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Erfahrung oder Redetalent: Der Wahlkampf geht weiter

Weißwasser. Das geringe Interesse an der Oberbürgermeisterwahl in Weißwasser hat für Ernüchterung gesorgt. Die Wahlbeteiligung war am Sonntag mit 31,3 Prozent auf einen neuen Tiefstand abgerutscht, von 19 000 Berechtigten wählte nicht einmal jeder Dritte.

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Weißwasser. Das geringe Interesse an der Oberbürgermeisterwahl in Weißwasser hat für Ernüchterung gesorgt. Die Wahlbeteiligung war am Sonntag mit 31,3 Prozent auf einen neuen Tiefstand abgerutscht, von 19 000 Berechtigten wählte nicht einmal jeder Dritte. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes wurde bei keiner Bürgermeisterwahl in Sachsen eine derart niedrige Beteiligung ermittelt.

Von den sechs Kandidaten erreichte keiner die erforderliche absolute Mehrheit der Stimmen. Am 19. Oktober ist der entscheidende Wahlgang. Dann reicht eine einfache Mehrheit zum Einzug ins Rathaus. Der parteilose Architekt Hartwig Rauh hatte das beste Ergebnis erzielt (37,7 Prozent). „Mich hat das Ergebnis und vor allem der große Abstand zum CDU-Kandidaten überrascht“, sagte der 44-Jährige, der außer einer fünfjährigen FDP-Mitgliedschaft in Jugendtagen keine parteipolitische Vergangenheit hat. „Die Menschen haben sich für mich als überparteilichen Kandidaten entschieden.“ Rauh, der aus dem Ruhrgebiet stammt und seit 1994 in Weißwasser lebt, sieht Politik- und Parteienverdrossenheit als Hauptursache für die geringe Wahlbeteiligung. Ähnlich die Einschätzung der anderen Kandidaten. Hauptgegner Dietmar Lissina (CDU, 22,9 Prozent) verwies auf die überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit in der Stadt. Er erwarte eine noch geringere Wahlbeteiligung beim zweiten Gang. „Der neue Oberbürgermeister hat dann ein Legitimationsproblem“, sagte er.

Damit ihm das im Fall eines Sieges nicht so geht, will der 43-Jährige nun Nichtwähler für sich gewinnen. Zudem rechnet er mit Stimmen von Rauh-Wählern. Lissina sagte, der Parteilose sei zwar ein guter Redner, es fehle ihm jedoch an Verwaltungs-Erfahrung. „Viele haben sich von Äußerlichkeiten blenden lassen, eine Einarbeitungsphase kann sich Weißwasser aber nicht leisten.“ Lissina selbst arbeitet in der Stadtverwaltung. Beide Kandidaten haben angekündigt, am 19. Oktober wieder anzutreten. Bisher sind auch die anderen vier Kandidaten noch im Rennen, neue Bewerbungen möglich. (dpa/as)