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Erfolgreich mit der Bio-Brille

Benjamin Scholze ist Deutschlands bester Optikergeselle. Dafür musste er eine knifflige Aufgabe lösen.

© Uwe Soeder

Von Miriam Schönbach

Der Rahmen ist schlicht, im Trend und ein bisschen viereckig. Die Farbe Schwarz schmeichelt der neuesten Mode. Auf jeden Fall passt die Sonnenbrille gut in das Sortiment der Bautzener Fielmann-Filiale. Doch Benjamin Scholze klappt die Bügel vorsichtig wieder zusammen und legt das Modell auf den Tisch. Schließlich ist diese unauffällige Version für ihn etwas Besonderes. „Diese Brille habe ich komplett selbst gebaut und mich somit auf den Bundeswettbewerb der Augenoptiker vorbereitet“, sagt der 23-Jährige.

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Mit Erfolg – denn Deutschlands bester Augenoptiker-Nachwuchs kommt aus Bautzen. Benjamin Scholze setzte sich im Oktober gegen 29 Konkurrenten durch. Ihre Aufgabe lautete, an zwei Tagen eine „energieeffiziente Bio-Brille“ zu kreieren und zu fertigen. „Bei dem Thema kam ich kräftig ins Schwitzen“, sagt der Augenoptiker-Geselle schmunzelnd. Denn die Türen der großen Augenoptiker-Werkstatt in Dortmund schlossen sich, die Handys mussten abgegeben werden. Fortan waren die Teilnehmer des Kreativ-Wettbewerbs des Zentralverbandes der Augenoptiker auf sich gestellt.

Die Köpfe qualmten. Zuerst musste nämlich die Idee aufs Papier. „Aber diese Situation haben wir bei der Vorbereitung in der Fielmann-Werkstatt in München mehrfach geprobt“, sagt Benjamin Scholze und holt sein Handy hervor. Dort hat er seine selbst gebauten Versionen verewigt, die Sonnenbrille in Schwarz, ein Modell mit Hängematte und Palme oder auch eine Brille mit Bratwurst und Senf. Diese etwas kurioseren Kreationen sind nicht für den täglichen Gebrauch gedacht. Genauso wenig wie die Siegerbrille. Der Bautzener verarbeitete in der Fassung Holzspäne und konstruierte einen kleinen Hammer und einen Mini- Nagel. Nach zwölf Stunden musste alles fertig sein.

Benjamin Scholze schwitzt noch jetzt bei dem Gedanken an den Endspurt. „Auf einmal war der Nagel wieder ab, und die Brille saß noch nicht richtig auf dem Modellkopf“, sagt der Augenoptiker. Doch er behielt die Nerven und holte den Sieg in seine Filiale in Bautzen. Das erste Mal betrat er sie im Grundschulalter. Damals brauchte der Junge eben eine Brille. Mit einer einfachen Metallfassung ging er glücklich nach Hause. Gedanken, einmal selbst Optiker zu werden, machte er sich damals nicht. Doch während des Abiturs am Schiller-Gymnasium reifte der Entschluss, dieses Handwerk einmal auszuprobieren. Er bewarb sich für ein Praktikum und durfte in den Beruf „hineinschnuppern“. Neben Brillenputzen schliff er sein erstes Glas für eine Fassung. Jetzt stand für ihn fest, dass er Optiker werden will. Drei Jahre dauerte die Ausbildung. Von den 30 Mitarbeitern der Bautzener Fielmann-Filiale sind fünf Auszubildende. „Wir suchen aber permanent nach neuen Talenten. Es kann sich jeder gern bei uns bewerben“, sagt Corinna Jäckel, die Leiterin der Niederlassung.

Für den Bundessieger beginnt nach anstrengendem Vorbereitungsmarathon und dem Wettbewerb – qualifiziert hat er sich dafür im Mai beim Kammerausscheid in Dresden – wieder der normale Arbeitsalltag zwischen der Beratung im Laden und der ganz praktischen Brillenfertigung in der Werkstatt in der ersten Etage.

„Diese Abwechslung mag ich. Als Augenoptiker muss man die Liebe zum Detail, den Sinn für Ästhetik und die Freude am Umgang mit Menschen mitbringen“, sagt Benjamin Scholze. Übrigens berät der junge Mann inzwischen seine ganze Familie in Sachen Brille.

Doch der Bautzener ruht sich nicht auf seinen Lorbeeren aus. „Ich möchte jetzt ein bisschen Berufserfahrung sammeln und danach zur Meisterausbildung an die Fielmann-Akademie gehen“, sagt der begeisterte Klavierspieler. Der Konzern steckt jährlich mehrere Millionen Euro in die Aus- und Weiterbildung seiner Mitarbeiter. Nach dem Studium will Benjamin Scholze aber wieder in seine Heimat zurückkehren. Denn hier fühlt sich Deutschlands bester Augenoptiker-Geselle am wohlsten.