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Erfolgreich gesattelt

Die Sattlerei Stölzer macht Feinstes aus derbem Leder. Die Lehrlinge gehören zu den Besten des Landes.

Von Philipp Nowotny

Die Sattlerei Uwe Stölzer liegt tief zwischen den Bäumen und Hügeln des Freitaler Windbergs versteckt. Aus purem Zufall verirrt sich wohl kein Kunde hierher. Das abgeschiedene Gebäude, in dem die Werkstatt untergebracht ist, beherbergte in früheren Zeiten einmal die alte Schmiede des Neuhoffnungsschachts. Heute steht dort, wo man einst nach Steinkohle grub, alles im Zeichen des Rohstoffs Leder. „Die Lage ist schon etwas Besonderes“, sagt Sattlermeister Uwe Stölzer. „Hier haben wir Ruhe vor hektischer Laufkundschaft.“

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Auf dem Windberg ticken die Uhren ein wenig anders, das wird schnell klar. Kein Wunder, wird hier doch eines der ältesten noch existierenden Handwerke ausgeübt. An der Rückwand der Werkstatt hängen alte und neue Pferdesättel. Zahlreiche Motorradtaschen, Brillenetuis und auch eine abgezogene Couch zeugen von der Vielseitigkeit des alten Berufs. „Handwerk ist eine Lebenseinstellung“, sagt Willy Meyer. „Man benötigt ein Gefühl für das Produkt und viel Idealismus.“

Der 22-Jährige aus der Nähe von Moritzburg ging hier in den vergangenen drei Jahren in die Lehre, die Sattlerei ist sein Traumjob. „Mein Vater hat einen Hof mit Pferden, der Bezug war also früh da“, erzählt er. Um Leder zu bearbeiten, braucht man viel Kraft, Augenmaß und Ausdauer. Ein echter Pferdesattel benötigt schon mal 100 Stunden Konzentration. Eine riesige Palette an Werkzeugen wird dabei eingesetzt, darunter Ahle, Halbmonde, Lochstecher, Zangen und Kantenzieher. Eine besondere Kunst ist die Fertigung von sogenannten Kumtgespannen, die mit festgezurrtem Roggenstroh gefüllt, mit Wildhaaren gepolstert und mit Leder überzogen werden.

„Im Raum Chemnitz und Leipzig gibt es keine einzige Sattlerei, dagegen sind bei uns im Umkreis von rund 50 Kilometern insgesamt fünf Betriebe ansässig“, sagt Stölzer. „Diese Konkurrenz schlägt sich natürlich auch in der Qualität unserer Produkte nieder.“ Aus ganz Deutschland erhält die Sattlerei Aufträge, viel läuft über Mundpropaganda und das Internet. Die meisten Kunden sind Privatpersonen. Sie lassen sich ihre Oldtimerausstattung erneuern, Möbel polstern, Sättel anpassen oder Taschen fertigen.

Stölzer hat sich 1999 mit der Werkstatt selbstständig gemacht, unterstützt wird der 44-Jährige von seiner Frau Martina und einer Auszubildenden. Um seinen Stamm von 1 000 Kunden und die Qualität zu halten, legt er einen hohen Anspruch an sich selbst und an seine Lehrlinge. Und das mit Erfolg: Willy Meyer, sein ehemaliger Lehrling, hat kürzlich die Ausbildung mit dem besten Zeugnis aller Gewerke der Kreishandwerkerschaft Dresden abgeschlossen. Mitte November erzielte er beim Bundeswettbewerb der Reitsportsattler den ersten Platz. Ein tolles Ergebnis für den Junghandwerker, ein großer Erfolg aber auch für seinen Lehrbetrieb, der bereits 2010 eine Bundessiegerin hervorgebracht hat.

Endlich selbst Chef sein

Im Januar will sich Meyer – nach dem Vorbild seines Mentors Stölzer – mit einer eigenen Firma selbstständig machen. „Dabei geht es mir weniger ums Geld als darum, selbstbestimmt arbeiten zu können“, sagt er. Der Nachwuchssattler wird auch in Zukunft mit der Freitaler Sattlerei eng zusammenarbeiten: „Nach drei Jahren Lehrzeit hat man schließlich noch nicht ausgelernt“, sagt er. Und Uwe Stölzer fügt hinzu: „Wir wollen schon noch ein bisschen davon profitieren, was wir ihm beigebracht haben.“ Arbeit gibt es schließlich genug. Der ehemalige Chef ist sichtlich stolz, denn schließlich ist sein erfolgreicher Lehrling auch für ihn ein Aushängeschild. „Wir bekommen gerade Ausbildungsbewerbungen aus ganz Deutschland“, sagt Stölzer. „Nachwuchssorgen haben wir derzeit also nicht.“