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Er rettet das Behrsche Haus

Jan Tröber will 2020 mit dem Architekturbüro TSBB in das Denkmal an der Ecke Glacis-/Wigardstraße einziehen. Zuvor verändert es sich.

Hausschwamm hat im Behrschen Haus viel angegriffen. Jetzt wird es nach Plänen von Jan Tröbers Büro TSSB neu aufgebaut.
Hausschwamm hat im Behrschen Haus viel angegriffen. Jetzt wird es nach Plänen von Jan Tröbers Büro TSSB neu aufgebaut. © Sven Ellger

Momentan ist es ein hohler Vogel. Das Dach ist abgenommen, Balken und Mauern liegen frei. Von der einstigen Pracht des Behrschen Hauses ist nicht viel geblieben. Doch sie soll zurückkommen, da ist Jan Tröber ganz sicher. Der Architekt hat die Ruine, die an der Ecke Glacis-/Wigardstraße steht, im Vorjahr mit seinem Büro TSSB von Gamma Immobilien erworben. 

Was gar nicht einfach war, sagt er. Denn neben ihm habe es einen weiteren Interessenten gegeben, außerdem wollte der Eigentümer gar nicht verkaufen. Doch Tröber blieb hartnäckig. Immerhin wollen die TSSB Architekten nach der Sanierung mit ihrem Büro in den ersten Stock, die Beletage, einziehen. Seit fünf Jahren ist das achtköpfige Team auf der Suche nach einem neuen Standort in Dresden.

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„Das Behrsche Haus können wir uns angesichts des Kaufpreises nur leisten, weil wir die gesamte Planung selbst machen“, sagt Tröber. Die sieht auch vor, die 1832 gebaute Villa zu erweitern. Das war bis dato nicht erwünscht, doch Tröber hat intensiv mit der Stadt und dem Landesamt für Denkmalpflege verhandelt. „Unser Glück war, dass wir nichts Neues ansetzen wollen, sondern den Anbau, den es auf der rechten Seite gibt, einfach links weiterführen“, sagt der Architekt. Das hat seine Verhandlungspartner überzeugt. 

Möglicherweise auch deshalb, weil der rechte Anbau ebenfalls später, gegen 1850, dazugekommen ist. „Er ist mit Säulen zur Glacisstraße und Deckengemälden hochwertiger gestaltet als der Rest des Hauses“, sagt Jan Tröber und vermutet, dass der einstige sächsische Finanz- und Justizminister Johann Heinrich August von Behr um 1850 einfach mehr Geld zur Verfügung hatte als zu Beginn des Hausbaus.

Heruntergekommen und lange Jahre dem Verfall preisgegeben: Das Haus vor zwei Jahren. 
Heruntergekommen und lange Jahre dem Verfall preisgegeben: Das Haus vor zwei Jahren.  © Sven Ellger

Beide Anbauten geben der Villa künftig ein symmetrisches Erscheinungsbild. Tröber könnte sich als Mieter für die Räume im Dachgeschoss ein weiteres Büro vorstellen, favorisiert für das Erdgeschoss aber eine öffentliche Nutzung. Vielleicht einen Weinladen mit Ausschank, sagt er, denn die Lage sei schon exponiert.

Doch vor dem Einzug liegt noch viel Arbeit am Haus. Sein Zustand ist schlechter als angenommen. Drei Viertel des Holzes sind vom echten Hausschwamm befallen, dementsprechend viel muss im Innern ersetzt werden, sagt Tröber. Nach langen Diskussionen mit den Behörden über die Grundrisse sind sie jetzt klar. Ein offenes Konzept ist die Grundlage dafür. „Aber es gab auch positive Überraschungen am Haus. So haben wir die gemauerten Fensterbögen im Erdgeschoss entdeckt, die nicht sichtbar, weil verputzt waren“, sagt Tröber. Auch der geschmiedete Balkon auf der Rückseite ist gut erhalten, sowie ein rundes Fenster und die Kellergewölbe. „Es hat auch ein Deckengemälde gegeben, von dem unser Restaurator Stücke gefunden und gesichert hat. Die wollen wir künftig in unseren Räumen ausstellen, um ein Gespür dafür zu bekommen, wie es früher drinnen aussah“, sagt der Architekt.

So wird die Villa nach dem Umbau aussehen: Neu dazu kommt der Anbau auf der linken Seite.
So wird die Villa nach dem Umbau aussehen: Neu dazu kommt der Anbau auf der linken Seite. © Zeichnung: TSSB

Im großen Keller mit dem Gewölbe soll später Platz für Veranstaltungen sein. Farblich hat das Behrsche Haus schon einiges miterlebt. Seine ursprüngliche Farbe soll es jetzt zurückerhalten, ein Ockergrau. „Das wird kombiniert mit dem Sandstein sehr gut aussehen“, ist Tröber überzeugt. Anhand eines vorhandenen Teiles soll auch der historische Zaun neu angefertigt werden. Dahinter sollen mehrere Säulenbäume für eine Abgrenzung zur Glacisstraße und zu den dahinter stehenden Neubauten sorgen. Ein kleiner Tiefhof ergänzt die Außenanlagen.

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Die historische Aufnahme zeigt die Vorderseite des Behrschen Hauses im vorigen Jahrhundert. 
Die historische Aufnahme zeigt die Vorderseite des Behrschen Hauses im vorigen Jahrhundert.  © TSSB

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