merken
PLUS Radebeul

Erhöhte Zeckengefahr

Der Landkreis Meißen wurde Anfang des Jahres als FSME-Risiko-Gebiet eingestuft. Was bedeutet das?

Zecken können verschiedene Erreger in sich tragen und diese durch Stiche übertragen, zum Beispiel das FSME-Virus und Borreliose-Bakterien.
Zecken können verschiedene Erreger in sich tragen und diese durch Stiche übertragen, zum Beispiel das FSME-Virus und Borreliose-Bakterien. © dpa

Experten hatten schon im Frühjahr vor einem extremen Zecken-Jahr gewarnt. Durch den milden Winter soll es noch mehr der Spinnentierchen geben, die gefährliche Krankheiten übertragen können. Das Robert Koch-Institut stufte Anfang des Jahres zudem zwei weitere Gebiete in Sachsen als FSME-Risikogebiet ein: das Stadtgebiet Dresden und den Landkreis Meißen. Die Abkürzung FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis, eine Krankheit, die grippeähnliche Beschwerden, in selteneren Fällen auch Fieber, Hirnhautentzündungen und Lähmungen hervorrufen kann und durch Zecken übertragen wird.

Der Sommer ist in vollem Gange. Durch die Corona-Krise und den damit verbundenen Ausfall vieler Veranstaltungen zieht es die Leute vermehrt in die Natur und damit auch rein in den Lebensraum der Zecken. Die Sächsische Zeitung klärt über die wichtigsten Fragen auf.

TOP Reisen
TOP Reisen
TOP Reisen

Auf ins Weite, ab in die Erholung! Unsere Top Reisen der Woche auf sächsische.de!

Warum wurde der Landkreis Meißen als FSME-Risikogebiet eingestuft?

Das Robert Koch-Institut zählt aktuell 164 Kreise in ganz Deutschland zu den Risikogebieten, die meisten liegen nach wie vor in Bayern und Baden-Württemberg. Aber auch in Sachsen gelten inzwischen sechs von 13 Stadt- und Landkreisen als FSME-Risikogebiet. Dazu werden Regionen erklärt, in denen für Einwohner mit sogenannter Zeckenexposition - also quasi für jeden, der sich hin und wieder in Wald und auf Wiesen aufhält - ein Erkrankungsrisiko besteht. In die Risikoberechnung werden auch die Fallzahlen der angrenzenden Kreise einbezogen.

Wie hoch ist Anzahl der Infektionsfälle aktuell?

Auch wenn der Landkreis als Risiko-Gebiet zählt, die Gefahr sich mit FSME zu infizieren, ist nach wie vor gering. Aktuell wurde 2020 noch keine einzige FSME-Erkrankung registriert, informiert das Gesundheitsamt. 2019 gab es einen Fall. Trotz niedriger Zahlen könne das FSME-Risiko aber innerhalb eines Kreises stark schwanken, erklärt das Robert Koch-Institut, da die Herde oftmals kleinräumig seien. Die Gefahr, nach einem Zeckenstich in den Risikogebieten an FSME zu erkranken, liegt Schätzungen zufolge bei bis zu 1 zu 150. Es wird angenommen, dass 0,5 bis fünf Prozent der Zecken in Risikogebieten mit dem Virus infiziert sind. 

Allerdings führt nicht jede Infektion zu einer Erkrankung. In ganz Sachsen gab es 2019 27 Erkrankungen, in diesem Jahr wurden bisher zwölf Fälle übermittelt, wobei sich drei Menschen außerhalb Sachsens infizierten: in Thüringen, Polen und Litauen, teilt das Sozialministerium mit. Deutlich höher sind die Fall-Zahlen bei den Borreliose-Erkrankungen. 2019 wurden allein im Landkreis Meißen 265 Fälle registriert. In diesem Jahr erkrankten bisher über 120 Menschen.

Wer sollte sich gegen FSME impfen lassen?

Bei der FSME helfen keine Medikamente, wenn die Krankheit erst einmal ausgebrochen ist. Es gibt aber eine Impfung, die für alle Personen empfohlen wird, die in einem Risikogebiet wohnen oder sich dort zeitweise aufhalten, informiert das Gesundheitsamt des Landkreises. „Zudem sollten sich Personen impfen lassen, die durch FSME beruflich gefährdet sind, etwa Laborpersonal, sowie in den Risikogebieten zum Beispiel Forstarbeiter und Landwirtschaftsarbeiter. Ebenso ist eine Impfung bei Aufenthalten in Risikogebieten außerhalb Deutschlands empfohlen.“ 

Die FSME-Impfung werde im Volksmund fälschlicherweise oft als Zeckenschutzimpfung bezeichnet. Sie schützt aber nicht gegen alle von Zecken übertragenen Krankheiten, sondern nur vor der Frühsommer-Meningoenzephalitis. Bei der Borreliose ist es genau umgekehrt: Die Krankheit kann mit Antibiotika behandelt werden. Einen zugelassenen Impfstoff gibt es bislang nicht. 

Laut Robert Koch-Institut sind die Impfquoten in ganz Deutschland in den letzten Jahren stagniert oder nahmen sogar ab. 98 Prozent der 2019 gemeldeten FSME-Erkrankten war gar nicht oder unzureichend geimpft. Abgesehen von der Impfung sollte man zum Schutz im Wald und auf Wiesen am besten geschlossene Kleidung tragen und den Aufenthalt in hohem Gras oder Unterholz vermeiden, da die Zecken hauptsächlich dort sitzen.

Woran erkennt man eine FSME-Erkrankung?

Betroffene klagen über ein allgemeines Krankheitsgefühl. Die Anzeichen werden oft mit einem Infekt verwechselt, vor allem wenn der Zeckenstich unbemerkt blieb. Bei einem Teil der Erkrankten kommt nach einer vorübergehenden Besserung Fieber hinzu. Gehirn und Hirnhäute können sich entzünden, manchmal ist auch das Rückenmark betroffen. Je nach Schwere der Krankheit kommt es zu Übelkeit, starken Kopf- und Nackenschmerzen, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen oder Lähmungen.

Mehr zum Thema Radebeul