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Erde wie Asche

Die Landwirte um Großenhain sind besonders hart vom wenigen Regen betroffen. Dabei ist das Problem nicht neu.

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Von Catharina Karlshaus

Gestern Vormittag hat er es getan. Manfred Engelmann setzte sich kurzentschlossen an seinen Schreibtisch und schaute sich im Computer die Wetterprognose für die nächsten 16 Tage an. „Das Ergebnis war niederschmetternd“, bekennt der 62-Jährige und schüttelt ungläubig den Kopf. Denn während die meisten Sachsen angesichts von durchweg hochsommerlichen Prognosen gedankliche Luftsprünge vollführen, macht sich Manfred Engelmann große Sorgen. Seit der ersten Aprilwoche hat es nun schon im Raum Großenhain nicht mehr ergiebig geregnet. Lediglich drei Milliliter sind am Montagabend auf die staubtrockenen Felder der Agrargenossenschaft Skäßchen niedergegangen. Wie Asche ist ringsum die Erde, in der auf insgesamt 1 400 Hektar Weizen, Gerste, Hafer, Roggen und Mais angebaut werden. Der mineralreiche Sandlößboden lässt das wenige Wasser ohnehin schneller in tiefere Schichten versickern. Sie trocknet schneller aus, und wenn es so stark windet wie gestern, kommt überhaupt keine Feuchtigkeit in den Wurzeln an. Die kleinen grünen Halme der Maispflanzen bei Übigau etwa beispielsweise stehen so winzig da, als wären sie eben erst eingesetzt worden. Allerdings: Seit mehr als zwei Wochen, so Manfred Engelmann, kämpfen sie sich nun schon gen Himmel. „Aber sie haben es schwer. Und wenn es nun noch heißer und trockener wird, können wir die Ernte ganz vergessen“, schimpft Engelmann. Schon jetzt geht er davon aus, dass der Ertragsverlust im Vergleich zum überdurchschnittlich guten Jahr 2014 bestimmt satte 30 Prozent betragen werde.

Was der seit über 40 Jahren im Beruf stehende Landwirt jedoch weiß: Solche Perioden sind kein Einzelfall. Erst recht nicht im Großenhainer Land. Ein Fleckchen Erde, welches sich schließlich im sogenannten Dürregürtel befindet. Die Flächen nördlich und östlich der Elbe sind dabei besonders stark betroffen. Über Zabeltitz, Görzig, Übigau zieht sich der Dürregürtel bis hinter nach Schönfeld, Thiendorf oder Ponickau. Zu selten regnet es in dieser Gegend und wenn doch, dann seien die Niederschlagsmengen nicht ergiebig.

Bedingungen, die den Bauern in Skäßchen 1947 die bis dahin schlechteste Ernte bescherte. Fünf Monate, so erinnern sich noch die Älteren im Dorf, hatte es damals nicht geregnet. 2003 folgte dann durch Hitze und Trockenheit ein ähnliches Desaster. Hafer und Leinen, so Manfred Engelmann, mussten damals als Totalausfall verbucht werden, beim Mais hatten sich kaum Kolben ausgebildet. Insgesamt letztlich über 60 Prozent Verlust für die Agrargenossenschaft und nur aufzufangen gewesen durch Ausgleichszahlungen der EU, des Bundes und des sächsischen Freistaates. Ein Szenario, das sich Engelmann noch gar nicht ausmalen will. Noch hofft er auf einen Wetterwechsel mit viel Niederschlag.

Und ist mit diesem Wunsch freilich nicht allein. Auch Landwirt Jörg Noack aus Welxande macht sich angesichts des fehlenden Regens so seine Gedanken. 700 Hektar hat er zu bewirtschaften und nicht grundlos Roggen angebaut. Die Getreideart erweise sich auf sandigen Böden und inmitten von niederschlagsarmen Perioden als durchaus robust. Für den Weizen und die Triticale – eine Kreuzung aus Weizen und Roggen – sei das jetzige Wetter jedoch sehr entscheidend. „Wir sind nun mal darauf angewiesen und können nur abwarten“, sagt Noack und versucht, die guten Aspekte der Trockenheit zu sehen. Da bereits der feuchtigkeitsarme Winter schon ausgedörrte Böden hinterlassen habe, hatten Pilzerkrankungen keine Chance.

Auch wenn es den Landwirten im Dürregürtel nicht unbedingt etwas nützt: Ganz allein sind sie nicht. Denn abgesehen davon, dass jeder Gartenbesitzer dieser Tage den trockenen Boden beklagt, drückt auch das Großenhainer Landwirtschaftsamt die Daumen. „Na klar, beobachten wir die Lage. Es handelt sich ja um unsere Betriebe, und wir hoffen sehr, dass es bald regnet“, betont Tilo Eysold. Wie der Behördensprecher betont, sei der Niederschlag auch wegen der Futtermittelgewinnung dringend von Nöten. Als gelernter Rinderzüchter habe er den Grünschnitt für die Vierbeiner im Blick. „Und wenn es nicht endlich mal richtig regnet, bekommen wir da die nächsten Probleme.“ Etwas, dass auch Manfred Engelmann weiß. Über 500 Kühe sind in der Agrargenossenschaft beheimatet. Und ohne entsprechendes Grundfutter laufe da gar nichts. Erst recht keine hochwertig produzierte Milch. „Es ist ein Kreislauf, den wir aber leider nicht beeinflussen können.“