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Er hilft Bautzens Gründern auf die Sprünge

Michael Paduch ist der neue Chef im Technologiezentrum. Er bringt jede Menge Erfahrung mit.

Michael Paduch führt seit 1. August die Geschäfte im Technologie- und Gründerzentrum Bautzen.
Michael Paduch führt seit 1. August die Geschäfte im Technologie- und Gründerzentrum Bautzen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Noch sind nicht alle Regale im Chefzimmer des Technologie- und Gründerzentrums (TGZ) an der Preuschwitzer Straße fertig eingeräumt. Aber der neue Mann hinter dem Schreibtisch ist ja auch erst ein paar Tage hier. Am 1. August trat Michael Paduch die Nachfolge von Jürgen Besold an, der das TGZ Bautzen fast ein Vierteljahrhundert lang geleitet hatte.

„Ich habe hier ein sehr gut geführtes Haus vorgefunden“, sagt der Neue und spricht von Kontinuität, davon, Bewährtes fortzusetzen. Das zeigt sich schon bei der Begrüßung. Wie vorher Jürgen Besold interessiert sich auch Michael Paduch dafür, wie es seinem Gesprächspartner geht und woran er gerade arbeitet. Und er versäumt nicht, sein Gegenüber gleich auf die mittlerweile neunten Ostsächsischen Maschinenbautage hinzuweisen. Für den neuen Chef ist das die erste größere Veranstaltung im TGZ. Im Oktober erwartet er hier die Vertreter von mehr als 100 Maschinenbau-Unternehmen aus ganz Deutschland, Tschechien und Polen.

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Mit ihnen kann sich Michael Paduch auch in ihrer Muttersprache unterhalten. Denn in Polen wurde er vor 50 Jahren geboren, genauer gesagt, im Raum Opole (Oppeln) in Oberschlesien. Als er 19 war, übersiedelte die Familie in die Bundesrepublik. Der junge Mann studierte an der Georg-August-Universität in Göttingen Betriebswirtschaftlehre und lernte dort seine Frau kennen. Das Paar bekam zwei Töchter.

Rettungskräfte koordiniert

Nach dem Studium begann Michael Paduch bei einem Beratungsunternehmen für Wirtschaftsförderung. Und dieser Rat war gerade sehr gefragt, nachdem sich die Bevölkerungen in der ehemaligen DDR und anderen osteuropäischen Ländern vom Sozialismus ab- und dem Kapitalismus zugewandt hatten. Für Michael Paduch hieß das: Mitarbeit an Stadtentwicklungsprogrammen für ostdeutsche Kommunen, Fördermittel-Anträge an die Europäische Union schreiben, Projekte in die Tat umsetzen. Von der Potsdamer Niederlassung des Beratungsunternehmens aus arbeitete er unter anderem für Berlin, Magdeburg, Leipzig, Gera und Dessau.

Nach Jahren in der Wirtschaftsförderung reizte ihn eine andere Aufgabe. Michael Paduch ging zum Technischen Hilfswerk und übernahm Verantwortung für den Katastrophenschutz entlang der Oder. Hier ging es ihm darum, die verschiedenen Einsatzkräfte und die Feuerwehren miteinander zu verzahnen. Wie das in der Praxis funktionierte, zeigte sich vor zehn Jahren bei einer groß angelegten Übung im polnischen Landkreis Glogow (Glogau). Da probten rund 400 Einsatzkräfte des deutschen THW zusammen mit polnischen Feuerwehren die Bekämpfung eines Waldbrandes mit Fahrzeugen und Löschflugzeugen.

Und doch zog es den erfolgreichen THW-Projektleiter zurück in die Wirtschaftsförderung. 2010 übernahm er die Geschäftsführung des Technologie- und Gründerzentrums Bad Belzig im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Später kam noch eine Außenstelle in Teltow bei Berlin hinzu. Das TGZ brachte unter anderem das Netzwerk Schule & Wirtschaftsforum auf den Weg. Dabei treffen sich regelmäßig Unternehmer, Existenzgründer, Schulvertreter, Schüler und weitere Interessenten. Unter anderem zeichnet das Netzwerk die besten Geschäftsideen von Schülergruppen aus.

Als 2018 nach acht Jahren der Geschäftsführer-Vertrag endete, suchte Michael Paduch eine neue Herausforderung. Gleichzeitig suchten die Gesellschafter des TGZ Bautzen – Landkreis, Stadt und Kreissparkasse – einen Nachfolger für Jürgen Besold. Beim Landratsamt gingen neun Bewerbungen ein. Aus drei Favoriten wählten die TGZ-Gesellschafter schließlich den neuen Chef: Michael Paduch.

Der schnell ins Schwärmen kommt: Die Aufgabe hier sei sehr spannend, der Kreis Bautzen eine Region mit großem Potenzial, der Strukturwandel in der Lausitz eine riesige Herausforderung und Chance auch für Existenzgründer. Für die ja Einrichtungen wie das TGZ geschaffen wurden.

Mehr als 200 Mitarbeiter

Wobei das Gründerzentrum in Bautzen im Moment wenig freien Platz bietet, es ist zu mehr als 90 Prozent ausgebucht. „Das hiesige TGZ ist ein gut gefülltes Haus“, findet Michael Paduch, der jetzt nach und nach auch alle hier ansässigen Firmen kennenlernt. Das sind über 20 mit insgesamt mehr als 200 Mitarbeitern. Dazu kommt das Rossendorfer Technologiezentrum, dessen Geschäfte mit von Bautzen aus geführt werden. Beide Standorte erinnern den neuen Chef an seine bisherigen Wirkungsstätten: Bad Belzig war wie Bautzen eher von ländlichem Raum umgeben, Teltow wie Rossendorf mitten im Speckgürtel einer pulsierenden Großstadt.

Die Energieagentur, das Maschinenbau-Netzwerk Team 22 und einiges mehr, das am TGZ angesiedelt ist, will Michael Paduch weiterführen. Besonders für die Energieagentur hat er auch weitergehende Ideen in Richtung Lausitzer Strukturwandel. Aber alles nach und nach. Und nebenbei will er auch seinen neuen Wohnort besser kennenlernen. Bis seine Frau aus Potsdam nachzieht, lebt er allein in einer Wohnung in der Bautzener Innenstadt. Von wo aus er jeden Tag zu Fuß zur Arbeit geht „und mich an dieser schönen Stadt erfreue“.

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