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Er kürzt die Platane auf der Krokuswiese

Am Dienstag wird der alte Baum verschnitten. Nicht wegen der Schönheit, sondern weil er krank ist.

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Von Mario Heinke

Die altehrwürdige Platane auf der Krokuswiese schwächelt. Andreas Harazin ist Baumpfleger und wird den rund 166 Jahre alten Baum am Dienstag mit der Motorsäge einkürzen. Seit April ist der Termin der Operation schon zweimal verschoben worden, um die Brut der in der ahornblättrigen Baumkrone nistenden Saatkrähen nicht zu gefährden. Die Krähen und ihr Nachwuchs haben das Nest inzwischen verlassen, sodass dem geplanten Schnitt nichts mehr im Wege steht.

Baum-Gutachter Hilmar Pietzuch aus Wilthen hat das imposante Naturdenkmal im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises mittels Schalltomographie untersucht. Der Kreis ist zuständig, weil die Platane ein Naturdenkmal ist. Bei dem zerstörungsfreien Messverfahren werden in mehreren Ebenen um Äste und Stamm Erschütterungssensoren befestigt und deren Position eingemessen. Mit Hammerschlägen werden dann Impulse induziert und die Laufzeiten zwischen den Sensoren aufgezeichnet. Auf einem Display erkennt der Gutachter so Höhlungen, Fäulnis oder Pilzbefall. So auch bei der Platane am Stadtring, deren Äste im Innern teilweise hohl sind. „Die Restwandstärke ist im Bereich der Starkäste so gering, dass Bruchgefahr besteht“, sagt Harazin.

Die Gefahr, dass Fußgänger durch herab fallende Äste verletzt werden ist also nicht von der Hand zu weisen und hat den Landkreis zum Handeln bewogen. Im Gutachten wird empfohlen, die Höhe und seitliche Ausdehnung des Baumes deutlich zu reduzieren, erzählt Harazin. Wie weit die ausladende Baumkrone gekürzt wird, entscheidet der Gutachter, der am Dienstag den Schnitt vor Ort begleiten wird. Der Kronendurchmesser beträgt derzeit immerhin 24 Meter, auch der Stammumfang ist mit 6,31 Metern beachtlich. Der Habitus, das Erscheinungsbild, des Baumes bleibt dabei erhalten. „Die Platane muss auch nach dem Schnitt wie ein Baum aussehen“, witzelt der Baumpfleger.

Handelt es sich um ein Naturdenkmal, wie bei der Platane, ist besondere Sorgfalt geboten. Dass der Baum krank ist, zeichnete sich seit geraumer Zeit ab. Im Juni vergangenen Jahres hatte er massenhaft vertrocknete Blätter abgeworfen. „Die Platane ist mit dem häufig vorkommenden Blattpilz Apiognomia veneata, auch Blattbräune, Zweigdürre oder Zweigkrebs bezeichnet, befallen“, erklärte Gerlind Walter, Sprecherin des Landkreises damals gegenüber der SZ. Zudem sei bei einer Begutachtung festgestellt worden, dass am Baum holzzersetzende Pilze siedeln. Später gab der Landkreis wieder Entwarnung: „Der Blattpilz ist nicht existenzbedrohend“. Wegen der anderen Pilze habe man ein Gutachten in Auftrag gegeben und ziehe das Absägen von Ästen und das Entfernen von abgestorbenem Holz in Erwägung. Mit einer Hubarbeitsbühne wird Harazin sich am Dienstag auf Höhe der Baumkrone begeben, um zu arbeiten. „Ich habe den ganzen Tag dafür eingeplant“.

Seit vierzehn Jahren beschäftigt sich der 35-Jährige, der in Wittenberg geboren wurde, mit Bäumen. Gleich nach seiner Ausbildung zum Zimmermann, ging er nach Berlin, um zunächst als Baumpfleger zu arbeiten und später eine Ausbildung zum Profi, dem „European Tree Worker“, zu absolvieren. 2009 machte sich der Baumpfleger in Zittau selbstständig. Neben vielen privaten Auftraggebern bekommt er Aufträge von den Kommunen, Ingenieurbüros und Baufirmen. In der Baumfällsaison von Oktober bis März wird der Baumpfleger zum Abholzer. In den verbleibenden sieben Monaten des Jahres kümmert er sich um die Pflege. Aus Sicherheitsgründen können Bäume jedoch auch außerhalb der Saison gefällt werden, sagt Harazin.