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Erhöhen Sonnenschutzmittel das Krebsrisiko?

In der EU müssen UV-Filter wissenschaftlich geprüft werden. Das ist nicht überall so.

Erst eincremen, dann ins Wasser: Sonnenschutzmittel enthalten Filtersubstanzen, die die UV-Strahlung der Sonne nicht bis zur Haut durchlassen.
Erst eincremen, dann ins Wasser: Sonnenschutzmittel enthalten Filtersubstanzen, die die UV-Strahlung der Sonne nicht bis zur Haut durchlassen. © 123rf

Die Sonne hat jetzt wieder mehr Kraft. Hautärzte empfehlen deshalb dringend Sonnenschutzmittel. Denn UV-Strahlung verursacht im schlimmsten Fall Hautkrebs. Die Zahl der Neuerkrankungen am gefährlichen Schwarzen Hautkrebs (Melanom) hat in Sachsen stark zugenommen: Gab es 2015 noch 920 Neuerkrankungen, rechnet das deutsche Krebsregister 2025 bereits mit 1.500 Fällen im Freistaat. Heller Hautkrebs trat 2015 rund 9.000-mal auf, 2025 wird mit 22.000 Fällen gerechnet.

Andererseits sorgen Meldungen für Verunsicherung, nach denen auch Sonnenschutzmittel nicht unbedenklich sind. Denn sie können chemische UV-Schutzfilter, Nanopartikel und Konservierungsstoffe enthalten. Einige Länder wie die Pazifikinseln Palau und Hawaii verbieten sie sogar aus Umweltschutzgründen, denn sie können Korallenriffe schädigen und die Fischpopulation beeinträchtigen.

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Wie funktionieren Sonnencremes eigentlich?

Sonnenschutzmittel enthalten Filtersubstanzen, die die UV-Strahlung der Sonne nicht bis zur Haut durchlassen. Dabei ist zwischen organisch-chemischen und mineralisch-physikalischen UV-Filtern zu unterscheiden. Bei chemischen Filtern nehmen die Moleküle die Sonnenstrahlen auf und verwandeln sie in Wärme, erklärt das Bundesinstitut für Risikobewertung. Solche Filter seien zum Beispiel Octinoxat und Oxybenzon. Physikalische Filter wie Titandioxid und Zinkoxid hinterlassen oft einen weißen Film auf der Haut. Diese Pigmente reflektieren das Sonnenlicht wie winzige Spiegel. Wie intensiv ein Produkt schützt, zeigt der Lichtschutzfaktor. Je höher er ist, umso länger kann man – abhängig vom Hauttyp – in der Sonne bleiben.

Wie gefährlich sind UV-Filter in Sonnenschutzmitteln?

Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft sind gesundheitliche Beeinträchtigungen bei Sonnenschutzmitteln, die in der Europäischen Union erhältlich sind, nicht zu erwarten, so das Bundesinstitut. Der Grund: In der EU dürften nur Produkte verkauft werden, deren UV-Filter durch das wissenschaftliche Expertengremium der EU-Kommission als sicher bewertet wurden. Zurzeit seien das 30 Filtersubstanzen.

Wie werden Sonnenschutzmittel bewertet?

Grundlage dafür sind wissenschaftliche Daten, in denen alle wichtigen toxikologischen Informationen beschrieben werden müssen und Informationen, ob und in welcher Menge die Stoffe über die Haut in den Körper gelangen können. Falls die Datenlage unzureichend ist, fordert das Expertengremium weitere Studien. Hersteller können UV-Filter nur dann einsetzen, wenn bei der beabsichtigten Höchstkonzentration von keinem Risiko auszugehen ist.

Warum wird dann so oft vor chemischen UV-Filtern gewarnt?

Grundlage ist eine Studie der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA, die eingeschaltet wurde, weil Herstellerfirmen keine toxikologischen Untersuchungen vorlegen konnten. Laut FDA hatten die untersuchten Sonnenschutzmittel den Höchstwert für UV-Filter-Rückstände im Blutplasma überschritten. In der EU muss untersucht werden, ob die UV-Filter ins Blut übergehen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass kein Sonnenschutzmittel vollständig vor UV-Strahlung schützt. Den besten Schutz bieten immer noch Textilien.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass kein Sonnenschutzmittel vollständig vor UV-Strahlung schützt. Den besten Schutz bieten immer noch Textilien. © Pascal Guyot/AFP/dpa

Sonnenschutzmittel enthalten oft Nanopartikel. Wie gefährlich sind sie?

Auch die Nanopartikel, die als UV-Filter in Sonnencremes eingesetzt werden, müssen vom Expertengremium der EU-Kommission bewertet werden. Der Kontakt von Nanopartikeln mit der Haut ist dem Bundesinstitut zufolge aber gut untersucht. In den Formen, wie sie in kosmetischen Mitteln verwendet werden, könnten sie nicht in den menschlichen Blutkreislauf eindringen, deshalb seien Konzentrationen von bis zu 25 Prozent in Sonnenschutzmitteln unbedenklich.

