeht, welche Ideen und Technologien einfließen und wann das Wohngebiet bezugsfertig sein soll, wird in einem Leitbild für das Areal zusammengefasst, wobei Experten, Akteure und Einwohner der Stadt einbezogen werden. Zudem sollen die Bürger regelmäßig über den Projektstand informiert werden. Was modernes und autarkes Wohnen am Ziegeleiteich kostet, weiß derzeit noch niemand. „Es kann aber nur so teuer werden, wie Leute bereit sind, zu zahlen“, so Rohde.

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