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Erfindungsreichtum ist gefragt!

Hoyerswerdaer Erfahrungen: Wenn Trainer Mitglieder motivieren – und Mitglieder Trainer

Sylvia Nachtigall vom Frauensportstudio in der Hoyerswerdaer Altstadt greift in Zeiten von Corona für ihre Bewegungs-Tipps auch gern auf außergewöhnliche, aber eben wohl in jedem Haushalt verfügbare „Sportgeräte“ zurück.
Sylvia Nachtigall vom Frauensportstudio in der Hoyerswerdaer Altstadt greift in Zeiten von Corona für ihre Bewegungs-Tipps auch gern auf außergewöhnliche, aber eben wohl in jedem Haushalt verfügbare „Sportgeräte“ zurück. © Foto: Juliane Mietzsch

Hoyerswerda. Mit Sachsens Allgemeinverfügung vom 18. März in Sachen Corona sind auch sämtliche Fitness- und Sportstudios geschlossen. In Hoyerswerda sind zahlreiche Sportstätten betroffen. Die Anbieter versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Einige Studios sind schnell einen neuen Weg gegangen und bieten nun Anleitungen und Trainings online an. Teilweise frei verfügbar – oder nur für Mitglieder.

Selbst mit Besenstiel und Tetrapack

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So hat auch Sylvia Nachtigall mit ihren Mitarbeiterinnen an einem Konzept für den Übergang gearbeitet. Das Publikum in ihrem Frauensportstudio in der Altstadt von Hoyerswerda reicht von der jungen Abiturientin über die berufstätige Mutter bis hin zur Seniorin. Für diese unterschiedlichen Zielgruppen werden nun Kurse entwickelt, die per Video für zu Hause als Anleitung dienen. Dabei kommen alltägliche Gegenstände zum Einsatz, die jeder zu Hause hat. Denn die wenigsten besitzen „echte“ Sport-Geräte. Also beginnt der Kurs mit einer Übersicht der benötigten Materialien – seien es eine Packung Milch, ein Besenstiel, ein Stuhl oder das zurzeit sehr begehrte Toilettenpapier. Mit all diesen Dingen lässt sich die sportliche Betätigung unterstützen. Eine Stunde soll trainiert werden, wie es auch sonst in den Kursen im Studio üblich ist. Nur eben in sicherer Entfernung. Doch Anleiten ist nicht alles, wie Sylvia Nachtigall weiß, denn „einige brauchen auch das Anfeuern und die Motivation, auch noch die letzten Sekunden durchzuhalten.“ Außerdem legt sie auch viel Wert darauf, dass Übungen nachhaltig richtig ausgeführt werden. „Einige müssen auch bei der Wiederholung noch korrigiert werden.“ Auch darauf wird in den Videos Rücksicht genommen, wenn schon das strenge Auge der Trainerinnen nicht live darauf achten kann.

Videokurse und Weiterbildung

Vor Kurzem hat sich das Team durch Ab- und Neuzugänge wesentlich verändert und profitiert jetzt von neuen Ideen. Beispielsweise die Inspiration zu neuer Kleidung für das Team wurde durch eine neue Mitarbeiterin angeregt, die vorher unter anderem in der Modebranche tätig war. „Sie sind voller Elan und voll motiviert.“, schwärmt die 51-Jährige. Für die Zukunft wäre es ihr Wunsch, das Team noch um eine Physiotherapeutin zu erweitern. Weiterentwicklung dient als Ansporn. Die Zeit der Schließung wird zum einen für die Vorbereitung und Herstellung der Videokurse genutzt, zum anderen für interne Weiterbildungen und für die Ausarbeitung neuer Ideen, die dann nach der Öffnung den Frauen im Studio präsentiert werden sollen.

Persönliche Briefe an die Kinder

Der Karate-Do e. V. Hoyerswerda bietet seinen Schützlingen auch die Möglichkeit, trotz Trainingsausfalls „am Ball“ zu bleiben: Es werden „Hausaufgaben“ zur Verfügung gestellt. Damit soll die Betreuung der Kinder zu Hause unterstützt werden, wie es in einer Mitteilung des Vereins heißt. Es wird gehofft, dass damit der Trainings-Rückstand so gering wie möglich gehalten werden. Karate-Chef Mario Adolphs erstellt dazu bei Interesse für die Karateka oder Teilnehmer des Kindersportes einen persönlichen Trainingsplan. Die Resonanz ist positiv; das erste Dutzend Pläne ist schon verschickt. „Man muss sich die Zeit nehmen und auf die Kinder persönlich eingehen.“ Die Kinder erhalten daher einen persönlichen Brief, der ihre Trainingsmöglichkeiten anspricht und aufzeigt. Diese direkte Kommunikation ist wichtig, um auch den Kontakt in der kommenden Zeit zu halten. Ein uniformer Plan für viele würde den Sinn und Zweck verfehlen. Denn nur individuell können Dinge betont und herausgearbeitet werden, die bisher im Training vielleicht zu kurz gekommen sind. Die Verknüpfung mit neuen Aspekten erhöht die Anforderungen und soll als Ansporn dienen. Beispielsweise Seilspringen, das bisher ausdauernd betrieben wurde, kann jetzt unter dem Aspekt der Schnelligkeit durchgeführt werden. Ebenfalls ist es möglich, Geräte für zu Hause auszuborgen: sei es nun das Seil oder ein Ball für die Sportler der Sparte Floorball oder Basket- und Fußbälle, die in der Freizeit genutzt werden können. Wer möchte, kann auch Feedback bei Mario Adolphs einholen.

Auch aus der Ferne da sein

Er versucht auch aus der Ferne für die Kinder und Nachfragen da zu sein. Neben den Hausaufgaben und Lerninhalten der Schule wird hier eine alternative Beschäftigung aufgezeigt, der die Kinder und Jugendlichen nachgehen können.

Auch die Teams von Scholzhalle und City-Fitness sind die Offensive gegangen und bieten schon nach wenigen Tagen erste Videos an, die die sportliche Betätigung in den eigenen vier Wänden unterstützen sollen. Schon ausgiebige Dehnungen oder ein Zirkeltraining sind hilfreich. Auch die Heimatsportler um Martin Hoßmang, die sonst draußen in der Stadt trainieren, bieten regelmäßig Einheiten als Livestream.

Die Rechnung „ohne den Wirt“

Einen besonders aufbauenden Beitrag hat der Verein „Kraft und Figur“ auf seiner Website veröffentlicht: Mit der Information über die Schließung und die Bedeutung dieser Maßnahme für das Studio war den Mitgliedern angeboten worden, dass auf Grund der Einschränkungen im Monat April nur die Hälfte des Beitrages abgebucht werde. Doch diese Rechnung wurde ohne die treuen und empathischen Freizeitsportler gemacht! Eine lange Auflistung anonymisierter Statements offenbart sehr viel Solidarität. Fast ausnahmslos wird angeboten, dass der volle Mitgliedsbeitrag gerne weiter bezahlt werde – verbunden mit besten Wünschen für Gesundheit und Zukunft. Hier geht es nun um Durchhalten in der schweren Zeit. Nun motivieren die Mitglieder ihre Trainer statt wie üblich andersherum. Dankesworte schallen zurück: „Genau ihr seid es, was einen Verein ausmacht“, ist auf der Homepage zu lesen. 

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