Dies wurde aber nur für gesunde, intakte und sonnenverbrannte Haut untersucht. Das Bundesinstitut empfiehlt deshalb Menschen mit Hauterkrankungen wie Akne, Allergien oder Neurodermitis, ihren Hautarzt zu fragen.

Auch Lippenpflegestifte enthalten UV-Filter. Sind die unbedenklich?

Nach derzeitigem Kenntnisstand sei davon auszugehen, dass Lippenpflegestifte nur in sehr geringem Ausmaß zur Aufnahme von UV-Filtern beitragen. Gesundheitliche Beeinträchtigungen sieht das Bundesinstitut daher nicht.

Erhöhen UV-Filter im Sonnenschutz das Risiko für Krebs?

Laut Bundesinstitut gibt es dafür keine wissenschaftlichen Belege, zumindest wenn es um Sonnencreme oder Lotion geht. Der Zeitschrift Öko-Test zufolge hat die EU Titandioxid als „vermutlich krebserregend“ eingestuft, aber nur, wenn es eingeatmet wird. Titandioxid sei deshalb in Sonnensprays verboten. Viel schädlicher ist es aber, auf Sonnenschutzmittel zu verzichten, warnen Hautärzte, denn Sonnenbrand sei das Hauptrisiko für Hautkrebs.

Welche weiteren Inhaltsstoffe stehen in der Kritik?

Dazu gehören laut Bundesumweltamt Stoffe wie Triclosan, Parabene und Phenoxyethanol. Das sind Konservierungsstoffe, die vor Bakterien und Schimmelpilzen schützen. Ihre Wirkung auf das Hormonsystem wird gegenwärtig untersucht.

Welche Sonnenschutzmittel sind empfehlenswert?

In der Untersuchung des Magazins Öko-Test schnitten mehr als die Hälfte der Sonnencremes für Kinder mit dem Lichtschutzfaktor 50 oder 50+ mit „gut“ oder „sehr gut“ ab. Die ausführlichen Ergebnisse lesen Sie im aktuellen Juniheft. Die Stiftung Warentest untersucht in ihrem Juliheft, das am 24. Juli erscheint, ebenfalls Kindersonnenschutzmittel.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung indes darf keine konkreten Produkte empfehlen. Es weist aber darauf hin, dass kein Sonnenschutzmittel vollständig vor UV-Strahlung schützt. Den besten Schutz bieten immer noch Textilien, die die Haut bedecken. (sw/rnw)

Der richtige UV-Schutz:

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  • Die Stärke der UV-Belastung zeigt der UV-Index. Je höher er ist, umso schneller kommt es zum Sonnenbrand. Der UV-Index liegt in Deutschland höchstens bei 8. Dann sollte man im Haus bleiben oder sich gut vor der Sonne schützen. Den UV-Index erfährt man zum Beispiel beim Deutschen Wetterdienst.

  • Sonnenentwöhnte Haut muss langsam an eine längere UV-Bestrahlung gewöhnt werden. Deshalb Zeiten des Sonnenhöchststandes am Mittag oder frühen Nachmittag im Schatten verbringen.

  • Der beste Sonnenschutz wird durch Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnenbrille erreicht. Nicht vergessen werden dürfen Ohren, Nacken, Fußrücken.

  • Freie Körperstellen müssen großzügig eingecremt werden. Für Kinder wird mindestens Lichtschutzfaktor 30, für Jugendliche und Erwachsene mindestens 20 empfohlen – im Hochsommer und in südlichen Ländern sogar 50+.

  • Sonnencreme sollte mit UV-A- und UV-B-Filter ausgestattet sein. Sie wird etwa eine halbe Stunde vor dem Aufenthalt in der Sonne aufgetragen. Erwachsene benötigen für den ganzen Körper 30 bis 40 Milliliter, das sind drei bis vier gehäufte Esslöffel, Kinder etwa die Hälfte. Alle zwei Stunden sollte nachgecremt werden, ebenso nach dem Baden oder Abtrocknen.

  • Beim Baden reflektiert die UV-Strahlung und verstärkt dadurch ihre Wirkung. Schulter, Brust und Rücken sollten daher lieber mit einem T-Shirt bedeckt sein.

  • Solarien erhöhen nicht die Eigenschutzzeit der Haut. Vorbräunen nützt deshalb nichts, es erhöht eher die UV-Belastung. Besser ist es, sich die ersten Tage im Urlaub vorwiegend im Schatten aufzuhalten. Auch Medikamente können die Sonnenempfindlichkeit erhöhen.

Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz

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